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09.01.2012

16:15 Uhr

Buchprojekt auf Eis gelegt

Ex-FDP-General macht nächsten Rückzieher

Es sollte sein ganz persönliches Buch zur Zukunft des Liberalismus werden. Christian Lindner wollte damit eine Debatte lostreten. Doch nimmt der Ex-FDP-Generalsekretär überraschend Abstand von seinem Projekt.

Christian Lindner. Reuters

Christian Lindner.

BerlinDer frühere Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, hat sein geplantes Debattenbuch „Und trotzdem liberal. Meine Idee von Freiheit“ zurückgezogen. Dies sei auf Lindners Wunsch vorerst geschehen, teilte der C. Bertelsmann Verlag am Montag mit. Das Werk sollte nach Branchenangaben ursprünglich im März erscheinen.

Lindner hatte Mitte Dezember überraschend seinen Rücktritt vom Amt des Generalsekretärs erklärt und damit die FDP-Krise verschärft. Am vergangenen Freitag war er überraschend beim Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart erschienen.

Zu den Gründen seines Rücktritts, von dem Parteichef Philipp Rösler am 14. Dezember überrascht worden war, schweigt der 32-jährige Bundestagsabgeordnete bisher. Seine letzte Pressekonferenz in eigener Sache hatte Lindner mit den Worten beendet: „Auf Wiedersehen!“

Lindner, geboren 1979, trat bereits mit 16 Jahren in die FDP ein und machte innerhalb des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen schnell Karriere. 2000 wurde er als jüngster Abgeordneter der Geschichte in den dortigen Landtag gewählt. 2010 übernahm er das Amt des FDP-Generalsekretärs, das er am 14. Dezember 2011 niederlegte.

Der tiefe Fall der FDP - eine Chronologie

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl am 27. September mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene. Vor allem dank des starken Abschneidens der Liberalen kommt es zu einer schwarz-gelben Koalition.

Dezember 2009

Die Koalition bringt mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz ihr erstes großes Gesetz durch, das die vor allem von der FDP vorangetriebene Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen enthält. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit Äußerungen in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus. In einem Zeitungsbeitrag schrieb der Parteichef: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von den Steuersenkungsplänen ab, dem zentralen Wahlversprechen der FDP. Forderungen werden laut, Westerwelle solle sich wegen der Doppelbelastung in Regierung und Partei vom FDP-Vorsitz trennen.

Dezember 2010

Die parteiinterne Kritik an Westerwelle wird zunehmend öffentlich geäußert. Auch die Wikileaks-Enthüllungen schaden Westerwelle: Laut der Enthüllungsplattform wurde er von der US-Botschaft als „inkompetent“ beschrieben.

März 2011

Eine Serie von Landtagswahlen wird für die FDP zum Fiasko: In Sachsen-Anhalt schafft sie es nicht ins Parlament, ebenso ergeht es ihr eine Woche später in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg kommt sie auf magere 5,3 Prozent.

April 2011

Während Westerwelle nach den Wahlschlappen als Außenminister in Asien unterwegs ist, mehrt sich die Kritik an seiner Person. Nach seiner Rückkehr kündigt er den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die Führungsgremien von Partei und Fraktion auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Die designierte Spitze um Rösler setzt eine Personalrochade durch: Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef, die bisherige Fraktionschefin Birgit Homburger wird auf einen Vizeposten in der Parteiführung weggelobt. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an. Zum fünften Mal in diesem Jahr verpasst die FDP den Wiedereinzug in ein Landesparlament: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab. Die Aufbruchstimmung nach der Wahl der neuen Parteispitze verfliegt zusehends.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der FDP-Führung um Rösler auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

November 2011

Erfolg für die FDP: Auf ihr Drängen einigt sich die Koalition auf Steuererleichterungen ab 2013. Rösler kündigt an, die Liberalen weg vom Image der reinen Steuersenkungspartei führen zu wollen. Der Mitgliederentscheid läuft an.

Dezember 2011

Der Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Rösler und Lindner ziehen heftige Kritik auf sich, als sie vor Ablauf des Entscheids öffentlich die Erwartung äußern, dass die nötige Mindestbeteiligung von einem Drittel der Mitglieder verfehlt werde. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Lindner seinen Rücktritt. Rösler gerät zunehmend in die Kritik.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.01.2012, 16:35 Uhr

Linder ist nicht nur ein brillanter Redner, sondern auch strategisch wirklich clever! Es wäre Unsinn in der aktuellen Situation so etwas zu veröffentlichen, damit verschießt man nur sein Pulver unnütz.

Der Mann sollte den FDP-Kindergarten verlassen und eine eigene (gerne Europa-kritische) sozialliberale Partei gründen-

Meine Stimme hätte er!

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