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12.12.2012

17:35 Uhr

Bonner Bombenfund

Polizei sucht zweiten Verdächtigen

Im Fall der Bombe auf dem Bonner Bahnhof verfolgt die Polizei eine neue Spur: Eine zweite Person wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Die Umstände der Tat bleiben aber weiter im Dunkeln.

Nach Vorfall in Bonn

Bombenalarm-Verdächtige wieder auf freiem Fuß

Nach Vorfall in Bonn: Bombenalarm-Verdächtige wieder auf freiem Fuß

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KölnDie Polizei sucht im Fall des Bonner Bombenfundes nach einem zweiten Tatverdächtigen. Neben dem bereits zur Fahndung ausgeschriebenen dunkelhäutigen Mann werde nun auch nach einem hellhäutigen Mann gefahndet, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers am Mittwoch.

Am Montag war auf einem Bahnsteig am Bonner Hauptbahnhof eine Tasche mit einem Sprengsatz gefunden worden. Zwei zunächst festgesetzte Männer ließ die Polizei am Dienstagabend wieder auf freien Fuß.

Nach Bombenalarm: Polizei untersucht zündfähiges Material

Nach Bombenalarm

Polizei untersucht zündfähiges Material

Der in Bonn sichergestellte Koffer wird weiter von Sprengstoffexperten analysiert.

Ein Metallrohr mit Ammoniumnitrat, vier Gaskartuschen, ein Wecker und eine Zündvorrichtung. Das war der Inhalt der blauen Nylonsporttasche, die am Montag an Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof abgestellt wurde. Marke Eigenbau war dieser Sprengsatz - und brandgefährlich, wie Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Mittwoch in Karlsruhe bestätigte. Nur ob die Bombe auch hätte hochgehen können, das konnte die Polizei auch am Mittwoch noch nicht sagen. Denn obschon die Konstruktion eine Zündvorrichtung enthielt - einen Zünder haben die Ermittler nicht gefunden. Denkbar ist, dass er bei der Entschärfung zerstört oder weggeschleudert wurde.

Ebenso unbeantwortet ist die entscheidende Frage: Stecken Terroristen dahinter? Bei den Stichwörtern „Bombe“, „Tasche“, „Bahnhof“ denkt man gerade in Nordrhein-Westfalen sofort an die Kofferbomber von 2006. Der damals 25 Jahre alte libanesische Student Youssef El Hajdib hatte im Kölner Hauptbahnhof zusammen mit seinem Komplizen Jihad Hamad zwei Kofferbomben in Regionalzügen deponiert.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Die Zünder lösten zwar aus, die Bomben detonierten aber nicht, weil in den Gasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch war. El Hajdib wurde vom Oberlandesgericht Düsseldorf als Haupttäter zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 20 Jahre alte Hamad wurde 2007 im Libanon für zwölf Jahre ins Gefängnis geschickt.

Sollte auch diesmal ein Terroranschlag geplant gewesen sein, so haben die Täter dem Anschein nach noch größere Fehler gemacht. Wie Griesbaum berichtete, wurden Zeugen auf die Tasche auch deshalb so schnell aufmerksam, weil blaue Drähte herausragten. Obendrein war sie offen, so dass Kabel, längliche Behälter und einen Wecker sichtbar waren. Das klingt fast eher nach einem ganz bösen Witz. Doch viele gescheiterte Terroranschläge der vergangenen Jahre bezeugen, dass Fanatismus und Professionalität - glücklicherweise - nicht immer Hand in Hand gehen.

Islamistischer Terror in Deutschland - Eine Chronologie

April 2002: Terrorgruppe Al-Tawhid

Der Polizei gehen mutmaßliche Anhänger der Al-Kaida-nahen Terrorgruppe Al-Tawhid ins Netz. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie müssen bis zu acht Jahre hinter Gitter.

März 2003: Terrorpläne gegen amerikanische Einrichtungen

Ein Tunesier wird verhaftet, der angeblich Attentate gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen plante. Vor Gericht kann ihm das nicht bewiesen werden. Die Bundesanwaltschaft bleibt jedoch der Ansicht, dass ein Horrorszenario verhindert wurde.

März 2004: Islamistengruppe Ansar al Islam

Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planten, den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt drei Männer fest. 2008 wird der Haupttäter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Juli 2006: Kofferbomber in Köln

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Kofferbomben gefunden. Wegen Technikfehler explodierten sie nicht. Wenige Wochen später werden die Täter gefasst. Im Dezember 2008 wird der „Kofferbomber von Köln“ zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser für die Tat waren laut Urteil Mohammed-Karikaturen in Zeitungen.

September 2007: Sauerland-Gruppe

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu Strafen bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

März 2011: Angriff auf US-Soldaten

Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen in Frankfurt (Main) zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Auslöser für seine Tat soll ein Internetvideo gewesen sein, in dem angeblich US-Soldaten ein Haus in Afghanistan plündern und ein Mädchen vergewaltigen.

Allerdings ist in diesem Fall eben noch gar nicht geklärt, ob Islamisten überhaupt ihre Hände im Spiel hatten. Ein Verdacht gegen zwei einschlägig bekannte Bonner Islamisten hat sich zunächst nicht bestätigt. Die beiden Männer, die am Dienstag in Gewahrsam genommen worden waren, wurden noch am Abend wieder freigelassen. E

ine Panne der Polizei? Wohl nicht. Bei einer so großen Fahndung mit mehreren hundert Ermittlern sei es ganz normal, dass man alle Spuren verfolge und dann zwangsläufig viele davon erkalteten, hieß es am Mittwoch aus Polizeikreisen. Nur eine Spur von vielen könne sich schließlich als die richtige erweisen.


Kommentare (5)

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Vicario

12.12.2012, 19:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

12.12.2012, 19:30 Uhr

Halten Sie doch einfach mal ihre fremdenfeindliche Klappe.

Account gelöscht!

12.12.2012, 20:08 Uhr


genau, alles V E R S C H W Ö R U N G !!!

lol

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