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15.01.2011

12:56 Uhr

Bund

Weitere 934 Betriebe wegen Dioxin-Verdachts gesperrt

Nach einer Informationspanne sind in Niedersachsen wegen Dioxinverdachts weitere 934 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt worden. Ein Tierfutterhersteller mit Dioxinverdacht in Niedersachsen ist nach Angaben des Bundes erst jetzt entdeckt worden. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte, Ministerpräsident David McAllister müsse personelle Konsequenzen ziehen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte Konsequenzen aus der Informationspanne. DAPD

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte Konsequenzen aus der Informationspanne.

HB BERLIN/HANNOVER. Im Dioxin-Skandal gibt es offenbar einen weiteren Betrugsfall. Ein Futtermischunternehmen aus dem niedersächsischen Damme, der dioxinbelastete Fette vom Futterfetthersteller Harles und Jentzsch bezogen hat, soll nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums seine Lieferungen nicht vollständig offengelegt haben. Die 934 betroffenen Bauernhöfe konnten deshalb erst jetzt gesperrt werden. Etwa zehn Tage lang gerieten belastete Produkte, insbesondere Eier deshalb in den Handel, vermutet das Ministerium. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sprach von einem "Skandal" und forderte Konsequenzen von Niedersachsen.

Den Angaben zufolge sind unter anderem 110 Legehennenbetriebe, 403 Schweinemastbetriebe und 248 Ferkelmastbetriebe betroffen. Sie sind seit Freitagabend gesperrt. Von dem Mischfutterhersteller in Damme sind offenbar auch Futtermittellieferungen nach Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern gegangen.

Niedersachsen hat inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, da von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit ausgegangen werde. Warum die betroffene Firma "verspätet und erst auf massiven Druck der Behörden die vollständigen Listen geliefert hat, wird derzeit geklärt", teilte das Agrarministerium mit. Es müsse davon ausgegangen werden, dass etwa zehn Tage lang Produkte, in erster Linie Eier, in den Markt gelangt sein könnten. Nach wie vor werde aber nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung bei Verzehr dieser Waren gerechnet.

Ermittler der Polizei und des Landesamtes für Verbraucherschutz durchsuchten am Samstag mehrere Zweigstellen des Futtermischunternehmens. Dabei sollte auch Beweismaterial sichergestellt werden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, das es an drei verschiedenen Standorten Durchsuchungen gab. Weitere Details wollte sie mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Gert Hahne, Sprecher des Ministeriums, machte am Samstag auf Anfrage klar, dass der Betrieb "gesetzlich verpflichtet" gewesen sei, die Lieferlisten komplett mitzuteilen. Stattdessen habe er aber nur einen Teil der von ihm belieferten Betriebe offen gelegt. Aufgefallen sei das bei Nachkontrollen durch das Landesamt am Freitagabend. Noch am gleichen Abend sei die Staatsanwaltschaft informiert worden, sagte Hahne.

Kommentare (8)

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Lutz

15.01.2011, 14:42 Uhr

Ein italienischer bekannter von mir sagt immer:

"Der Deutsche fressen im Prinzip alles.... Hauptsache billig, fettig und großes Portion ... Mamma Mia!"





Andreas

15.01.2011, 16:12 Uhr

ich habe eine weitere schlechte Nachricht. ich glaube, dass es in Niedersachsen Sickergruben gibt, und zwar reichlich viele. Der Grund für meine beanstandung ist, dass die bevölkerungsdichte in den vergangenen Jahren zugenommen hat, Verunreinigungen in vielen kleinen Gebieten, wo sich Menschen aufhalten, werden eindeutig schneller transportiert. Die bakterien und unter Umständen auch Viren gelangen an den Körper und werden dann verschleppt. Das Gehöft oder die alte Kneipe die heute ein Hotel ist, und und und sind heute mit mehreren Mehr- bzw. Einfamilienhäusern umbaut. Kann es sein, dass es in Niedersachsen keine gesetzliche Regelung in dieser Sache gibt ? Möglicherweise tragen die bauern Gülle noch immer auf´s Feld. Vielleicht hatte man in Niedersachsen den Kopf einfach mal wieder einmal zu oft den Kopf quer gestellt. Vielleicht natürlich auch mal wieder alle Deutschen, bis der kommt, der seinen Kopf soweit quer gestellt hat, dass ein Problem bzw. eine Gefahr deutlich wird.

franjo

15.01.2011, 19:54 Uhr

Köpfe rollen zu lassen, löst das Problem nach wie vor nicht. Gift hat nichts in Lebensmitteln zu suchen. Diejenigen, die es trotzdem veranlassen, gehören sofort hinter Gitter, beginnend mit einer langen U-Haft und Kontensperrungen. Das Strafrecht hinkt, wenn man die Kachelmanngeschichte mal mit dem Dioxinskandal vergleicht. Der jetzige Schaden im Vergleich an den erzielten verbrecherischen Ersparnissen beim Futter f.Tiere steht in keinem Verhältnis. Und die leidtragenden sind die bauern. Tierschutz und Schutz f. Menschen fängt beim Futter u. der artgerechten Tierhaltung an. Ein Problem ist in unserem Land die Vielzahl von Zuständigkeiten, wobei ja oft feststeht, dass manchmal keiner weiß, wer letztlich zuständig ist. im Lebensmittelbereich - wie auch in anderen bereichen - wäre zu überlegen, ob es nicht einfacher ist, dass der bund eine zentrale Regelung schafft. Es ist sicherlich nicht sinnvoll, dass jedes Land eigene Regeln bastelt. beim Tierfutter klappt es nicht, bei z.b.den Schulen auch nicht ... u.v.m. Wie wäre es, wenn wir nur noch 3 Länder hätten (Nord,Mitte u.Süd – wir könnten die Wörter West und Ost dann mal auf Seite legen). Weniger Abgeordnete, weniger Zuständigkeiten und mehr Handlungsspielraum. Und – was wir dringend brauchen ist, dass eine Regierung Gesetzte durchbringen kann. Ohne Ländermehrheiten, weil zu viele Köche den brei veerderben. in einer globalisierten Welt brauchen wir eine Regierung, die handlungsfähig ist. Und bei Giftskandalen, die wir alle Jahre haben, muß jetzt mal endlich durchgegriffen werden.

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