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14.05.2013

15:57 Uhr

Blessing und Müller unter Druck

„Commerzbank braucht neue Köpfe an der Spitze“

VonDietmar Neuerer

Noch vor sechs Jahren war die Commerzbank knapp 25 Milliarden Euro wert. Inzwischen ist das Institut an der Börse nur noch knapp sechs Milliarden Euro schwer. Der Bund als Großaktionär ist massiv verärgert.

Unter massiven politischem Druck: Martin Blessing (li.), Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG, und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller. dpa

Unter massiven politischem Druck: Martin Blessing (li.), Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG, und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller.

BerlinVor wenigen Monaten ließ eine Expertise des Ratingriesen Standard & Poor's (S&P) zur Commerzbank aufhorchen. Die Experten zeigten sich damals wenig überzeugt von den Plänen von Vorstandschef Martin Blessing, die zweitgrößte deutsche Privatbank wieder auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank werde „komplexer und zeitraubender sein als gedacht“, urteilten die Kreditanalysten damals und drohten kurzerhand mit einer Herabstufung. Heute zeigt sich: die Einschätzung der S&P-Leute fiel sogar noch milde aus.

Der Börsenwert des teilverstaatlichten Dax-Konzerns ist massiv geschrumpft – von knapp 25 Milliarden Euro vor sechs Jahren auf heute sechs Milliarden Euro.

Wie prekär die Lage ist, zeigt die erneute Kapitalerhöhung der Bank. 2,5 Milliarden Euro sollen eingesammelt werden, um den Einstieg in den Ausstieg des Staates zu schaffen. Doch für Alt-Aktionäre wir die Aktion noch schmerzhafter als befürchtet. Die Aktien werden zu einem Preis von gerade einmal 4,50 Euro pro Stück platziert. Am Montag war noch über einen Emissionspreis von rund fünf Euro spekuliert worden.

So funktioniert die Kapitalerhöhung

Zeitplan

Am Mittwoch beginnt die Bezugsfrist, in der die Commerzbank-Aktionäre die neuen Papiere zeichnen können. Für je 21 Aktien haben sie das Recht, 20 neue zum Preis von 4,50 Euro zu kaufen. Die Frist läuft zwei Wochen, bis zum 28. Mai. Wer keine neuen Aktien kaufen will, kann sein Bezugsrecht bis zum 24. Mai auch an der Börse verkaufen. Rechnerisch ist diese Art von Rabattgutschein 2,65 Euro wert. Begleitet wird die Kapitalerhöhung von der Deutschen Bank, Citi und HSBC - und von der Commerzbank selbst.

Platzierung

Gleich zu Beginn der Bezugsfrist - womöglich schon in der Nacht zum Mittwoch - wirft der SoFFin Commerzbank-Aktien für 625 Millionen Euro aus seinem Bestand auf den Markt. Ihr Preis dürfte knapp unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Aktienkurses liegen. Wer diese Papiere kauft, erhält allerdings kein Bezugsrecht für die Kapitalerhöhung. Mit dem Erlös der Platzierung beteiligt sich der SoFFin an der Kapitalerhöhung, so muss er kein frisches Geld in die Hand nehmen.

Tausch

Der SoFFin tauscht bei der Kapitalerhöhung Stille Einlagen im Wert von 625 Millionen Euro in neue Commerzbank-Aktien. Bei einem Verkaufspreis von 7,10 Euro wären das rund 88 Millionen Aktien - rund 15 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Seine Beteiligung an der Commerzbank sinkt durch die Platzierung und den Tausch von 25 auf gut 17 Prozent. Die restliche Stille Einlage - rund eine Milliarde Euro - zahlt die Commerzbank mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung zurück.

Preis

Der Preis für die neuen Aktien liegt 38 Prozent unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs. Im Vergleich zum Schlusskurs vom Montag ist das ein Abschlag von 55 Prozent. Damit muss die Commerzbank ihr Grundkapital fast verdoppeln, um die benötigten 2,5 Milliarden Euro einzunehmen. Mit dem Verkauf von 555,6 Millionen Aktien nimmt die Bank 1,875 Milliarden ein. 750 Millionen Euro davon gehen an die Allianz.

Bezugsrechtehandel

Zu welchem Preis sich die Bezugsrechte verkaufen lassen, das bestimmen Angebot und Nachfrage. Aktien und Bezugsrechte werden ab dem heutigen Mittwoch getrennt voneinander gehandelt. Sobald das geschieht, verringert sich der Aktienkurs in um den Wert der Bezugsrechte.

Mitziehen oder nicht?

Wenn ein Alt-Aktionär an der Kapitalerhöhung teilnimmt, dann bleibt ihr Anteil am Grundkapital der Commerzbank stabil. Zieht er nicht mit, wird sein Anteil „verwässert“, das heißt, sein relativer Anteil an der Bank schrumpft, weil es insgesamt mehr Aktien gibt. Das spielt dann eine Rolle, wenn die Bank in den nächsten Jahren wieder einmal eine Dividende ausschütten sollte. Die wird über alle Aktien gleichmäßig verteilt.

Dass die derzeitigen Vorgänge bei der Bank die Politik nicht ungerührt lassen, ist nicht verwunderlich. Die Bundesregierung hatte das Institut in der Finanzkrise vor dem Aus gerettet, indem der Bankenrettungsfonds SoFFin für 1,8 Milliarden Euro 25 Prozent an der Bank übernahm und weitere 16,4 Milliarden Euro in Form Stiller Einlagen in das Geldhaus steckte. Von den Stillen Einlagen sind noch 1,6 Milliarden Euro übrig, die nun ebenso zurückgezahlt werden sollen wie die 750 Millionen Euro schwere Mitgift der Allianz. Der Versicherer hatte die Commerzbank mit einer Stillen Einlage nach deren Fusion mit der Dresdner Bank gestützt.

Angesichts der desolaten Lage der Bank gerät nun die Konzernspitze unter massiven Druck der Politik. Die Grünen halten sowohl Vorstandschefs Blessing als auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller für nicht länger tragbar. Die Union will den beiden dagegen noch eine Galgenfrist einräumen.

Kommentare (10)

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CommerzbankAktionaer

14.05.2013, 16:25 Uhr

Müller hat das CDU-Parteibuch und besitzt somit offensichtlich Narrenfreiheit bei der Commerzbank. Die Bundesregierung ist einer der Hauptverantwortlichen für die Schädigung der Aktionäre und des Steuerzahlers, da sie trotz erwiesener Inkompetenz stur am überforderten Führungspersonal festhält.

Account gelöscht!

14.05.2013, 16:51 Uhr

If you pay peanuts, you get monkeys !

th235

14.05.2013, 17:44 Uhr

Puff
Da kann man das Geld gleich zum Sozialamt tragen. Was sich der Blessing dabei gedacht hat, die neuen Aktien zu 4,50 Euro herauszugeben, ist schon eine dreiste Zumutung. Der soll sobald den Weg des geringsten Widerstandes gehen und verschwinden. Aber sofort. Mit Ihm die gesamten Ganoven. Darunter zählen die gesamten Vorstände und Aufsichtsräte. Man kann in Deutschland nicht mehr eine eigene Altersvorsorge aufbauen, geschweige einer Bank trauen, bei der das Geld sicher angelegt ist. Jeder Häuslebauer, dem ein Schicksal getroffen hat, der soll sehen wie er den Kredit zurückzahlen kann. Wenn nicht, wird versteigert. Das Blessing die gesamte Schuld auf Griechenland, Bundesregierung und EZB abwälzt, ist schon ein verdammt billiges Argument. Als Banker hat man so viele "Experten" um sich, die den auf CDS basierten Ungereimtheiten ausfindig hätte machen können, so auch bei Griechenland deren korrupte Wirtschaft und jetzt so ein billiges Argument in die Welt zu setzen, müsste eigentlich bestraft werden. Hier ist die Staatsanwaltschaft gefordert in dem sogenannten freiheitlich - demokratischen Land, genannt Deutschland. Die sollte einmal diese Geldvernichter (Verbrecher) öffentlich vorführen. Jeder kleine Ladendiebstahl wird bestraft. Hier geht es um einiges. Die größten Verbrecher lässt man "Laufen". "Deutschland eine Wintermärchen" von Heinrich Heine. Die Kleinen fasst man. Ein korruptes System ohne Ende

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