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18.12.2014

16:37 Uhr

Bundesanwaltschaft

Vorermittlungen wegen CIA-Folterbericht

Die Bundesanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen des CIA-Folterberichts. Man wolle sich darum bemühen, den kompletten Bericht zu bekommen. Mehrere Strafanzeigen sind bereits eingegangen.

Generalbundesanwalt Harald Range ap

Generalbundesanwalt Harald Range

KarlsruheGeneralbundesanwalt Harald Range prüft, ob er im Zusammenhang mit dem CIA-Folterbericht förmliche Ermittlungen aufnimmt. „Wir haben dazu einen Beobachtungsvorgang angelegt“, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Marcus Köhler, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sind de facto Vorermittlungen. Köhler bestätigte, dass mehrere Strafanzeigen eingegangen seien. Diese richten sich unter anderem gegen Mitglieder der Regierung von Ex-US-Präsident George W. Bush.

Nach dem Völkerrecht können unter bestimmten Umständen auch im Ausland begangene Verbrechen ohne Bezug zum Inland von Deutschland aus verfolgt werden. Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen US-Regierungsstellen könnten zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen zwischen beiden Regierungen führen.

Seit dem Wochenende analysiere die Bundesanwaltschaft die 500-seitige Zusammenfassung des US-Senatsberichts über brutale Verhörmethoden der CIA, sagte Köhler. Zudem wolle man sich darum bemühen, den kompletten, 6000 Seiten umfassenden Bericht zu bekommen. Der Bericht schildert extrem brutale Verhörmethoden gegen Gefangene durch den US-Geheimdienst nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Enthüllungen hatten weltweit für Empörung gesorgt.

Die Foltermethoden der CIA

1. Schläge in den Unterleib

Zweck dieser Methode war es, Angst und Hoffnungslosigkeit bei den Häftlingen auszulösen, die Gefangenen zu erniedrigen und zu beleidigen, heißt es in einer Beschreibung in Regierungsdokumenten. Der Vernehmungsbeamte steht dabei knapp 30 Zentimeter vor dem Bauch des Inhaftierten und schlägt mit dem Handrücken zu. Die Peiniger wurden angewiesen, die Hand bei den Schlägen in den Unterleib ausgestreckt und die Finger zusammen zu halten. Die CIA nutzte diese Technik vor 2004 mit Genehmigung des US-Justizministeriums.

2. Aufmerksamkeit erzwingen

Der Befrager greift den Gefangenen dabei mit beiden Händen am Kragen und zieht ihn zu sich heran, wie der frühere CIA-Mitarbeiter John Rizzo berichtet. Diese Technik wurde Rizzo zufolge etwa bei dem Al-Kaida-Mitglied Abu Subajdah angewendet.

3.Einsperren in engen Boxen

Der Vernehmer sperrt den Häftling für bis zu 18 Stunden in eine Box, in der ein ausgewachsener Mensch in der Regel stehen kann - oder aber er wählt eine Box, die gerade einmal groß genug ist, um eingerollt darin auszuharren. Hierin verbrachten Häftlinge bis zu zwei Stunden, wie Rizzo in seinem Buch „Company Man“ schreibt. Der zugewiesene Beamte hatte demnach darüber hinaus die Möglichkeit, ein „harmloses“ Insekt in die kleinere der Boxen zu stecken. Dies sei zum Beispiel bei Subajdah gemacht worden, weil dieser Käfer gehasst habe, sagte Rizzo.

4. Nahrungsmittelmanipulation

Diese Maßnahme beinhaltete, von fester Nahrung auf flüssige umzusteigen. Subajdah wurde im August 2002 nach Angaben des Senatsberichts in eine Diät mit Flüssignahrung versetzt, die aus einem Nahrungsergänzungsmittel und Wasser bestand.

5. Haltegriff ums Gesicht

Der Vernehmungsbeamte hält den Kopf des Gefangenen so, dass er nicht bewegt werden kann. Er legt jeweils eine Hand auf beide Seiten des Gesichts und hält die Fingerspitzen laut Rizzo in Sichtweise weg von den Augen des Häftlings.

6. Der Schlag ins Gesicht

Mit gespreizten Fingern wird dem Häftling mitten ins Gesicht zwischen Kinn und Ohrläppchen geschlagen, wie Rizzo in seinem Buch beschreibt. Auch hiermit sollte das Opfer gedemütigt werden. Damit sollte der Gefangene „von der irrtümlichen Vorstellung befreit werden, dass er nicht körperlich verletzt würde“.

7. Nacktheit

Diese Technik wurde kombiniert mit anderen Methoden genutzt. Der Häftling wurde gezwungen, lange Zeit nackt zu stehen.

8. Druckbelastung

Zweck dieser Technik ist es laut einem Regierungsdokument, dem Häftling mit Hilfe von ausgedehntem Muskelgebrauch Unbehagen zuzufügen. Eine Position war, mit nach vorn ausgestreckten Beinen zu sitzen, während die Hände über dem Kopf gehalten wurden. Eine andere war laut Rizzo, auf dem Boden zu knien und sich dabei in einem 45-Grad-Winkel zurückzulehnen.

9. Tagelanger Schlafentzug

Häftlinge wurden bis zu 180 Stunden lang wach gehalten, meistens, indem sie eine aufrechte oder unangenehme Stellung einnehmen mussten. Manchmal wurden dabei gar die Hände der Gefangenen über dem Kopf festgebunden. Wegen dieser Technik hatten mindestens fünf Opfer „verstörende Halluzinationen“, wie es in dem Bericht heißt - in zwei Fällen setzte die CIA die Praxis dennoch fort. Ein Inhaftierter, Arsala Khan, halluzinierte im Oktober 2003 nach 56 Stunden Schlafentzug im Stehen. Anschließend kam der Auslandsgeheimdienst zu dem Schluss, dass der Mann offenbar nicht in geplante Aktivitäten gegen die USA verwickelt ist. Statt ihn wie anschließend von der CIA geplant freizulassen, wurde Khan in militärische Einrichtungen gebracht, wo er für vier weitere Jahre inhaftiert war.

11. Walling

Dies war eine der brutalsten Methoden. Die Vernehmungsbeamten schleudern den Häftling dabei gegen eine Wand. Laut Senatsbericht war dies eine der unzähligen Techniken, die bei Subajdah angewendet wurden. Auch der Al-Kaida-Anführer Chalid Scheich Mohammed war am 22. März 2003 „intensiven“ Befragungen und Walling ausgesetzt. Als das nichts brachte, nutzten die Vernehmenden eine noch härtere Methode, das Waterboarding.

12. Waterboarding

Nach einer Stunde des Waterboardings war der besagte Al-Kaida-Mann „bereit zu reden“, wie es bei der CIA hieß. Bei dieser wohl berüchtigsten CIA-Technik wurde der Häftling an einem Tisch oder einer Bank festgeschnallt. Anschließend wurde Wasser über das Gesicht des Gepeinigten gegossen, was ihm das Gefühl gab, zu ertrinken. Laut dem Senatsbericht sorgte diese Methode für Erbrechen, unmittelbare Aufnahme der Flüssigkeit und unfreiwillige Krampfzustände in Bein, Brust oder Arm. Abu Subajdah wurde demnach „vollkommen unempfänglich, mit Blasen, die aus seinem offenen, vollen Mund hochkamen“. Er sei anschließend „hysterisch“ und unfähig zum Kommunizieren gewesen. Chalid Scheich Mohammed wurde zwischen dem Nachmittag des 12. März 2003 und dem darauffolgenden Morgen insgesamt 65 Mal der Prozedur des Waterboardings ausgesetzt.

13. Eisbäder

Nackte Häftlinge wurden dem Senatsbericht zufolge auf einer Plane festgehalten. Die Plane wurde daraufhin an seinen Enden hochgezogen, so dass sich eine Art Badewanne bildete. Eiskaltes Wasser wurde anschließend über den Gefangenen gekippt. Manchmal wurden die Opfer dabei zudem stundenlangem Schlafentzug ausgesetzt.

Die Bundesanwaltschaft hatte es 2005 und 2007 abgelehnt, gegen den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und andere US-Offizielle wegen angeblicher Kriegsverbrechen im US-Gefängnis Abu Ghraib zu ermitteln.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Paul Mueller

18.12.2014, 17:44 Uhr

Auwei, das bedeutet Stress für die Atlantiker.
Alle Mitglieder der Atlantik-Brücke werden über den Jahreswechsel sicher Sonderschichten schieben, um die Entscheider bei Rotwein und Entrecôte von einem "Versehen" zu überzeugen. Kleine grüne Bilder von Benjamin Franklin werden sicher helfen.

Herr Holger Klekar

18.12.2014, 18:09 Uhr

Nur heiße Luft.

Siehe Fall el Masri u.a..

Landes- und Volks-Verräter machten und machen nichts.

Beziehung (Unterwürfigkeit) zu USA und Israel sind
wichtiger.
Da macht man mit, verstümmelt kleine wehrlose Säuglinge, verbiegt und beugt Grundgesetz, Menschen- und Kinderrechte. UN-Charta, EU-Farce usw..

Herr Manfred Zimmer

18.12.2014, 18:27 Uhr

Dass Generalbundesanwalt Harald Range noch im Amt ist? Das hat bestimmt etwas mit seinem Jugendfoto zu tun.

Wenn Hacker in Deutschland einen Hochofen übernehmen und Herr Range nichts mitbekommen haben will, wie in Deutschland abgehört und ausgehorscht wurde und wird, dann mag das durchaus zutreffen.

Dass er aber seinen Laden nicht auf Vordermann hat, dies festzustellen und abzuwehren, dass kann nur den Schluss zulassen, dass er mit dieser ihm gestellten Aufgabe überfordert ist.

Man muss keinen Jugendwahn betreiben, aber unter einem Hacker, der weiß wovon er spricht, stelle ich mir einen anderen alten Herrn vor.

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