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10.09.2014

00:00 Uhr

Brandenburgs AfD-Chef

„BER-Projekt so schnell wie möglich stoppen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Brandenburger AfD hat viel vor, sollte sie den Einzug in den Potsdamer Landtag schaffen. Parteichef Gauland will gegen den Flughafen BER kämpfen. Rechte Umtriebe in der AfD hält dagegen für unproblematisch.

Transparent am Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg): Geht es nach der AfD, dann wird der Flughafen anderswo neu errichtet. dpa

Transparent am Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg): Geht es nach der AfD, dann wird der Flughafen anderswo neu errichtet.

BerlinBei einem Einzug seiner Partei in den Potsdamer Landtag will sich der Chef der Brandenburger Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, dafür einsetzen, dass der neue Hauptstadtflughafen BER an einem anderen Standort errichtet wird. „Ich bin dafür, das BER-Projekt so schnell wie möglich zu stoppen und die Reißleine zu ziehen. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Gauland Handelsblatt Online.

Der BER in Schönefeld könne allenfalls als Übergangsflughafen in Betrieb genommen werden, sagte Gauland weiter. „Gleichzeitig muss die Flughafenplanung ganz von vorn beginnen – mit einem geeigneten Standort.“ In Frage kommen dafür aus Gaulands Sicht Sperenberg oder Jüterbog uin Brandenburg. „Der Staat sollte aber dann die Finger davon lassen“, fügte der Vize der Bundes-AfD hinzu. „Nicht die öffentliche Hand sollte den Flughafen bauen, sondern private Investoren.“

Die Entscheidung, den Berliner Flughafen Tegel zu schließen, hält Gauland für falsch. „Ich könnte mir vorstellen, dass Tegel für Privatflieger, kleinere Maschinen oder auch als Regierungsflughafen zugelassen bleibt“, sagte der AfD-Politiker.

Spitzenkandidaten zur Brandenburger Landtagswahl

Dietmar Woidke (SPD)

Der Regierungschef ist ein gestandener Mann in der Brandenburger Landespolitik. Seit 1994 sitzt der 52-jährige Agraringenieur im Potsdamer Parlament, er war von 2004 bis 2009 Umweltminister unter SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck. Im August 2013 wurde Woidke zum Nachfolger gewählt, nachdem Platzeck aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Woidke gilt als umgänglich, aber in der Sache hart. Allerdings fehlt ihm nach einem Jahr im Amt noch die Popularität des einstigen Landesvaters Platzeck.

Christian Görke (Linke)

Der 52-Jährige erwies sich Anfang des Jahres als Senkrechtstarter der Linken. Der damalige Fraktionsvorsitzende übernahm im Januar das Finanzressort und wurde zum Parteichef gekürt. Er sitzt auch als Vertreter Brandenburgs im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Der Sportlehrer gilt als durchsetzungsstark und kann auch schon mal kräftig gegen den politischen Gegner austeilen. Seine Laufbahn begann Görke 1985 in der DDR-Staatspartei SED, er setzte sie in den Nachfolgeparteien PDS und Linke fort.

Michael Schierack (CDU)

Der 47-Jährige gilt als Newcomer an der Spitze der Landespolitik: Erst seit 2009 sitzt der Orthopäde im Landtag, im Herbst 2012 übernahm er den Parteivorsitz. Der Teamplayer sorgte für Einigkeit in der zuvor zerstrittenen brandenburgischen Union. Dort ist er seit seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden im Februar und dann zum Spitzenkandidaten der starke Mann. Schierack will erklärtermaßen Rot-Rot ablösen, vermeidet aber im Wahlkampf die scharfen Töne.

Andreas Büttner (FDP)

Der 41-jährige Liberale zog 2009 in den Potsdamer Landtag ein, als die FDP nach 15 Jahren wieder die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen hatte. Seit 2010 führt er die Fraktion. Der Polizeibeamte und Bildungsexperte ist ein scharfzüngiger Redner: Dies bekam im Landtag zumeist SPD-Bildungsministerin Martina Münch zu spüren, etwa wegen des hohen Unterrichtsausfalls in den Schulen. Büttner bezeichnet sich als gläubigen Mormonen.

Axel Vogel und Urusla Nonnemacher (Grüne)

Die brandenburgischen Grünen treten traditionell mit einer Doppelspitze zur Landtagswahl an. Der 58-jährige Diplom-Kaufmann Vogel zog 2009 in den Landtag ein und übernahm den Fraktionsvorsitz. Dem aus dem Ruhrgebiet stammenden Gründungsmitglied der Grünen liegt eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen besonders am Herzen. Zu seinen Themen gehört zudem die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die Dauerbaustelle Hauptstadtflughafen. Die 57-jährige Notärztin Nonnemacher zog ebenfalls 2009 mit den Grünen in den Landtag ein. Neben Innenpolitik waren ihre Themen Gesundheit und Soziales und der demografische Wandel. Ihre Wurzeln sieht sie in der Kommunalpolitik. Nonnemacher fällt im Landtag als eifrige Rednerin mit vielen Anfragen auf.

Alexander Gauland (AfD)

Alexander Gauland war über 40 Jahre lang Mitglied der CDU und leitete von 1987 bis 1991 die hessische Staatskanzlei. Danach wurde er Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Gauland ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und der Partei Alternative für Deutschland, deren stellvertretender Sprecher er ist. Bei der Landtagswahl in Brandenburg 2014 ist Gauland Spitzenkandidat der AfD.

Die Klarheit, mit der Gauland sich gegen den BER positioniert, ist bei der Auseinandersetzung mit rechten Umtrieben in der AfD kaum zu erkennen. Er könne „niemandem die AfD-Mitgliedschaft verweigern, nur weil er für kurze Zeit Mitglied in einer rechten Partei war“, sagte Gauland Handelsblatt Online. „Die Linkspartei besteht ja auch zu einem großen Teil aus Menschen, die sich einmal auf einem politischen Irrweg befanden.“ Die Vorgängerpartei SED sei nun einmal ein „großer Irrtum“ gewesen. „Insofern sehe ich bei uns keinen Handlungsbedarf.“

Kommentare (6)

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Herr Teito Klein

10.09.2014, 07:58 Uhr

Der BBI/BER ist eine Erfolgsstory: Zitat Wowereit.
-------------
Das kann man heute bewundern.
Eröffnungstermin - wenn überhaupt - offen.
Die Kosten für dieses Projekt "Made in Berlin" gehen durch die Decke.
Aber für Wowereit ist das alles kein Problem. Es gibt ja den LFA. Da zahlt Bayern, und Berlin ist "Arm, aber sexy"!

Und Provinzfürst Wowereit lässt sich eine monumentale Statue errichten.

[b]Der Koloss von Castellón[b]

Auf dem nagelneuen Flughafen ist zwar noch nie ein Flugzeug gelandet, doch Provinzfürst Carlos Fabra hat sich trotzdem eine monumentale Statue an den Eingang bauen lassen. Ein modernes Sinnbild dafür, was alles falsch läuft in der spanischen Pleiteregion Valencia.

Quelle: FAZ
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/flughafen-valencia-der-koloss-von-castellon-11830672.html

Und Berlin unterscheidet sich in nichts von Castellón.

Herr Fred Meisenkaiser

10.09.2014, 08:08 Uhr

"„Der Staat sollte aber dann die Finger davon lassen“, fügte der Vize der Bundes-AfD hinzu. „Nicht die öffentliche Hand sollte den Flughafen bauen, sondern private Investoren.“"

Man müsste dann aber acuh eine volle Verantwortung der privaten Investoren umsetzen. Erfahrungsgemäß stehlen sie sich aus der Verantwortung, wenn die Gewinne nicht sprudeln: siehe Elbphilharmonie!
http://www.taz.de/!137807/

Herr Theo Gantenbein

10.09.2014, 09:15 Uhr

Recht hat er! Man sollte schlechtem Geld kein gutes Geld hinterher werfen.

Private Investoren sind gut, aber sie müssen das volle Risiko tragen und nicht wie die Banken die Risiken auf die Allgemeinheit abwälzen können.Wenn das gut vertraglich geregelt ist, dann hat Berlin in 3 Jahren einen funktionierenden ganz neuen Flughafen.

Einfach mal in Dubai oder Peking nachfragen wie man einen Airport in 3 Jahren baut - die können das!

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