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25.11.2013

13:51 Uhr

Böckler-Stiftung

Jeder zehnte Hauptverdiener von Armut bedroht

Trotz Vollzeitjobs leben in Deutschland viele Menschen an der Armutsgrenze. Laut einer aktuellen Untersuchung sind vor allem Beschäftigte im Gastgewerbe armutsgefährdet. Aber auch andere Branchen sind betroffen.

Ein Zimmermädchen macht in einem Hotel das Bett. Besonders Hauptverdienerinnen und Hauptverdiener im Gastgewerbe sind häufig trotz Vollzeitjobs armutsgefährdet. dpa

Ein Zimmermädchen macht in einem Hotel das Bett. Besonders Hauptverdienerinnen und Hauptverdiener im Gastgewerbe sind häufig trotz Vollzeitjobs armutsgefährdet.

DüsseldorfIn Deutschlands Familien ist knapp jeder zehnte Hauptverdiener trotz Vollzeitjob von Armut bedroht. Am meisten betroffen sind Beschäftigte im Gastgewerbe, wo rund jeder dritte Familienernährer armutsgefährdet ist, wie eine am Montag in Düsseldorf veröffentlichte Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Weit überdurchschnittlich betroffen seien auch Beschäftigte im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie in Heimen und im Sozialwesen, wo jeder fünfte Hauptverdiener unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt.

Am Bau sind gut acht Prozent und im Handel 12,5 Prozent armutsgefährdet. In der Energieversorgung, bei Banken und Versicherungen, in der öffentlichen Verwaltung, der chemischen Industrie oder im Fahrzeug- und Maschinenbau betrifft dies dagegen weniger als drei Prozent, wie die Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung ergab.

In den vergangen Jahren sei in Deutschland die Quote der sogenannten „Working Poor“ - der Arbeitsarmut - deutlich gewachsen. Zwar tragen atypisch Beschäftigte wie Leiharbeiter ein besonders hohes Armutsrisiko, allerdings stehen sie damit keineswegs allein. „Die Zahlen legen nahe, dass Arbeitsarmut auch unter Familienernährern und ihren Familien ein Problem ist“, erklärte WSI-Forscher Eric Seils. Und dies in einigen Branchen auch trotz Löhnen von mehr als 8,50 Euro.

Als armutsgefährdet gelten laut Definition Beschäftigte und ihre Familien, wenn ihnen weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens zur Verfügung steht. Bei der Berechnung wird dabei auch berücksichtigt, wie groß der Haushalt ist und wie alt die einzelnen Familienmitglieder sind.

Die Forscher sehen einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn, wie er derzeit auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD diskutiert wird, als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Ein Mindestlohn allein könne aber das Problem der Arbeitsarmut nicht lösen. Notwendig sind laut Seils darüber hinaus Reallohnsteigerungen im unteren Lohnsegment.

Union und SPD sind sich grundsätzlich einig, dass es einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn geben soll. Die wichtigste Frage, wann und in welcher Höhe er eingeführt wird, war aber bislang noch offen.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

25.11.2013, 14:38 Uhr

"Am Bau sind gut acht Prozent ... armutsgefährdet"

Wer schon mal auf Bauhandwerker gewartet hat, und anschliessend deren Rechnungen bezahlen musste, zerfliesst nun sicher vor Mitleid (wenn er nicht das Glück hatte, eine zupackende, pünktliche und preiswerte polnische Baufirma bschäftigen zu können).

Account gelöscht!

25.11.2013, 14:54 Uhr

Übrigens meine ich damit legal angemeldete polnische Firmen.
Das HB mit diesem Artikel sollte in jedem Restaurant ausgelegt werden. Das Lesen eignet sich hervorragend zur Überbrückung der Wartezeit bis Kellner/Bedienung den Gast wahrnehmen.

Tabu

25.11.2013, 14:58 Uhr

In den siebziger,arbeitete ein Onkel als Eisenflechter.
Ungelernt..war eigentlich Konditor mit einer
Mehlallergie..der erzählte von goldenen Zeiten..
35 märkerchen Stundenlohn.
Im Winter gings es dann die Nacht zum Schneeschieben..
160.-DM gab es pro Einsatz.
Seine Frau konnte ohne Sorgen,die drei Kinder großziehen.
Für Ungelernte gab es gutes Geld..bis andere Ungelernte
den Markt leerfegten..
Heute überhaupt nicht mehr vorstellbar..

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