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22.06.2015

07:29 Uhr

Bundesagentur für Arbeit

Weniger Aufstocker seit Mindestlohn-Einführung

Seit dem Startschuss für den gesetzlichen Mindestlohn ist die Zahl der sogenannten Aufstocker rückläufig: Weniger Bürger sind trotz eines Jobs zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Die Grünen fordern weitere Maßnahmen.

Vor dem Startschuss für die gesetzliche Lohnuntergrenze hat es in Deutschland noch 1,268 Millionen sogenannte Aufstocker gegeben. dpa

Mindestlohn von 8,50 Euro

Vor dem Startschuss für die gesetzliche Lohnuntergrenze hat es in Deutschland noch 1,268 Millionen sogenannte Aufstocker gegeben.

MünchenDie Anzahl der Aufstocker, die trotz eines Jobs zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind, geht laut einem Zeitungsbericht seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns am 1. Januar zurück.

Im Dezember 2014, also vor dem Startschuss für die gesetzliche Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro, habe es in Deutschland noch 1,268 Millionen sogenannte Aufstocker gegeben, berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Montag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Im Februar 2015 waren es demnach mit 1,223 Millionen etwa 45.000 weniger.

Auch der Anteil der Aufstocker an den derzeit knapp 4,3 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern habe sich von 29,3 Prozent Ende 2014 auf 27,8 Prozent im Februar 2015 verringert, berichtete die SZ. Aktuellere Statistiken gebe es nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums nicht.

Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit wies darauf hin, dass es zum Jahreswechsel immer einen Rückgang der abhängig beschäftigten Aufstocker gebe, „vermutlich weil auch Aufstocker von Winterarbeitslosigkeit betroffen sind und deshalb vorübergehend nur Hartz IV erhalten“. Da der Rückgang aber stärker als in den vergangenen Jahren ausgefallen sei, deute dies darauf hin, „dass dies mit der Einführung des Mindestlohns zusammenhängt“.

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Fast die Hälfte der Aufstocker, etwa 593.000, lebt dem Bericht zufolge überwiegend von Hartz IV und verdient sich mit einem 450-Euro-Minijob ein paar Euro dazu. Beim anderen großen Teil, ebenfalls knapp 600.000, ist es demnach eher umgekehrt: Sie haben zum Beispiel einen voll sozialversicherungspflichtigen Job, brauchen aber die Hilfe vom Steuerzahler, weil sie nur Teilzeit arbeiten und damit nicht genug verdienen. Oder der Verdienst ist nicht groß genug, um Kinder oder Angehörige versorgen zu können.

Der sozialpolitische Sprecher der Grünen, Wolfgang Strengmann-Kuhn, sagte der SZ, der Mindestlohn gehe an den meisten erwerbstätigen Hartz-IV-Beziehern vorbei, weil er nicht ausreiche, um Teilzeit-Beschäftigte oder Familien aus dem Hartz-IV-Bezug herauszuholen. „Der Mindestlohn ist richtig, aber kein Mittel zur Armutsbekämpfung“, warnte Strengmann-Kuhn.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Karl Martell

23.06.2015, 12:29 Uhr

So viel kontinuierlichen Blödsinn muss man erst mal vertragen. Erst erklärt die Bundesanstalt für Arbeit (was ist eigentlich ihre Aufgabe?) der Mindestlohn kostet Jobs...
Jetzt in Selbstbeweihräucherung verkündet man frohlockend, dass der Rückgang von 3 und nochwas Prozent bei den Aufstockern innerhalb eines Jahres auf den Mindestlohn zurückzuführen sei. Toll!
Dabei sollte mal eher eine Erhebung stattfinden, wie viele mittlerweile a) verstorben oder b) verrentet sind.
Das wird natürlich vermieden, sonst könnte man ja solche Jubelzahlen, ganz im Sinne von Grimms Märchen, nicht veröffentlichen..

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