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21.07.2011

10:02 Uhr

Bratwurst und Boheme

Die Berliner CDU und ihr Problem mit der Großstadt

In Sachen Großstadtklientel hat die CDU in letzter Zeit kein gutes Händchen bewiesen. Auch in Berlin haben die Konservativen kein leichtes Leben. Bei der Wahl im September droht sogar erstmals der dritte Platz.

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel auf einer Wahlkampfveranstaltung. Quelle: dpa

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel auf einer Wahlkampfveranstaltung.

BerlinEs gibt Bratwurst und Gemüsesticks, am Wahlkampfbus der Berliner CDU zischt das Gas in die Luftballons. Als Showeinlage: Standard-Tänzer mit eingefrorenem Profi-Lächeln. „Berlin verwahrlost!“ und „Wie sieht's denn aus mit unseren Kleingärten?“, skandieren die Politiker auf der kleinen Bühne. Vielleicht 200 Menschen sitzen beim Wahlkampfauftakt von Spitzenkandidat Frank Henkel auf den Bierbänken.

Im Rücken das Europa-Center und die Gedächtniskirche: Mehr West-Berlin geht nicht. Das Publikum ist eher 50 plus und erinnert an einen Ausflugsdampfer oder an das Clubhaus eines Tennisvereins. Was dieser Abend signalisiert: Die Berliner CDU bleibt bodenständig und bei ihrer Stammklientel. Sie versucht gar nicht erst, sich bei der kreativen Szene anzubiedern, etwa, indem sie ihre Kampagne in einer Strandbar starten würde.

Stattdessen versucht die CDU, sich bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September als Law-and-Order-Partei zu positionieren. Henkel will aufräumen. Er verkauft sein Wahlprogramm für 50 Cent am Kiosk. Dafür wurden Bürger im Internet befragt, was die Probleme der Stadt sind. Sicherheit ist für Henkel ein großes Thema. Für den rot-roten Senat allerdings auch.

Schon oft wurde den Konservativen angelastet, dass sie in den Großstädten zu wenig Fuß fassen. Bei der Wahl in Bremen landete die CDU dieses Jahr auf Platz 3. Auch in Hamburg erging es der Partei mit Christoph Ahlhaus nicht viel besser, nachdem Bürgermeister Ole von Beust beschlossen hatte, dass er künftig lieber privatisieren will

Henkel ist gebürtiger Ost-Berliner und „ein sympathischer Herr mit dezenter Brille“, so die „Zeit“. In der über Jahre von Intrigen gebeutelten Hauptstadt-CDU gilt der 47-Jährige als ehrliche Haut. Er ist aber nicht besonders bekannt. Bis zur Wahl in zwei Monaten hat Henkel nicht mehr viel Zeit, den Rückstand zu Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) und Grünen-Kandidatin Renate Künast aufzuholen.

Das Schlangengruben-Image hat die Berliner CDU mühsam abgestreift. Aber was ihr weiter das Leben schwer macht: In Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg leben viele Neu-Berliner, die die Provinz hinter sich gelassen haben und sich gerne als coole Großstädter fühlen. Ob die Laptop-Boheme dieselbe Partei wählt wie ihre Eltern in Paderborn oder Pinneberg, ist fraglich.

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