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06.05.2015

13:55 Uhr

Bundesanwaltschaft

Razzien gegen neue rechtsextreme Terrorgruppe

„Oldschool Society“ nennen sie sich und planten laut der Bundesanwaltschaft Anschläge auf Moscheen und Asylbewerberheime. Mehere mutmaßliche Rechtsextreme wurden jetzt festgenommen. Darunter ist auch ihr „Präsident“.

Beamte der Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei (Archivfoto) waren bei den Festnahmen in mehreren Bundesländern im Einsatz. dpa

Beamte der Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei (Archivfoto) waren bei den Festnahmen in mehreren Bundesländern im Einsatz.

KarlsruheBei Razzien in mehreren Bundesländern hat die Bundesanwaltschaft am Mittwoch vier mutmaßliche Rechtsextremisten festnehmen lassen. Die drei Männer und eine Frau stehen im dringenden Verdacht, mit anderen die rechtsterroristischen Vereinigung „Oldschool Society“ (OSS) gegründet und Anschläge auf Moscheen und Asylbewerberheime geplant zu haben. Sie sollen zur Führungsriege der OSS gehören und wurden von Einsatzkräften der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen.

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchen laut Spiegel Online rund 250 Ermittler in Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Wohnungen. Der Generalbundesanwalt ermittelt latu dem Blatt wegen des Verdachts auf Gründung einer „terroristischen Vereinigung“.

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Die rechtsextreme Truppe soll sich bereits im November 2014 zusammengeschlossen haben und war offenbar hierarchisch strukturiert. Laut Ermittlern fungierte der inzwischen festgenommene Andreas H. aus Augsburg als „Präsident“ und der 39-jährige Sachse Markus W. als dessen „Vize“. Weitere wichtige Funktionen sollen den Angaben zufolge der 47-jährige Olaf O. aus Bochum sowie die 22-jährige Denise G. aus Sachsen übernommen haben. Alle vier sollen in Kürze dem Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Auf die Spur der „Old School Society“ waren die Ermittler laut dem Spiegel offenbar durch Hinweise der deutschen Verfassungsschutzbehörden gekommen. Demnach soll die Truppe unter anderem versucht haben, sich „Sprengmittel für Terroranschläge“ zu beschaffen, wie es aus Ermittlerkreisen heißt.

Auch ein Erkennungszeichen hatten die Beschuldigten schon entworfen: Es bestand aus einem stilisierten Kampfpanzer, germanischen Runen und zwei Totenschädeln. Dass sich zumindest die Männer der Gruppe seit längerem kennen, macht ein Video von ihnen auf Youtube deutlich, das im Januar 2013 eingestellt wurde. Während darauf unter dem Motto „La Familia“ nur Kameradschaft und Zusammenhalt beschworen wird, zeigt sich die Radikalisierung in einem erst sieben Monate alten Clip der OSS.

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Dort lautet das Motto der Vereinigung „Eine Kugel ist nicht genug“. Zudem heißt es: „Die Oldschool Society erhebt sich. National. Volksgerecht. Sozial“. Im Video wird überdies zur „Revolution“ aufgerufen und vor einer „Systemknechtschaft“ gewarnt, in der „Ehre und Stolz“ verlorengingen. Der mutmaßliche Kopf der OSS bittet auf Facebook Gleichgesinnte, keine Fotos von Adolf Hitler hochzuladen, weil das Ärger gebe.

An Vorsicht mangelte es der Gruppe aber offenbar bei der Vorbereitung von terroristischen Anschlägen: Ermittlerkreisen zufolge kam ihnen der Verfassungsschutz bei der Beschaffung von Sprengmitteln auf die Spur. Diese Erkenntnisse waren letztlich der Auslöser für die Festnahme- und Durchsuchungsaktionen.

Laut Bundesanwaltschaft wurden bei dem Quartett „pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft“ sichergestellt. Ob es sich hinter dem Begriff etwa Handgranaten oder gewerblichen Sprengstoff verbirgt, blieb zunächst unklar. Offen ist bislang auch, ob die Gruppe schon konkrete Anschlagsziele hatte. Dies wird nun ermittelt, hieß es in Karlsruhe.

Kommentare (12)

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Herr Franz Paul

06.05.2015, 09:57 Uhr

Echt spannend. Sie "wollten".....Und wer ermittelt gegen die selbsternannte "Antifa", die schon zahlreiche Brandanschläge verübt hat, zahllose Sachbeschädigungen und Körperverletzungen?

Herr Horst Hamacher

06.05.2015, 10:18 Uhr

Ich kann nicht wirklich verstehen, warum sich eine neue deutsche "rechtsradikale" Partei oder Bewegung einen englischen Namen geben sollte. So (rechts-)national kann diese Partei dann wohl doch nicht sein!

Herr Heiner Ettwein

06.05.2015, 11:13 Uhr

Linke - Rechte kapiert Ihr nie ,dass wir alle Menschen sind ? Jeder Krieg bringt unsägliche Zerstörung - Leid mit sich ! Unterschiedliche Meinungen ist Demokratie - Hetzer sind ein Fall für
die Medizin !

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