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12.04.2016

11:45 Uhr

Böhmermann und die Folgen

Satiriker Oliver Welke attackiert Merkel

Der „Heute-Show“-Moderator Oliver Welke hat sich in der Böhmermann-Debatte zu Wort gemeldet. Er bezeichnet das Verhalten Angela Merkels als großen Fehler.

„Man kann nicht zuerst nichts sagen zum Einbestellen des deutschen Botschafters in Ankara nach dem Fall ,extra 3' und sich dann quasi als oberste deutsche Fernsehkritikerin zu Böhmermann äußern - das geht gar nicht!“ dpa

„heute-show“-Moderator Oliver Welke

„Man kann nicht zuerst nichts sagen zum Einbestellen des deutschen Botschafters in Ankara nach dem Fall ,extra 3' und sich dann quasi als oberste deutsche Fernsehkritikerin zu Böhmermann äußern - das geht gar nicht!“

BerlinDer Moderator der ZDF-Satiresendung „Heute-Show“, Oliver Welke, hat den Satiriker Jan Böhmermann in der Auseinandersetzung über dessen Erdogan-Gedicht in Schutz genommen. Es sei legitim, „dass Böhmermann seine Grenzen ausloten wollte“, völlig unabhängig von der Beurteilung des Gedichts selbst, sagte Welke der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Er kündigte auch an, er werde den Fall in seiner Sendung am Freitag zum Thema machen, wenn dieser weiter zum Politikum wird“.

Scharfe Kritik übte Welke an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Erst zur Einbestellung des deutschen Botschafters in Ankara zu einem Lied über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der NDR-Sendung „extra3“ schweigen „und sich dann quasi als oberste deutsche Fernsehkritikerin zu Böhmermann äußern, das geht gar nicht", sagte Welke. Dies werfe „ein schlimmes Licht auf die Prioritäten von Frau Merkel und überspitzt gesagt über ihr Verhältnis zu den Grundrechten“. Merkel habe hier „einen großen Fehler“ begangen.

Bundesregierung muss prüfen: Erdogan stellt Strafantrag gegen Böhmermann

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Die Türkei will strafrechtliche Konsequenzen für Jan Böhmermann. Präsident Erdogan selbst hat nun persönlich Strafantrag gestellt. Nun muss die Bundesregierung reagieren. Die Diskussion um Satirefreiheit verschärft sich.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warf Merkel vor, sich im Umgang mit der Türkei „duckmäuserisch zu verhalten“, auch in Bezug auf Fragen der Menschenrechte. Was die Satire-Beiträge über Erdogan in „extra3“ und von Böhmermann angehe, so habe die Kanzlerin durch ihr Verhalten den Fall politisiert und „so trägt sie selbst die Verantwortung für den Schlamassel, in dem sie steckt“, erklärte Hofreiter in Berlin.

Der Grünen-Fraktionschef attackierte auch Erdogan: „Wer im eigenen Land Journalisten und Oppositionelle drangsaliert, sollte sich in eigener Sache mäßigen“, forderte Hofreiter. Mit seinem Vorgehen gegen Böhmermann verdrehe Erdogan „ganz offensichtlich die politischen Realitäten“.

Auch der Beitrag in „extra3“ hatte Menschenrechtsverletzungen sowie Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei angeprangert, außerdem das gewaltsame Vorgehen gegen Kurden in der Türkei. Im Fall Böhmermann prüft die Bundesregierung derzeit, ob ein strafrechtliches Vorgehen gegen den Satiriker wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts zugelassen werden soll. Böhmermann hatte Erdogan in seinem Beitrag mit Äußerungen unter der Gürtellinie angegriffen.

Von

dpa

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