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04.09.2014

14:17 Uhr

Brief an Jürgen Trittin

Katar reagiert auf Terror-Vorwürfe der Grünen

ExklusivMehrere deutsche Politiker, darunter der Grüne Trittin, verdächtigen Katar, die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak zu unterstützen. Der Botschafter des Golfemirats reagiert nun und weist die Vorwürfe vehement zurück.

Grünen-Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin: Brief vom katarischen Botschafter wegen Terrorvorwürfen. dpa

Grünen-Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin: Brief vom katarischen Botschafter wegen Terrorvorwürfen.

BerlinDer Wüstenstaat Katar wehrt sich gegen Verdächtigungen deutscher Politiker und aus der Wirtschaft, die Islamisten-Miliz Islamischer Staat (IS) finanziell zu unterstützen. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief  an den Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin spricht der katarische Botschafter in Deutschland von „unbegründeten Vorwürfen, die jeglicher Basis entbehrten“. Katar habe sich immer von Terrorismus in jeglicher Form distanziert und lehne Gewalt, um politische Ziele durchzusetzen, auf schärfste Weise ab, schreibt der Botschafter. 

Trittin hatte seine Vorwürfe im Gespräch mit Handelsblatt Online mit dem finanziellen Engagement Katars seit Beginn der Umbrüche in der arabischen Welt 2010 begründet. Dabei werde ein Muster deutlich, sagte der ehemalige Grünen-Fraktionschef.

„Sei es bei der Finanzierung des Wahlkampfes der Ennahda-Partei in Tunesien, der Muslimbrüder in Ägypten oder im Kampf gegen Gaddafi in Libyen. Überall erhielten Islamisten – auch radikale Islamisten - Zuwendungen aus Katar“, so Trittin.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Etliche Quellen gingen zudem von einer Verbindung Katars zur Islamisten-Miliz IS aus, sagte Trittin weiter. Heute sei IS aber nicht mehr so sehr auf diese Finanzierungsquelle angewiesen. „Sie haben beträchtliche Geldmengen in Mossul erbeutet, treiben Schutzgeld ein, haben Unmengen von Waffen aus der irakischen Armee erhalten und können sich durch den Ölschmuggel refinanzieren“, erläuterte der Grünen-Politiker.

Deshalb rücke die Rolle der Spender aus Katar für IS in den Hintergrund. „Das bedeutet aber nicht, dass man Katar guten Gewissens eine weiße Weste bescheinigen kann und sie – wie in der Vergangenheit – mit deutschen Rüstungsgütern belohnen sollte.“ Der katarische  Botschafter bezeichnete die Islamisten-Miliz dagegen als „Feind“. Es habe nie einen Zusammenarbeit zwischen Katar und IS gegeben.

Neben Trittin hatten auch andere deutsche Politiker den Terrorverdacht gegen Katar geäußert und in diesem Zusammenhang auch das Engagement des Emirats als Investor in Deutschland infrage gestellt. „Es ist ein großes Problem, wenn es von denen, die an deutschen Unternehmen beteiligt sind, eine finanzielle Unterstützung für Terroristen gibt“, sagte der stellvertretende CDU-Partei- und Fraktionsvize Thomas Strobl Ende August dem Handelsblatt.

Kommentare (6)

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Herr C. Falk

04.09.2014, 15:36 Uhr

Es macht schon einen gewissen Unterschied ob einflussreiche Privatpersonen oder der Staat selber als Sponsoren des ID tätig geworden sind.

Da stehen außer Katar auch noch andere sunnitische Staaten im Focus z.B. Saudi-Arabien und die Vereinigten Emirate.

Paul Oberste

04.09.2014, 15:45 Uhr

Der Castor Bahngleis Schotterer Trittin? Wo kommt der denn jetzt her?

Herr Gerhard Kraus

04.09.2014, 15:48 Uhr

In den ersten Tagen wurde Isis mit hunderten neuen Toyotas gezeigt.
Mit etwas guten Willen ist es doch kein Problem zu verfolgen woher sie kommen,wer sie bezahlt hat.
Aber das will man nicht.
Ebenso die Daten des abgeschossenen Fliegers.

Deutsche werden von Regierung und Presse verarscht...und lassen es sich gefallen.

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