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03.05.2015

12:13 Uhr

BND-NSA-Affäre

Frau Merkel, zum Rapport

VonDietmar Neuerer

In der Affäre um den BND und den US-Geheimdienst NSA wächst der Druck auf das Kanzleramt. SPD und Grüne fordern, auch Merkel vor dem NSA-Untersuchungsausschuss zu vernehmen. Die Jusos fordern personelle Konsequenzen.

Die NSA-BND-Affäre könnte auch Angela Merkel in Bedrängnis bringen. ap

Angela Merkel.

Die NSA-BND-Affäre könnte auch Angela Merkel in Bedrängnis bringen.

BerlinSPD und Grüne wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den NSA-Untersuchungsausschuss vorladen. Der Grund: die Spionagevorwürfe gegen den Bundesnachrichtendienst (BND) und den US-Geheimdienst NSA. Auf die Frage, ob Merkel dem NSA-Ausschuss Rede und Antwort stehen solle, sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe): „Im Zweifelsfall irgendwann ja, denn sie hat die politische Verantwortung.“

Der Grünen-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss, Konstantin von Notz, erklärte, das Bundeskanzleramt habe „die Dinge so lange schleifen lassen, dass die NSA-BND-Affäre jetzt zu Merkels Skandal geworden“ sei. „Deshalb sollte auch Merkel dem NSA-Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen“, sagte von Notz dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Der BND soll der NSA über Jahre geholfen haben, europäische Unternehmen und Politiker auszuforschen - darunter die französische Regierung und die EU-Kommission. Die NSA lieferte dem BND demnach für die Überwachung des Datenverkehrs in seiner Abhörstation in Bad Aibling viele Suchmerkmale (Selektoren) wie Telefonnummern oder IP-Adressen von Computern, die gegen deutsche und europäische Interessen verstießen. 40.000 davon sortierte der BND nach eigenen Angaben über die Jahre vorab aus. Mehrere Tausend unzulässiger Selektoren fielen aber erst in der aktiven Suche auf.

Mehrere Obleute des NSA-Ausschusses forderten, dass die Listen mit Suchbegriffen vorgelegt werden. Die Bundesregierung hat aber zunächst die Amerikaner um Erlaubnis gefragt, ob sie die Informationen dazu offenlegen darf. Dies sogenannte Konsultationsverfahren läuft noch.

Der SPD-Obmann Christian Flisek mahnte, das Konsultationsverfahren mit den USA dürfe nicht dazu eingesetzt werden, um Zeit zu schinden. „Das Kanzleramt muss eine eigene souveräne Entscheidung treffen. Man kann nicht von Aufklärung reden und das Schlüsselelement dazu nicht vorlegen“, sagte Flisek der Nachrichtenagentur dpa. „Da ist mir herzlich egal, wie die Amerikaner das sehen.“ Das Parlament werde sich die Listen nicht vorenthalten lassen. „Das letzte Druckmittel wäre eine gerichtliche Klärung“, drohte Flisek.

Der NSA-Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg (CDU) sagte dpa, die Regierung müsse sich notfalls auch über ein Nein der Amerikaner hinwegsetzen. Von Notz drohte in der Zeitung „Welt am Sonntag“ sogar mit juristischen Schritten, sollte es keinerlei Einblick in die Selektorenliste geben.

Was die NSA alles kann

Informationen aus dem Internet

Die NSA kann auf verschiedene Weise Informationen aus dem Internet abgreifen. Zum einen werden mit Hilfe des britischen Partnerdienstes GCHQ Datensätze direkt aus Glasfaser-Kabeln abgefischt. Zum anderen sollen sich die Spione in den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren von Google und Yahoo eingeklinkt haben. Nach dem amerikanischen Auslandsspionagegesetz kann die NSA zudem Zugang zu Nutzerinformationen bei Internet-Konzernen beantragen.

Handy-Telefonate abhören

Die NSA kann Handy-Telefonate abhören. Die Verschlüsselung des weit verbreiteten GSM-Standards ist schon seit langem geknackt. Der US-Geheimdienst hat dies wohl auch ausgenutzt, um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu überwachen.

Daten aus Zahlungsdiensten

Die NSA sammelt Daten aus internationalen Zahlungsdiensten. Unter anderem seien die Systeme von Visa und Mastercard betroffen, schrieb der „Spiegel“.

Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren

Die NSA unterwandert die Verschlüsslung von Daten im Internet. Unter anderem wurden dafür Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren eingeschleust.

Aktive Online-Angriffe

Die USA führen auch aktive Online-Angriffe aus, bei denen Spionage- oder Schadsoftware auf Computer von Zielpersonen geladen wird.

Überwachungs-Implantate für Computer

Die NSA hat eine Abteilung, die Überwachungs-Implantaten für Computer, Handys oder andere Technik entwickelt. Dazu gehören zum Beispiel Monitor-Kabel, über die man das Bild von einem Bildschirm abgreifen kann, sowie Bauteile, dank denen der Geheimdienst Zugriff auf Computer ohne Internet-Anschluss bekommt.

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

04.05.2015, 09:58 Uhr

"SPD und Grüne fordern, auch Merkel vor dem NSA-Untersuchungsausschuss zu vernehmen. "

Wie kann das anders sein?

Nur wenn alle Politiker die Angst im Nacken spüren kann man von den Politikern auch erwarten, dass sie sich an die Regeln der Grundrechte der Bürger halten.

Hier muss brutalstmöglich und ohne Privilegien aufgeklärt werden.

Frau Margrit Steer

04.05.2015, 12:20 Uhr

Das ist alles schön und gut it dem Untersuchungs-Ausschuss. Abr die Schuldigen werden auch dort lügen. Also im Grunde genommen Pipifax.
Frau Merkel, die das alles wußte, muß zurücktreten
Es gab schon mal einen Kanzler, der zurücktrat, weil ein Spion bei ihm war, der Kanzler das aber nicht wußte
Aber damals gab es auch noch Anstand unter den Politikern

Herr Clemens Keil

04.05.2015, 13:48 Uhr

Mittlerweile sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein: Alles, was technisch und organisatorisch möglich ist, wird zur Überwachung von Bürgern und Organisationen, also zur Spionage, eingesetzt - unabhängig von Gesetz und Moral.
Insofern ist der immer wieder neu aufgedeckte Skandal, verbunden mit dem gesamten Bohai darum herum, nichts wirklich Neues. Und die mittels "Investigativ-Journalismus" auf die Spitze getriebene Frage, wer hat wann die Unwahrheit gesagt, wer wusste wann Bescheid, lenkt genauso ab wie das bei hinreichender Empörung geforderte und im Notfall gefundene "Bauernopfer" (auch im aktuellen BND-Skandal wird sich in diesem Sinne ein Bauernopfer nicht mehr vermeiden lassen).
Wovon wird abgelenkt?
Schlimmer als die anhaltende Unterlassung von Gegenmaßnahmen ist das Fehlen von transparenten und verbindlichen gesetzlichen und moralischen Regeln, die den Menschen- und Freiheitsrechten wieder absoluten Vorrang einräumen und den sicherheitsbedingten Maßnahmen enge, richterlich und parlamentarisch überwachte Grenzen setzen. Arbeitet etwa
- unsere politische Elite?
- unsere wirtschaftliche Elite?
- unsere kulturelle Elite?
- unsere intellektuelle Elite?
- unsere theologische Elite?
- unsere Leitmedien?
an diesen Grundsatzfragen unserer Demokratie?
Fehlanzeige auf der ganzen Linie!
Stellt Euch vor:
Unsere Bürgerrechte haben einen Asylantrag gestellt: abgelehnt. Müssen sie einen illegalen Weg nach Deutschland suchen?

Verkehrte Welt?
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8

"Wir werden nicht abgehört, die NSA achtet Recht und Gesetz"!
http://youtu.be/_a_hz2Uw34Y

"Stellt Euch vor, wir lauschen gerne: Goethe, Kant und auch Beethoven"!
http://youtu.be/pcc6MbYyoM4

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