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15.04.2012

12:06 Uhr

BND-Chef Schindler

Mehr Risiko im Kampf gegen Terroristen

Interviews des BND-Präsidenten sorgen für Aufregung in der Koalition. Kritisch wird vor allem gesehen, dass Deutschland oberster Auslandsgeheimdienstchef von seinen Agenten mehr Risikobereitschaft fordert.

BND-Präsident Gerhard Schindler fordert mehr Risikobereitschaft von seinen Agenten - und bringt damit die FDP gegen sich auf. dapd

BND-Präsident Gerhard Schindler fordert mehr Risikobereitschaft von seinen Agenten - und bringt damit die FDP gegen sich auf.

BerlinDer neue Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, will die Schlagkraft seiner Agenten verbessern und eckt damit gleich innerhalb der schwarz-gelben Koalition an. „Wir müssen die operativen Fähigkeiten noch verbessern und ausbauen“, sagte Schindler in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Dabei müsse der BND auch „gut kalkulierte Risiken häufiger“ eingehen. „Auch hier gilt: No risk, no fun“, sagte der BND-Präsident. „Der Dienst muss risikofreudiger werden“, sagte Schindler auch im „Spiegel“. In den Krisengebieten der Welt dürfe es „kein Zögern“ geben. Schindler: „Wir müssen die Ersten sein, die reingehen, und als Letzte wieder raus.“

Widerspruch kommt aus der FDP. „Es geht bei der Arbeit des Auslandsnachrichtendienstes nicht um Action á la James Bond, sondern um die seriöse und effektive Aufklärung von Risiken, die unseren Staat bedrohen könnten“, sagte Fraktionsvize Gisela Piltz Handelsblatt Online. Das müsse jedem, auch dem BND-Präsidenten, „selbstverständlich völlig klar“ sei.

Klar sei aber auch: Statt neuer Risiken sei mehr Effizienz geboten, sagte Piltz weiter. „Nachdem jüngst bekannt wurde, dass der BND im Jahr Millionen von E-Mails abfängt, muss das Augenmerk des Dienstes zu allererst darauf liegen, zielgenauer zu werden“, mahnte die FDP-Politikerin. „Auch die Skandale um das neue Gebäude des BND, bei dem geheime Baupläne in unbefugte Hände geraten waren, lässt vermuten, dass interne Abläufe verbesserungswürdig sein könnten.“

Nach Darstellung von Schindler konnten durch die Aufklärungsarbeit des BND in jüngster Zeit mehrere Anschläge auf die Bundeswehr in Afghanistan vereitelt werden. Die deutsche Auslandsaufklärung verfolge mit großer Sorge die zunehmenden Aktivitäten des Terror-Netzwerks Al-Kaida in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel. Die in Libyen von Rebellen erbeuteten Waffen bedeuteten eine große Gefahr für die Sicherheit in der Region, sagte der BND-Präsident.

Der neue Chef des Auslandsgeheimdienstes schließt auch Terroranschläge nicht aus. Für Al-Kaida sei die Situation im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zwar durch die militärischen Erfolge der westlichen Truppen schwierig geworden. Auch der Tod von Osama Bin Laden vor einem Jahr sei ein „Einschnitt in die Struktur der Kerngruppe“ gewesen. „Wir haben aber nicht den Eindruck“, sagte Schindler, „dass das Terrornetzwerk und seine Strukturen deutlich schwächer geworden wären.“

Die Zielwahrnehmung der Terroristen habe sich nicht geändert. „Al-Qaida plant Anschläge auch in Deutschland“, so Schindler. Nach BND-Erkenntnissen zieht es deutsche Islamisten derzeit verstärkt nach Afrika. „Früher war Waziristan im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan das wohl wichtigste Ziel deutscher Konvertiten“, sagte Schindler dem „Spiegel“, „jetzt wird Somalia zu einem neuen Hotspot.“

Kommentare (1)

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15.04.2012, 12:33 Uhr

No risk, no fun."
Oh je !!!!!
Bitte seht euch die Arbeitsweise des Mossad an , die sind wirklich effektiv und fun ist hier wohl eher sekundär !

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