Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2012

16:04 Uhr

Blogschau

Ökonomen-Streit wirbelt das Netz auf

VonSteffen Daniel Meyer

Diskussionen im Netz drehen sich meist um das Netz. Doch Blog-Einträge und Twitter-Gespräche heute zeigen: Es kann auch um Ökonomie gehen - und nicht zu knapp. Dafür ist aber auch ein Handelsblatt-Autor verantwortlich.

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, ist einer der Unterzeichner des offenen Briefes. dpa

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, ist einer der Unterzeichner des offenen Briefes.

DüsseldorfWenn im Netz heiß debattiert wird, dann geht es oft ums Urheberrecht, um Internet-Zensur oder die Piratenpartei. Doch heute war alles etwas anders. Denn es ging im Netz nicht ums Netz. Sondern um Ökonomie. Genauer: Um den offenen Brief von 160 Wirtschaftswissenschaftlern – und vor allem um die Kritik daran.
Den Anfang machte der Ökonom Gustav Horn von der Hans-Böckler-Stiftung, der den Entwurf des Aufrufs auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. In dem Entwurf verurteilten die Autoren vor allem Pläne zu einer Bankenunion. Handelsblog-Autor Olaf Storbeck griff die Nachricht auf – und schrieb eine vernichtende Kritik: Unter dem Titel „Deutschlands Ökonomen sinken auf Tsipras-Niveau“ erklärt er, dass die Argumentation „demagogisch“ und „platt“ sei. Mit „nüchterner wirtschaftswissenschaftlicher Analyse“ habe das „nur noch wenig zu tun“.

Rund 80 Kommentare finden sich derzeit unter dem Artikel, einige danken für die Gegendarstellung, andere wiederum kritisieren Storbeck heftig: „der Artikel ist des Handelsblatts unwürdig“ schreibt etwa der anonyme User Franz_f_x_s. Einige Kommentare sind schwer beleidigend, doch viele versuchen ihre Meinung ausführlich darzulegen. Mit langen ökonomischen Argumentationen gehen sie gegen Storbeck an.

Das Blog „Wirtschaftswurm“ greift die Debatte auf (später tut es auch der „Wirtschaftsphilosoph“) und unterstützt einige Einwände der Handelsblog-Kritiker. Auch hier schließen sich Kommentare an, in denen ausführlich Stellung bezogen wird.
Andere Blogs namhafter Medien schalten sich in die Debatte ein: Auf „Herdentrieb“ - dem Wirtschaftsblog von Zeit Online – schreibt Mark Schieritz über „Deutsche Ökonomen im Panikmodus“. Ähnlich wie Storbeck nimmt auch Schieritz den Brief auseinander: Er wirft den 160 Unterzeichnern Panikmache und Irreführung vor. Über 100 Kommentare sammeln sich derzeit unter dem Eintrag, auch hier ist der Ton harsch, aber oft genug angefüttert mit ökonomischen Argumenten.

Öffentlicher Aufruf: Ökonomen-Aufstand gegen Euro-Retter

Öffentlicher Aufruf

Ökonomen-Aufstand gegen Euro-Retter

Dutzende renommierte Wirtschaftsforscher laufen Sturm gegen die Politik der Euro-Retter.

Schließlich veröffentlicht das „Wirtschaftswunder“-Portal der Financial Times Deutschland die Meinungen verschiedener Ökonomen zu dem Thema: Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger zum Beispiel kritisiert den Brief als „schlimmste Stammtisch-Ökonomie“. Das Zitat sitzt. Der Artikel wird so oft verlinkt, dass er lange Zeit den ersten Platz beim Nachrichten-Aggregator Rivva.de einnimmt. Zeitweise stehen fünf Einträge zum Thema auf der Nachrichten-Seite, die mittels Algorithmen das Netz nach den meistdiskutiertesten Inhalten durchsucht.

Auch auf Twitter wird diskutiert – vor allem unter den schon erwähnten Bloggern. Die Ausmaße sind zwar nicht vergleichbar mit netztypischen Themen wie ACTA oder Leistungsschutzrecht, aber - abgesehen von der Target-2-Debatte - hat selten zuvor solch ein komplexes Ökonomie-Thema so eingeschlagen wie der Aufruf der Ökonomen. Man kann das als eine Antwort auf den Vorwurf, dass sich das Netz vorzugsweise um das Netz selbst drehe, verstehen. Die Diskussion hat gezeigt: Das Netz kann mehr als nur Urheberrecht, Internet-Zensur und Piratenpartei. Manchmal kann es auch Ökonomie.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

matze

06.07.2012, 16:16 Uhr

ups, ich dacht "wir/ich krich langsam schümpffff".
nett geschrieben! dat is das schöne im net - nich nur movies - manetmal auch grips.

Account gelöscht!

06.07.2012, 16:28 Uhr

Herr Sinn, meine Hochachtung ! Ihre Thesen und ihre Art der Argumentation ist genau richtig in der Debatte. Das Scheuklappen-Handeln der Regierung als hirnlose Karawane in der Wüste muss gestoppt werden. Die richten alles zu Grunde, nur um Brüssel und der EU sympatisch zu sein. Furchtbarer unpatriotischer Verrat ist das.

Koboldo

06.07.2012, 16:30 Uhr

Herr Dr. Schäuble, Sie mögen manches empörend finden, nur ist in der momentan herrschenden Situation Ihre Gefühlslage wenig gefragt. Sie sollten sattdessen diesen Ökonomen (und der Allgemeinheit) mit Sachargumenten entgegentreten!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×