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08.04.2006

18:14 Uhr

Broschüre sollte betroffenen Frauen Hilfestellungen geben

GTZ zieht Tipps für Prostituierte zurück

Die bundeseigene Entwicklungshilfe-Gesellschaft GTZ hat eine im März 2005 herausgegebene Broschüre zu Frauenhandel und Zwangsprostitution zurückgezogen.

HB BERLIN. „Aufgrund von redaktionellen und technischen Unzulänglichkeiten wurde die Publikation vor Wochen auf Veranlassung von Staatssekretär Erich Stather eingezogen“, bestätigte die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) am Samstag einen Bericht der „Welt am Sonntag“. Nach Angaben der Zeitung wurden darin Frauen in der Ukraine gezielt Tipps zur Arbeit als Prostituierte in Deutschland gegeben.

Das Entwicklungshilfeministerium habe die Broschüre mit dem Titel „Deutschlandreiseführer für Frauen“ auf Druck des Innenministeriums eingezogen, berichtet das Blatt unter Berufung auf einen Briefwechsel vom März zwischen Innen-Staatssekretär August Hanning und Entwicklungs-Staatssekretär Stather.

In der Broschüre sei unter anderem darauf hingewiesen worden, dass es in Deutschland möglich sei, legal als Prostituierte zu arbeiten. Dazu habe es geheißen: „Dies gilt aber leider (...) nur für Menschen, die eine entsprechende Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeit haben (z. B. auf Grund einer Ehe).“ Neben der „unpassenden Verwendung des Wortes „leider““ habe das Innenministerium vor allem inhaltliche Mängel gerügt. „So wird an verschiedener Stelle strafbares Verhalten verharmlosend dargestellt“, zitiert das Blatt Hanning.

„Es werden etwa Einreisen über die so genannte grüne Grenze mit den Worten 'was viele Frauen machen' kommentiert“, heiße es in Hannings Schreiben. „Bei unerlaubtem Aufenthalt wird ausgeführt, man könne sich 'nicht wirklich an die Polizei wenden, denn wenn die Polizei erfährt, dass Sie keine legalen Aufenthaltspapiere haben, so muss die Polizei dafür sorgen, dass Sie Deutschland verlassen'.“

Nach Angaben der GTZ zielte die aus eigenen Mitteln herausgegebene Publikation darauf, den betroffenen Frauen konkrete Hilfestellungen aufzuzeigen. „Wir bedauern die vorschnelle Herausgabe der Publikation. Den Betroffenen von Frauenhandel und Zwangsprostitution Hilfe zu geben, erachten wir nach wie vor als eine notwendige und wichtige Aufgabe“, erklärte die GTZ, die eine privatwirtschaftliche GmbH im Eigentum des Bundes ist.

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