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13.03.2017

09:09 Uhr

Bundesarbeitsgericht

„Niemand muss in seiner Freizeit dauernd berufliche Mails checken“

Die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts fordert Unternehmen auf, ihre Arbeitszeitkultur zu überdenken. Das jetzige Arbeitszeitrecht komme an seine Grenzen. Aber auch die Arbeitnehmer sieht sie in der Pflicht.

Ständig erreichbar: Über Smartphones lassen sich die Dienstmails rund um die Uhr abrufen. dpa

E-Mail checken

Ständig erreichbar: Über Smartphones lassen sich die Dienstmails rund um die Uhr abrufen.

Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgericht (BAG), ruft Arbeitnehmer dazu auf, in ihrer Freizeit keine beruflichen Mails zu lesen. Außerdem forderte sie deutsche Unternehmen auf, über ihre Arbeitszeitkultur nachdenken. „Das jetzige Arbeitszeitrecht kommt an seine Grenzen“, sagte die Gerichtspräsidentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Niemand müsse in seiner Freizeit andauernd berufliche Mails checken.

Auch Arbeitnehmer sind laut Schmidt in der Verantwortung. Sie müssten im Zweifel eben darauf hinwirken, dass sie „zum Beispiel für 38 Stunden bezahlt werden und dafür ihre Arbeitsleistung zur Verfügung stellen müssen – mehr aber auch nicht“, sagt Schmidt im Gespräch mit der Zeitung. Das BAG verhandelt in den kommenden Wochen eine Klage eines Betriebsrats der Deutschen Telekom. Der Konzern soll sich verpflichten, das Abrufen dienstlicher Mails außerhalb der Arbeitszeit aktiv zu verhindern.

Was tun gegen die E-Mail-Flut?

Feste Zeiten für E-Mails

E-Mails lenken von der Arbeit ab. Daher ist es ratsam, sich feste Zeiten für die Bearbeitung der elektronischen Post einzurichten und die Benachrichtigungen in der Zwischenzeit auszuschalten. Zumindest wenn es der Job erlaubt.

Jede Nachricht nur einmal lesen

Erst überfliegen, später antworten: Viele Nutzer bearbeiten E-Mails mindestens zwei Mal. Das ist jedoch eine Zeitverschwendung. Sinnvoll ist, sofort zu entscheiden, was zu tun ist.

Eindeutige Absprachen

Je prägnanter, desto besser: Eindeutige Absprachen helfen, die Zahl der E-Mails einzudämmen. Daher sollte man seine Erwartungen klarmachen – das kann auch mit Formeln wie „Zur Information“ oder „Aktivität nötig“ tun.

Abkürzungen im Betreff

Mit einigen Kollegen steht man täglich im Austausch – mit ihnen kann man sich auf eine sehr knappe Sprache verständigen. In einigen Fällen reicht die Betreffzeile aus, so dass man nicht jede Mail öffnen muss. Bestimmte Abkürzungen helfen: EOM (End of message) oder EDN (Ende der Nachricht) etwa signalisiert, dass alles gesagt ist.

Mails in CC vermeiden

Es kann zwar sinnvoll sein, E-Mails an Kollegen oder den Chef in Kopie weiterzuleiten, diese Funktion wird aber oft genutzt, um Verantwortung zu teilen oder weiterzugeben. Insofern ist es sinnvoll, sich über die Nutzung des CC-Feldes zu verständigen. Wer muss was wissen? Im besten Fall kann man alle CC-Mails in einen separaten Ordner laufen lassen und separat bearbeiten.

Suchen statt sortieren

Je mehr Ordner, desto unübersichtlicher wird es. Experten raten daher von einer komplexen Struktur mit dutzenden Fächern ab – die Suchfunktion fördert auch so wichtige Informationen wieder zu Tage.

Im Zweifelsfall anrufen

Wie genau ist das gemeint? In E-Mails gehen Zwischentöne oft verloren. Deswegen eignet sich das Medium nicht für Diskussionen. Im Zweifelsfall greift man besser zum Hörer (oder geht direkt zum Kollegen).

Zudem übte die Gerichtspräsidentin in der Debatte um hohe Managergehälter scharfe Kritik: „Wenn ein Vorstandsvorsitzender das 148-fache eines Facharbeiters verdient, dann wird das eben nicht mehr als gerecht empfunden – so viel kann keine Arbeit wert sein“, sagt Deutschlands höchste Arbeitsrichterin im Gespräch mit der FAZ.

Von

HB

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.03.2017, 11:07 Uhr

Alleine bei den namentlich bekannten Consulting-Unternehmen versagen doch schon unsere Gesetze, Verordnungen und Gewerkschaften.

Das ist alles Makulatur und Augenwischerei, wenn die Menschen dort sich den A****
mit 12, 14, oder 16 Stundentagen aufreißen.

Die Quittung kommt, garantiert. Und der Staat schaut seelenlos zu.

Wie immer.

Außen hui, innen pfui!

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