Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2014

19:17 Uhr

Buchvorstellung des Ex-Bundespräsidenten

Wulffs Abrechnung

VonDietmar Neuerer

Ex-Bundespräsident Christian Wulff teilt aus. Gegen Justiz und Medien. In seinem Buch „Ganz oben – Ganz unten“ schildert er die Umstände seines Rücktritts und sagt, er wäre auch heute noch der richtige Präsident.

„Ganz oben – Ganz unten“

Ex-Bundespräsident Wulff stellt Buch vor

„Ganz oben – Ganz unten“: Ex-Bundespräsident Wulff stellt Buch vor

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinEs ist kurz vor 16 Uhr als Christian Wulff den Raum der Bundespresskonferenz betritt. Für den ehemaligen Bundespräsidenten ist es ein besonderer Tag. Monatelang hat er sich mit öffentlichen Äußerungen außerhalb des Gerichtssaals zurückgehalten, nun ist die Zeit des Schweigens vorbei. Wulff meldet sich mit seinem neuen Buch „Ganz oben – Ganz unten“ zurück auf die öffentliche Bühne.

Der Raum ist brechend voll. Gut 160 Journalisten sind gekommen, unzählige Foto-Reporter, zahlreiche Fernsehteams. 16 TV-Kameras richten ihren Fokus auf den CDU-Politiker, der am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen im Amt als Staatsoberhaupt zurücktrat. Nun wollen sie hören wie Wulffs Bilanz ausfällt über die Zeit zwischen seinem Rücktritt und seinem Freispruch vor dem Landgericht Hannover sowie die von ihm empfundenen Demütigungen.

Wulff nimmt sich etwa eine halbe Stunde Zeit, um seine Sicht auf die Affäre um seine Person um die angebliche Annahme von Vorteilen darzulegen. Am Ende ist es eine Generalabrechnung mit all denjenigen, die dabei mitgewirkt haben, dass, wie er es ausdrückt, „jeder Stein in meinem Leben umgedreht“ worden sei. Dabei wäre Wulff eine andere Lesart seines „politischen Buchs zur politischen Kultur in unserem Land“ lieber.

Mehrfach betont Wulff, was sein Buch nicht sein solle: kein „Erinnerungsbuch“, keine „Rechtfertigungsschrift“ und vor allem „keine Abrechnung“. Auch hege er gegen niemanden einen Groll, wenn er nach Hause gehe. Andererseits macht Wulff keinen Hehl daraus, was er von seinen Widersachern hält – der Justiz und den Medien, insbesondere der Springer-Presse.

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

„Die Art und Weise, wie sich – nicht nur in meinem Fall – Medien und Justiz gegenseitig die Bälle zuspielen, bedroht das Prinzip der Gewaltenteilung“, erklärt er. An der Schnittstelle zwischen Justiz und Presse liege eine „ernstzunehmende Gefahr für unsere Demokratie“. Darüber müsse man reden. Wulff erhofft sich eine Debatte darüber, wie Medien Personen des öffentlichen Lebens gegenübertreten.

Im Visier hat der Bundespräsident a.D. freilich seinen größten Gegner – die „Bild“-Zeitung. Bisher, sagt Wulff, habe jeder solange als unschuldig gegolten, bis er rechtskräftig verurteilt wurde. „Inzwischen wird man aber von der „Bild“ angeklagt, verurteilt und erlebt wie ich auch die Vollstreckung des Urteils.“ Und danach müsse dann der Freispruch erst im gerichtlichen Verfahren durchgesetzt werden, um als unschuldig zu gelten?, fügt Wulff fragend an. Und schickt gleich die unmissverständliche Antwort hinterher: „Gegen diese Art, die Macht der vierten Gewalt auszuüben, setze ich mich zur Wehr – auch in meinem Buch.“ Deutlicher kann man eine Kampfansage an die Medien nicht formulieren.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.06.2014, 20:00 Uhr

Keine Frage, Wullf wurde systematisch fertiggemacht. Wir haben leider eine Diktatur der zentral gesteuerten Medien. Sie sind die erste Kraft in diesem Lande. Wenn sie statt einen Präsidenten einen Gauckler wollen, so basteln sie sich einen. Wie täglich zu bestaunen.

Account gelöscht!

10.06.2014, 20:10 Uhr

Der Wullf war für die Moslems und das mag die Springerpresse
gar nicht.

Account gelöscht!

10.06.2014, 20:12 Uhr

"An der Schnittstelle zwischen Justiz und Presse liege eine „ernstzunehmende Gefahr für unsere Demokratie“. "

Da hat Herr Wulff wohl Recht, kommt aber sehr spät. Es ist mir schon klar, dass es keine Demokratie im Westen gibt. Schade, dass der nette Herr so lange gebraucht hat, um es zu kappieren. Die Presse wird vom Ministerium der Wahrheit kontrolliert. Wir werden von Tyrannen regiert, die "Demokratie" nur im Namen haben. Wenn unseren Tyrannen das das demokratische Ergebnis in Syrien und der Ukraine nicht passt, werden Wahlen nicht annerkannt. Wenn unseren Tyrannen das demokratische Ergebnis in England oder Frnkreich nicht passt, werden die Wahlen ignoriert, Parteien demonisiert und es wird weitergemacht. Das Ministerium der Wahrheit diktiert der Presse, was diese zu sagen hat.
Und die Justiz? Oh ja, die Justiz! Diese verfolgt gern Menschen, die die tyrannischen Massenüberwachung (Snowden) und Kriegsgelüsten (Assange) offenlegen. Die Justiz schickt Menschen, die Geldwäsche aufdecken (Mollath), gern für sieben Jahren in die geschlossene Psychiatrie.

Wir werden von Tyrannen ausgebeutet und der deutsche Michel wird es, genau wie der Herr Wulff, viel zu spät kappieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×