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17.09.2013

20:16 Uhr

Blick von außen

Wen das Ausland wählen würde

In Deutschland hofft Rot-Grün, dass die Wähler am Sonntag doch noch zu ihnen umschwenken. Aber was denken Amerikaner, Franzosen und Briten über Merkel, Steinbrück und die Bundestagswahl? Unsere Korrespondenten berichten.

Wahlplakate in Hannover: Im Ausland liegt größtenteils Merkel vorne. dpa

Wahlplakate in Hannover: Im Ausland liegt größtenteils Merkel vorne.

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Ob Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt, ob die Union weiter mit der FDP regiert, ob die SPD noch erstarkt und die Euro-Kritiker in den Bundestag einziehen – diese Fragen beschäftigen nicht nur die Republik. Auch Europa, Nordamerika und Asien schauen auf die Wahl in Deutschland – doch mit welchen Erwartungen?

USA: Der Mittelfinger begeistert die Wall Street

„Was ist denn bei euch los?“ lautet der Betreff einer E-Mail, die mir ein Banker vergangene Woche schickt. Sie enthält den Link zu einem englischen Blogeintrag über den Mittelfinger von Peer Steinbrück. Ich muss lachen. Auf einmal interessiert sich also die Wall Street für den deutschen Wahlkampf. Immerhin scheint der schlimme Finger die Banker wachgerüttelt zu haben. Wenig später kommt eine andere E-Mail. „Stimmt es, dass das in Deutschland knapp werden könnte? Ich dachte, Merkel gewinnt auf jeden Fall.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin des Handelsblatts in New York. Ricardo Borges

Astrid Dörner ist Korrespondentin des Handelsblatts in New York.

Lange Zeit glaubten viele in den USA, dass die langweiligen Deutschen eine ebenso langweile – weil eindeutige – Bundestagswahl haben würden. Angela Merkel, „Frau Europa“, wie sie das US-Magazin „Time“ 2010 nannte, würde ja wohl gewinnen, war die einschlägige Meinung. Details interessierten auf der anderen Seite des Atlantiks nur die Liebhaber.

Peer Steinbrück wurde vor dem Foto mit dem Finger kaum wahrgenommen. Die „New York Times“ hatte ihn Anfang des Jahres wegen seiner Pannenserie mit Obamas Herausforderer Mitt Romney verglichen. Einige Banker erinnerten sich noch an seine Interpretation der Finanzkrise. Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 hatte er als SPD-Finanzminister versichert, die Krise sei ein rein amerikanisches Problem. Nach der Pleitewelle bei den deutschen Landesbanken löst das in den USA höchstens noch ein abfälliges Achselzucken aus.

Doch der Finger hat Steinbrück ins Zentrum der amerikanischen Aufmerksamkeit gerückt. Von der renommierten „New York Times“ bis zum Klatschblatt „New York Daily News“ haben alle das Foto abgedruckt – einige haben den Finger sogar verfremdet. Es wäre ja sonst zu unhöflich für den amerikanischen Leser. Auch dass die Wahl noch nicht entschieden ist, haben nun die meisten mitbekommen. „Das Angela-Rätsel“ titelt das Time-Magazine diese Woche. Und doch mag so recht niemand daran glauben, dass Deutschland künftig wieder von einem Mann regiert werden könnte.

Kommentare (24)

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Rainer_J

17.09.2013, 20:40 Uhr

Alle Garantien und Versprechen vor der Euroeinführung wurden gebrochen.

Wir sollten nicht nur fragen, was andere Länder mit den Politikern der Altpartei CDUSPDFDPGrüne machen würden, sondern wir sollten fragen, was ein Autofahrer machen würden, wenn er sich ein Auto gekauft hat, das ständig Pannen hat und die Garantien hält der Fahrzeughersteller nicht ein?

Was würde der vernünftige Autofahrer machen?

Er würde, alleine schon aus Prinzip, beim nächsten Autokauf die Automarke wechseln, damit Pfusch und Lügen nicht belohnt werden. Ansonsten würde ihn keiner mehr ernst nehmen und der Fahrzeugsteller würde ihm nur noch auf dem Kopf rumtanzen.

Also, keine der Altparteien CDUSPDFDPGrüne wählen. Der Autofahrer würde so handeln. Jede Wette!

SpecialKrautElection

17.09.2013, 21:05 Uhr

Wir haben total verkorkst reagierende Wahlinstitute im Inland. Mit unprofessionell auftretenden Führungspersonen, die sich zu üblen Äußerungen hinreißen lassen. Die Wahl wird spannend. Die SPD agiert mit Mittelfinger und nun auch Zeigefinger. Wie phallisch! Merkel hat die Finger-Raute. Man erinnert sich an die Wahl vor vier Jahren. Das Titanic-Magazin schrieb so ungefähr: "Steinbrück startet Peniswahlkampf. Merkel ohne Chance?"
Die AfD wird mit allen möglichen Gruppierungen in Verbindung gebracht. Das Ausland wünscht sich durch ihr Erscheinen eine Belebung der Debattenkultur. Das unterstütze ich. Aber Debatte müssen wir Deutsche noch lernen. Wir starten da auf einem sehr niedrigen Level: Bestätigen oder bekämpfen. Sehr viel mehr ist noch nicht drin, auf Socken in Birkenstocks. Leider.

KrautSpecialElection

17.09.2013, 21:22 Uhr

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