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31.05.2012

08:18 Uhr

Branchenverband

Einzelhandel muss sich Mindestlohn abschminken

Branchenweiter Mindestlohn? Dafür sieht der Hautgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE keine Chance, obwohl bereits mit der Gewerkschaft verhandelt wurde. Das Scheitern kreidet er der Tarifpolitik an.

Ein flächendeckender Mindestlohn im Einzelhandel ist nicht absehbar. ap

Ein flächendeckender Mindestlohn im Einzelhandel ist nicht absehbar.

BerlinDie Einführung eines branchenweiten Mindestlohns im Einzelhandel ist vorerst gescheitert. „Das Projekt kann momentan nicht verwirklicht werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth, der „Berliner Zeitung“.

Grund ist, dass nach Daten des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit IAB weniger als die erforderlichen 50 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden sind. Der HDE hatte das Vorhaben unterstützt und dazu mit der Gewerkschaft verhandelt. Die Regierung kann eine ausgehandelte Lohnuntergrenze aber nur dann der gesamten Branche auferlegen, wenn die verhandelnden Tarifparteien mindestens 50 Prozent der Beschäftigten repräsentieren.

Nach den Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im vergangenen Jahr lediglich 44 Prozent der Einzelhandels-Beschäftigten in Westdeutschland in einem Betrieb, der an den Branchentarifvertrag gebunden ist, wie die Zeitung berichtete. In Ostdeutschland waren demnach sogar nur 27 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden.

Der Arbeitgeberverband HDE fordert nun, die gesetzlichen Hürden zu senken. „Die gesetzliche Regelung zur Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen muss reformiert werden“, forderte Genth.

Derweil sind die Umsätze der deutschen Einzelhändler im April so stark zurückgegangen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Sie sanken um 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Preisbereinigt (real) fiel das Minus mit 3,8 Prozent noch größer aus, nachdem es im März noch ein Plus von 3,2 Prozent gegeben hatte. Allerdings zählte der April diesmal einen Verkaufstag weniger als vor einem Jahr. Von Reuters befragte Analysten hatten trotzdem ein Umsatzplus von 0,2 Prozent erwartet.

Besser schneidet der Einzelhandel im kurzfristigen Vergleich ab: Gemessen am Vormonat zogen der Umsatz real um 0,6 Prozent an. Analysten hatten hier nur einen stabilen Umsatz erwartet.

Der Einzelhandelsverband HDE rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent. Von Januar bis April zogen die Einnahmen um 2,7 Prozent an. Die steigende Beschäftigung und spürbare Lohnerhöhungen sollen den Konsum ankurbeln. Das von den GfK-Marktforschern ermittelte Konsumklima blieb zuletzt trotz der eskalierenden Schuldenkrise in Europa stabil.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

31.05.2012, 09:30 Uhr

Was die Beschäftigen dort am Ende bekommen, ist ein Jammer! Der aufgezwungene Mindestlohn wäre entbehrlich, wenn die freien Kräfte des Marktes wirken könnten. So lange sich aber an jeden Arbeitsplatz eine ganze Herde parasitärer Mitkassierer hängen, wird sich das Elend nicht bessern. So eine Marge kann der Handel gar nicht erreichen. Jeder Arbeitnehmer muß ja durch die abartige Abgabenlast mehr als das Doppelte ins Verdienen bringen, was er letztendlich auf die Hand hat, nur damit die Bilanz ausgeglichen ist. Da hat er dem Arbeitgeber noch keinen Euro Zusatznutzen gebracht.

Sklavenmarkt-Deutschland

31.05.2012, 10:27 Uhr

Dann frage ich mich ernsthaft, warum es die Albrecht-Brüder zu einem Milliarden-Vermögen gebracht haben. Auch Herr Schwarz (Lidl) ist Multimilliardär. Selbst Anton Schlecker besitzt in der Schweiz noch ausreichend Vermögen und sitzt im Verwaltungsrat des ehemaligen Schlecker-Lieferanten Markant. Last but not least wäre da noch Werner Götz als Inhaber der Drogeriekette dm, welcher ebenfalls als deutscher Milliardär gelistet ist. Dirk Roßmann als Inhaber der Drogeriekette Rossmann kommt immerhin noch auf ein Vermögen von 600 Millionen EURO.

Ein vernünftiger Mindestlohn wäre auch im Handel kein Problem. Auch wenn die Margen nicht gerade hoch sind, so macht es vor allem der sehr hohe Umsatz. Nicht zu vergessen sind auch die versteckten Preiserhöhungen in Form von weniger Inhalt zum selben Preis.

Da kann ich die Seite des Hamburger Verbraucherschutz empfehlen. Wenn die Gehälter der Angestellten im selben Rahmen, wie die Preise gestiegen wären, hätte jede Verkäuferin heute 20 EUR Stundenlohn!

EuroTanic

31.05.2012, 18:20 Uhr

Warum schaffen wir nicht den Mindeslohn bei den Politikern ab? Dann können Merkel, Schäuble & Co an jedem ersten mit den Wählern verhandeln was diese ihnen aufgrund ihrer Leistung zugestehen wollen, oder auch nicht. Das wäre doch mal ein Anfang LOL

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