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10.11.2014

17:15 Uhr

BND will Schadsoftware kaufen

Wie die Kriminellen

VonChristof Kerkmann

Verschlüsselung macht den Geheimdiensten die Arbeit schwer. Deswegen will der BND von dubiosen Anbietern Programme kaufen, die Sicherheitslücken ausnutzen. Damit schützt er das Land nicht, er gefährdet es. Ein Kommentar.

Abhöranlage des BND in Bad Aibling: Der Geheimdienst will verschlüsselte Kommunikation abfangen. ap

Abhöranlage des BND in Bad Aibling: Der Geheimdienst will verschlüsselte Kommunikation abfangen.

DüsseldorfEs ist eine der wenigen Gewissheiten nach den Enthüllungen über die NSA: Verschlüsselung wirkt. Wer im Internet vertraulich kommunizieren oder Daten übertragen möchte, kann nicht ohne Software wie PGP oder Protokolle wie SSL, die E-Mails, Kontodaten oder private Fotos schützen.

Für den Bundesnachrichtendienst (BND) ist das ein Ärgernis: Die Agenten können nur noch unter großem Aufwand mitlauschen, wenn überhaupt. So ist es verständlich, dass der Geheimdienst aufrüstet, um verschlüsselte Kommunikation abhören zu können. Doch mit seinen aktuellen Plänen macht der Geheimdienst das Land nicht sicherer, sondern gefährdet die Unternehmen und Bürger nur mehr.

Ähnlich wie die NSA investiert der offenbar BND kräftig, um Verschlüsselungstechnik zu knacken. Nach Berichten von „Süddeutscher Zeitung“ und „Spiegel“ will der deutsche Geheimdienst Programme kaufen, die bislang unbekannte Schwachstellen ausnutzen – Experten sprechen von Zero Day Exploits. Die Agenten könnten so etwa das Verschlüsselungsprotokoll SSL aushebeln, das tausende Websites im Internet verwenden, vom Online-Shop bis zum E-Mail-Anbieter. Mit solchen Methoden arbeiten sonst Kriminelle.

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Der Autor

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Das ist ein heikles Vorgehen. Denn erstens ist damit zu rechnen, dass auch Gangster oder andere Geheimdienste die Sicherheitslücken entdecken und ausnutzen – wenn die teils dubiosen Anbieter sie nicht gleich mehrfach verhökern. Zweitens fördert der deutsche Staat damit einen Markt, dessen Akteure bestenfalls in der Grauzone operieren, und zwar mit Steuergeld.

Mit dieser Praxis gewinnen die Agenten vielleicht geheime Informationen, an die sie sonst nicht gelangt wären – doch sie riskieren, das etwas viel Bedeutenderes verloren geht: das Vertrauen ins Internet. Schon heute ist es für Unternehmen und Privatnutzer schwierig, ihre Daten im Internet zu schützen. Das könnte durch die Praxis des BND (und anderer Dienste) noch schwieriger werden. Um die Bürger zu schützen, sollte der BND helfen, die Sicherheitslücken zu schließen

Kommentare (1)

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G. Nampf

10.11.2014, 17:30 Uhr

Das Internet in D würde schon bedeutend sicherer, wenn wir die Amis aus dem Land jagen könnten.

Nebeneffekt: D wäre noch dazu souverän.

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