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09.01.2003

08:56 Uhr

Bulmahn plant Expertenkonferenz

Koalition streitet über Klonverbot

VonBarbara Gillmann

Die Debatte um das angebliche Klonbaby der Firma Clonaid hat auch die deutsche Politik aufgerüttelt. Die Fraktion der Grünen verlangt von der Bundesregierung, sich für ein weltweites Verbot jeglicher Klonversuche einzusetzen. Ein entsprechender Beschluss soll nächste Woche verabschiedet werden. Auch die Union plädiert für ein generelles Klonverbot, bekräftigte am Mittwoch CDU-Vize Jürgen Rüttgers.

BERLIN. Bislang hatte sich Deutschland gemeinsam mit Frankreich in der Uno lediglich für ein Verbot des reproduktiven Klonens, also des Klonens mit dem Ziel der Fortpflanzung, eingesetzt. Die USA und einige wenige andere Länder hingegen fordern ein generelles Verbot, also auch des therapeutischen Klonens. Eine Einigung kam nicht zu Stande, die Verhandlungen im Herbst 2002 wurden abgebrochen und auf Herbst 2003 vertagt.

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), macht ihren Parteifreunden wenig Hoffnung: sie hält es für „absolut unrealistisch“, international ein generelles Klonverbot durchsetzen zu können – auch wenn sie persönlich das für wünschenswert halte. Allein in Europa sei nicht nur Großbritannien gegen ein Verbot des therapeutischen Klonens, sondern auch Schweden und Finnland, sagte sie in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. International seien auch China und Japan dagegen. Zudem sei in einigen Ländern die Entwicklung beim therapeutischen Klonen bereits sehr weit fortgeschritten. „Wir können das Rad nicht zurückdrehen“, sagte Müller.

Aus der SPD-Fraktion sind derzeit unterschiedliche Meinungen zu hören – obwohl die Regierungsfraktionen bereits im vorigen Sommer gemeinsam ein generelles Klonverbot gefordert hatten. Doch auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bleibt bei ihrer Position: Sie fordert ein „schnelles, weltweit effektives Verbot des reproduktiven Klonens“ als „ersten Schritt“. Dies dürfe man wegen der Diskussion um das therapeutische Klonen nicht aufschieben, sagte sie dem Handelsblatt. Weil die wissenschaftliche, ethische und rechtliche Bewertung des therapeutischen Klonens international sehr unterschiedlich sei, werde sie Experten zu einer Konferenz im Mai einladen.

Die Bioethik-Expertin der Grünen-Fraktion, Christa Nickels, will sich mit taktischen Argumenten nicht abspeisen lassen. Schließlich werde beispielsweise in Dutzenden Ländern gefoltert, „und trotzdem gibt es internationale Menschenrechtskonventionen, die das verbieten“. Sie plädiert für ein umfassendes Klonverbot, weil therapeutisches und reproduktives Klonen technisch identisch seien, nur werde der Embryo für die Forschung getötet, im anderen Fall ausgetragen. Zudem gebe es mittlerweile die Möglichkeit, Stammzellen auch aus Nabelschnur-Blut oder sogar aus Organen eines Erwachsenen zu gewinnen. In dieser „so genannten adulten Stammzellenforschung ist Deutschland weltweit führend“.

Sorgen macht ihr ein weiteres Problem: Für das therapeutische Klonen seien „Zehntausende von Eizellen nötig“. Diese werden von Frauen gespendet, die sich dafür einer starken Hormonbehandlung unterziehen müssen. In den USA gebe es bereits Studentinnen, die sich mit der höchst bedenklichen „Produktion von Eizellen“ ihr Studium finanzierten.

Obwohl Washington für ein absolutes Klonverbot wirbt, ist in den USA selbst Klonen nicht verboten. Diese „Glaubwürdigkeitslücke“ müsse schnell geschlossen werden, fordert die Arbeitsgemeinschaft Gentechnik der Grünen in ihrer Beschlussvorlage. Das werde die USA jedoch „nicht sehr beeindrucken“, meint Kerstin Müller.

Bevor Deutschland international erneut aktiv werde, sieht Müller „akuten Diskussionsbedarf“ innerhalb der Grünen-Fraktion. Anschließend müsse man dann auch in der Koalition eine gemeinsame Haltung finden.

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