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05.09.2014

18:47 Uhr

Bürgerfest im Bellevue

Gauck würdigt deutsches Engagement im Ausland

Früher war das Sommerfest des Bundespräsidenten eine Art Promi-Treff. Heute werden Menschen eingeladen, die sich um die Gesellschaft verdient gemacht haben. Gauck findet aber auch freundliche Worte für Klaus Wowereit.

Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßen Besucher beim Bürgerfest im Schloss Bellevue in Berlin. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßen Besucher beim Bürgerfest im Schloss Bellevue in Berlin.

Berlin Bundespräsident Joachim Gauck hat beim Bürgerfest im Schloss Bellevue deutsche Hilfseinsätze im Ausland gewürdigt. So dankte er am Freitagabend deutschen Ärzten, die im Kampf gegen die Infektionskrankheit Ebola engagiert seien, und hob die Tätigkeit von Freiwilligen hervor, die sich als Beobachter in Krisengebieten in Gefahr gebracht hätten. Gauck lobte ausdrücklich auch die Bundeswehrsoldaten im Ausland, sie machten dort die Arbeit ziviler Helfer erst möglich.

Der Bundespräsident hatte rund 4000 engagierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen, an dem Fest im Park seines Berliner Amtssitzes teilzunehmen. „Sie repräsentieren das solidarische Deutschland“, rief er ihnen zu. Gauck kritisierte eine verbreitete „Konzentration auf das eigene Ich“ und „Ängstlichkeit, der man immer wieder begegnet“. Bürgersein solle nicht nur als Katalog von Rechten und Ansprüchen verstanden werden, sondern auch als Aufforderung, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Es ist das dritte Mal, dass Gauck das Ehrenamt ins Zentrum seines Bürgerfestes stellt. Namentlich begrüßte er den ältesten Ehrengast, die 89-jährige Inge Burck aus Eppelheim in Baden-Württemberg. Die pensionierte Lehrerin engagiert sich für ausländische Schüler.

Durch das Programm des Abends führten die TV-Moderatoren Barbara Schöneberger und Eckart von Hirschhausen. Zum musikalischen Programm sollten auch Wolfgang Niedeckens BAP und Andreas Bourani beitragen. Unter den Gästen waren der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Gaucks beste Sprüche

Gauck über die Euro-Krise

Gauck rief dazu auf, auch in der Euro-Krise am europäischen Gedanken nicht zu zweifeln. „Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren“. Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. „Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.“
„Europa war für meine Generation Verheißung. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein Gewinn.“

Gaucks Appell an die Regierenden

„Erst redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Gauck über Demokratie

Der Bundespräsident mahnte, die repräsentative Demokratie nicht generell infrage zu stellen. Die repräsentative Demokratie sei das einzige System, das Gemeinwohl- und Einzelinteressen ausgleichen könne. „Das Besondere des Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern dass es sich um ein lernfähiges System handelt“, fügte Gauck hinzu.
Und die aktive Bürgergesellschaft bis hin zur digitalen Netzgemeinschaft ergänze das System und gleiche Mängel aus.

Gaucks Appell an die Regierten

„Seid nicht nur Konsumenten.“

Gauck über Freiheit

„Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Gerechtigkeit.“ Umgekehrt sei Gerechtigkeit aber auch „Grundlage für die Freiheit“.

Gauck über Integration und Gesellschaft

„Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen.
Der Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft. Der Bundespräsident warnte davor, in Fragen des Zusammenlebens sich „von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen“ leiten zu lassen.

Gauck über (Selbst-)Vertrauen und Mut

„Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen“.
Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: „Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über aktive Bürger

Gauck sprach sich für die Stärkung der aktiven Bürgergesellschaft aus. Engagierte Bürger unterstützten die parlamentarische Demokratie und „gleichen Mängel aus“. Es seien gerade diese Bürger, die sich Demokratiefeinden und Extremisten entgegenstellen, sagte er. Zudem betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamtes.

Gauck zu Rechtsextremisten

„Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“.
„Wir schenken euch auch nicht unsere Angst“.
„Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.“ Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte Gauck Deutschland ein „Land des Demokratiewunders“.

Gaucks Appell an die Deutschen

„Nur ein Mensch mit Selbstvertrauen kann Fortschritte machen und Erfolge haben - dies gilt für einen Menschen wie für ein Land.“
„Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über die 68-Generation

Im Westdeutschland der Nachkriegszeit sei der Umgang mit dem Nationalsozialismus zunächst defizitär geblieben, sagte Gauck. „Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.“ Trotz aller Irrwege habe sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Gauck über Sport

„Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.“ So hat Gauck vor einem Jahr im „Deutschlandfunk“ seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben.
Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, „dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft“. Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion „Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.“
„Männer“, hat er hinzugesetzt, „ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.“

Wowereit, der vor kurzem auch wegen des Debakels um den neuen Berliner Flughafen seinen Rücktritt angekündigt hatte, wurde vom Bundespräsidenten besonders begrüßt. „Klaus Wowereit – der hat so viele Sorgen, und heute will er mal was Schönes erleben“, sagte Gauck. Einem Jungen, der unsicher in den ersten Reihen der Gäste herumlief, rief er vom Rednerpult aus zu: „Mein Jung, Du kannst dich ruhig auf meinen Platz setzen.“

Am Samstag sollten die Tore von Schloss Bellevue dann für alle geöffnet werden, die dabei sein wollen. Unter dem Titel „Engagierte Idole zu Gast in Bellevue“ wollte Gauck mit dem Musiker Bourani, Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch und dem Sänger Peter Maffay diskutieren. Zudem erwarteten Musik- und Theateraufführungen die Besucher sowie Rundgänge durch das Schloss.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr C. Falk

05.09.2014, 19:40 Uhr

Mein Gott, diese pastorale Gerede ist wirklich eine Zumutung.
Dem Mann sei aber zugestanden, dass er vermutlich nicht anders kann, sondern bis in seine innersten Gehirnwindungen konditioniert ist, vermutlich durch den Besuch von irgendwelchen Predigerseminaren.

Mein Stilempfinden sagt mir, der Mann ist als Bundespräsident unmöglich.

Vielleicht täusche ich mich aber auch und es ist richtig, genau diesen Mann hat dieses Land verdient!

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