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22.05.2012

14:33 Uhr

Buchpräsentation

Sarrazins Euro-Lehrstunde

VonDietmar Neuerer

Thilo Sarrazin ist wieder in aller Munde. Bei der Vorstellung seines Anti-Euro-Buchs Buchs nimmt er die aktuelle Krisen-Politik auseinander – mit einer schonungslosen Analyse. Und er wagt einen Blick in die Glaskugel.

Thilo Sarrazin stellte neues Buch vor

Video: Thilo Sarrazin stellte neues Buch vor

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BerlinDen Ort für seine Buchvorstellung hätte Thilo Sarrazin nicht besser wählen können. Ein so wichtiges Thema wie die Zukunft des Euro bespricht man am besten an einem ebenso wichtigen und zentralen Ort. Da liegt es nahe, das sich der 67-jährige Ex-Spitzenbeamte, Ex-Finanzsenator und Ex-Bundesbanker das Berliner Hotel Adlon unweit des Brandenburger Tores für seine Abrechnung mit der Währungsunion ausgesucht hat.  Um von der S-Bahn dorthin zu gelangen, nimmt man die Treppe. Deren Stufen sind verziert mit Hinweisen auf ein Informationszentrum der Europäischen Kommission. Auf einem Treppenabsatz steht „Willkommen im europäischen Haus“ geschrieben. Wie passend an einem Tag wie heute, an dem sich einer wie Sarrazin anschickt, eben dieses Haus einzureißen.

Dazu passt, dass Sarrazin einen ausgemachten Euro-Skeptiker sein Buch „Europa braucht den Euro nicht“ vorstellen lässt. Stefan Homburg forscht und lehrt zu öffentlichen Finanzen an der Uni Hannover. Von ihm sind Sätze überliefert wie „Der Euro wird scheitern“,  „Schuldenländer wie Griechenland oder Italien wollen sich auf Kosten der reichen Länder sanieren“ oder  „‘Scheitert der Euro, scheitert Europa‘, dieser Satz Angela Merkels ist nicht nur falsch. Sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus.“ Sarrazin hätte es nicht besser formulieren können.

Homburg braucht denn auch nur 15 Minuten, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die das Buch schon im Vorfeld als skandalös zerrissen haben. Er attestierte Sarrazins Werk im besten Sinne „aufklärerisch“ zu sein. Es sei gespickt mit informativen Fakten zum Euro, und – ganz wichtig und wohl auch nicht im Sinne der Sarrazin-Kritiker - es beinhalte „keine steilen Thesen“. Sarrazin argumentiere vielmehr „detailreich und gründlich“. Das Buch taugt damit nicht wirklich zum Aufreger. Oder doch?

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Für Medienvertreter  strahlt Sarrazin immer noch eine gewisse Faszination aus. Rund 200 Journalisten lauschen den Ausführungen des streitbaren Autors.  Und das, obwohl Homburgs Analyse wenig überraschend daherkommt. Möglicherweise haben viele der Anwesenden Sarrazins Buch gar nicht gelesen.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

22.05.2012, 15:05 Uhr

Der Artikel beschreibt richtig, dass die Sarrazin-Thesen von vielen Skeptikern des Euros und der damit verbundenen rettungsversuche geteilt werden. Dass nun erneut versucht wird, Sarrazin als uneuropäisch, geschichtsvergessen und seine Themen als abstrus zu brandmarken, wirft ein bezeichnendes Licht auf das Demokratieverständnis vieler Politiker. Sie sind Demokratieoligarchen, die sich im Besitz der allein seeligmachenden Wahrheit sehen und letztendlich wie Despoten über ih Volk verfügen. Diskussion und Mitbestimmung der Bürger ist unerwünscht...

Account gelöscht!

22.05.2012, 15:07 Uhr

Ihr Name hier im Board zeigt ihre alternativlose Denke. Vielleicht sollten Sie sich doch mal inhaltlich mit der Euro-Materie beschäftigen, dann erübrigen sich solche Anfeindungen unterster Schublade. Ansonsten noch einen schönen Tag...

RD1

22.05.2012, 15:10 Uhr

"Das unterstreicht er auch noch einmal am Ende seines quälend langen Vortrags"

Quälend ist es nur für Leute die seiner Argumentation nicht folgen könnnen (oder wollen). Das ging mir im 1. Sem. VWL auch so,4 Stunden am Stück.

Insofern muss ich den Autor in dieses Niveau auch einordnen, wenn er das als quälend empfindet.

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