Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2014

10:43 Uhr

Buchkritik „Klare Worte“

„Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“

VonOliver Stock

Altkanzler Gerhard Schröders Buch liest sich wie Butter. Das liegt daran, dass er über Staatsmännisches und Privates schreibt: Bill Clinton kommt immer zu spät. Und Banker dürfen ruhig „mal aufjaulen“.

Gerhard Schröders Kommentare über Kollegen in seinem neuen Buch sind manchmal komisch – mitunter aber auch verletzend. dpa

Gerhard Schröders Kommentare über Kollegen in seinem neuen Buch sind manchmal komisch – mitunter aber auch verletzend.

„Bitter“, sagt Gerhard Schröder, „bitter war der Abschied aus dem Kanzleramt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass man da nicht eine harte Bremsung machen muss. Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder.“ Die Sätze sagt Schröder im Gespräch mit dem Journalisten Georg Meck. Es ist ein langes Gespräch, das die beiden geführt haben. Eines, das sich in zwölf Kapitel einteilen lässt und mit einer Überschrift versehen jetzt als Buch herausgegeben wird. Jetzt, zu Schröders 70. Geburtstag. Jetzt in einer Zeit, in der der Kanzler a. D. wie ein edler Rotwein heranreift zu etwas Besonderem, einem Elder Statesman zum Beispiel, weniger ein Wahlkämpfer, mehr ein Welterklärer.

„Klare Worte“ nennt sich das 238-Seiten-Interview und spielt mit dem Titel darauf an, wofür Schröder in den Augen seiner Anhänger heute steht: Für einen, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der seinem Land und seiner Partei mit der Agenda 2010 einen schmerzlichen, aber im Rückblick zumindest für das Land außerordentlich erfolgreichen Kurs verordnet hat. Schröder selbst und die, die an seinem Denkmal meißeln, haben ihn zur Figur gemacht, die eigene Überzeugungen vertritt – auch zu Lasten der eigenen Karriere. Den Zweifler Schröder oder gar der Opportunist Schröder, den hat es in der Rückschau nie gegeben. Das Interview-Buch ist darauf angelegt, diese Sicht der Dinge zu festigen.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Die SPD hatte Ende Oktober 473.048 Mitglieder. Der Höchststand wurde mit 1,261 Millionen 1923 in der Weimarer Republik erreicht. Das Durchschnittsalter liegt heute bei rund 59 Jahren.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 1990er Jahren bis zu 10.000.

Teures Jahr

Schatzmeisterin Barbara Hendricks muss 2013 viel Geld locker machen: 23 Millionen Euro soll der Bundestagswahlkampf gekostet haben, über zwei Millionen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie. Und eine Million wird der Mitgliederentscheid über den Eintritt in die große Koalition kosten.

99,7 Prozent

Das beste Ergebnis bei Wahlen zum SPD-Chef nach 1945. Kurt Schumacher schaffte das 1947 und 1948. Das schlechteste Ergebnis bisher waren die 62,6 Prozent von Oskar Lafontaine bei der Kampfabstimmung 1995 in Mannheim gegen Rudolf Scharping.

Aber das macht nichts. Es liest sich dennoch wie Butter, was daran liegt, dass es eine geschmackvolle Mischung aus Küchenlatein und Diplomatendeutsch ist, aus staatsmännischer Kunst und äußerst praktischer Lebenserfahrung. Zur staatsmännischen Kunst gehört zum Beispiel all das, was Schröder über den Euro sagt: „Ohne gemeinsame Währung bleibt Europa kein starker Wirtschaftsraum.“ Oder zur Bundesbank: „Ich glaube, der Deutsche glaubt doch eher an Gott als an die Bundesbank“, zur Finanzindustrie: „Auch in der Finanzindustrie wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Da dürfen die Banker ruhig mal aufjaulen“.

Weniger staatsmännisch, dafür manchmal komisch mitunter sogar verletzend sind seine Kommentare über Kollegen. Etwa über seinen Widersacher Oskar Lafontaine. „Im Grunde eine tragische Figur“, oder über Bill Clinton: „Er kam immer zu spät“, oder zu Volkswagen-Chef Ferdinand Piech: „Ich bin heute noch stolz darauf, dass ich ihn geholt habe.“ Schon gerade zu abstrakt staatsmännisch ist, wenn er erklärt, dass die EU und Europa nur mit Russland ein Gegengewicht zu den USA oder China bilden kann, das nicht gleich als Federgewicht von der Waage fliegt.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Old.

14.02.2014, 11:19 Uhr

Zitat: „Ohne gemeinsame Währung bleibt Europa kein starker Wirtschaftsraum.“


Editieren
Wenn ich so etwas lese, bzw. höre, dann kommt mir meine Nudelsuppe, von der Jugendweihe hoch.
Fesseln können nie starkmachen. Es ist der Unterschied, das daraus resultierende Lernen voneinander und das gemeinsame Handeln.

Notar

14.02.2014, 11:24 Uhr

Zitat : „Klare Worte“ nennt sich das 238-Seiten-Interview

- Oliver, machen Sie jetzt unlautere Werbung für das Pamphlet von Schröder ?

Gegen die "Eigene Netiquette" zu Verstößen ist eigentlich nicht redlich....!

Kommentare sind keine Werbeflächen

Weder für Ihren Blog noch für Ihre Website sollten Sie in den Kommentaren Werbung machen. Auch kommerzielle Inhalte anderer Anbieter und Werbung im Allgemeinen haben in den Diskussionen nichts zu suchen.

Wo bleibt der Radierer ?

maximilian@baehring.at

14.02.2014, 13:13 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×