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04.01.2007

23:06 Uhr

Braunkohletagebau Garzweiler II

Umstrittenes Baggern für die Zukunft

VonClaudia Schumacher und Oliver Voss

Während Öl- und Gaspreise steigen, erlebt die Braunkohle im Tagebau Garzweiler II ihre Renaissance – allen Diskussionen über alternative Energien zum Trotz. Das bringt alte Konflikte wieder zum Vorschein, denn im vorgesehenen Abbaugebiet müssen dreizehn Dörfer abgerissen werden.

JÜCHEN. Es ist eng auf dem größten Bagger der Welt. Arno Lorenz hat in seinem Führerhäuschen nur so viel Platz wie in einer Telefonzelle. Dabei ist allein das Schaufelrad des „288ers“ so hoch wie ein siebenstöckiges Haus. Nur mit zwei Schaltknüppeln und ein paar Knöpfen bedient der Großraumgeräteführer den 240 Meter langen und 90 Meter hohen Stahlkoloss. „Das ist wie Spielen im Sandkasten“, sagt Lorenz. Wo eben noch der schwarze Boden war, klafft nun ein tiefes Loch. Lorenz fördert Braunkohle im Tagebau Garzweiler II. Bald wird er dabei auch Otzenrath abbaggern – den Ort, in dem er früher selbst wohnte.

Georg Wirtz hat die Umzugskartons schon gepackt, auf dem Fensterbrett im ersten Stock des Einfamilienhauses liegt eine dunkle Schmutzschicht. „Das ist ständig so, wenn der Wind rüberweht“, sagt Wirtz mit erhobener Stimme. Hinter den hoch gewachsenen Tannen, die das Grundstück an der Bahnstraße in Otzenrath umgeben, bäumt sich der riesige Bagger auf. Langsam schaufelt er sich auf Wirtz’ Haus zu.

In Otzenrath werden sie aufeinander treffen, Lorenz, der Baggerführer, und Wirtz, der Hausbesitzer. Was sie verbindet, klingt wie eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen: Der Braunkohletagebau ist zurück und mit ihm die alten Konflikte.

Es ist die Wiederkehr eines kaum noch beachteten Energieträgers. Während die Welt über Wind- und Wellenkraftwerke diskutiert, erlebt die Braunkohle eine stille Renaissance: Schon in 25 Jahren wird Kohle der wichtigste Energieträger der Welt sein, prognostiziert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Der Wettbewerb will es so. „Die deutliche Erhöhung der Öl- und Gaspreise führt zu einer Renaissance der Braunkohle“, sagt Johannes Lambertz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von RWE Power.

Erneuerbare Energien können dagegen wenig ausrichten, obwohl ihre Bedeutung stetig steigt. 2005 lag ihr Anteil am Energiemix bei 10,2 Prozent. 2020 sollen es maximal 20 Prozent sein. Deshalb muss Arno Lorenz jetzt wieder baggern. Deshalb ist Garzweiler II die Zukunft.

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