Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2012

01:53 Uhr

Bombenalarm in Bonn

Festgenommene Männer wieder frei

Freilassungen nach Bombenalarm: Zwei Verdächtige sind nach dem Großeinsatz am Bonner Hauptbahnhof wieder frei. Die Suche nach einem Hauptverdächtigen geht weiter.

Die Polizei weitet die Fahndung in Bonn aus. dpa

Die Polizei weitet die Fahndung in Bonn aus.

Bonn/DüsseldorfZwei nach dem Bombenalarm auf dem Bonner Hauptbahnhof festgenommene Verdächtige sind wieder frei. Ein erster Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, berichtete die Kölner Polizei am späten Dienstagabend. Bei einem der Freigelassenen handelt es sich nach Informationen aus Sicherheitskreisen um den Somalier Omar D. Er sei der Islamistenszene zuzuordnen. Auch der zweite Mann soll Medienberichten zufolge der Szene angehören.

Nach Bombenalarm: Polizei untersucht zündfähiges Material

Nach Bombenalarm

Polizei untersucht zündfähiges Material

Der in Bonn sichergestellte Koffer wird weiter von Sprengstoffexperten analysiert.

Die Fahndung nach einem Hauptverdächtigen geht unterdessen weiter, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mit einem Bild wird nach dem Mann gefahndet, der am Montag eine verdächtige Tasche am Bonner Hauptbahnhof abgestellt und damit einen Großeinsatz ausgelöst haben soll. Ein 14-jähriger Schüler habe den Verdächtigen beschrieben. Der Mann sei dunkelhäutig, 30 bis 35 Jahre alt, 1,90 Meter groß und schlank. Er habe eine schwarze Mütze, schwarze Stiefel und eine braun-graue Jacke getragen.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Ob der Vorfall auf dem Bonner Bahnhof tatsächlich ein versuchter Terroranschlag war, ist weiter offen. Das Material in der verdächtigen Tasche war nach Polizeiangaben zündfähig. Einen Zünder fanden die Ermittler aber zunächst nicht. Nach Informationen von „Spiegel Online“ befanden sich Butangas und Ammoniumnitrat sowie ein Metallrohr, ein Wecker und Batterien in der Tasche. Die Ermittler prüften, ob die Konstruktion tatsächlich hätte explodieren können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×