Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.11.2013

19:13 Uhr

Bundesarbeitsgericht weist Klage ab

Keine Betriebsrente ab 50

Der Wechsel in ein Unternehmen kann für Angestellte über 50 große Nachteile mit sich bringen: Sie haben keinen Anspruch auf eine Betriebsrente. Das Bundesarbeitsgericht sieht darin keinen Fall von Altersdiskriminierung.

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt weist die Revision eines Urteils zurück: Eine mittlerweile 69 Jahre alte Frau hat gegen die Aberkennung ihrer Betriebsrente geklagt. dpa

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt weist die Revision eines Urteils zurück: Eine mittlerweile 69 Jahre alte Frau hat gegen die Aberkennung ihrer Betriebsrente geklagt.

ErfurtArbeitnehmer haben keinen Anspruch auf eine Betriebsrente, wenn sie im Alter von mehr als 50 Jahren in einen Betrieb wechseln. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt wies am Dienstag die Revision eines Urteils des Düsseldorfer Landesarbeitsgerichts zurück. Eine mittlerweile 69 Jahre alte Frau hatte gegen die Aberkennung ihrer Betriebsrente geklagt, da sie darin einen Fall von Altersdiskriminierung sah. Außerdem sei der Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 18. August 2006 anwendbar, da der Leistungsfall danach eingetreten sei. Dem folgten die Richter nicht (3 AZR 356/12).

Auch nach dem AGG dürften Altersgrenzen grundsätzlich gesetzt werden, sagte Gerichtssprecherin Inken Gallner. Nach Ansicht der Richter ist es zudem angemessen, wenn ein Arbeitgeber eine Mindestbeschäftigungsdauer von zehn Jahren für die Gewährung der Betriebsrente voraussetzt. Zudem sei die Regelung nicht unangemessen für den Arbeitnehmer. Das aktuelle Urteil berühre aber nicht zuvor erworbene Ansprüche bei früheren Arbeitgebern.

Das Unternehmen habe geltend gemacht, dass in der Betriebsrente unter anderem auch eine Invaliditätsversicherung enthalten und das Risiko bei älteren Arbeitnehmern höher sei. Zudem sei die Regelung „nicht unangemessen“ für den Arbeitnehmer.

Die Sprecherin des Gerichts verwies zugleich auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom Februar dieses Jahres, wonach sogar eine Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren als Voraussetzung für eine Rente nicht gegen das Verbot der Altersdiskriminierung verstößt.

Die sechs Dimensionen der Gerechtigkeit

Bedarfsgerechtigkeit

Das Existenzminimum eines jeden soll garantiert gedeckt sein.

Leistungsgerechtigkeit

Jeder Einzelne soll in dem Maße vom gesellschaftlichen Wohlstand profitieren, in dem er dazu beigetragen hat.

Chancengerechtigkeit

Jedes Mitglied der Gesellschaft muss gerechte Chancen auf Arbeit, Bildung und Aufstieg haben.

Einkommensgerechtigkeit

Der Wohlstand soll möglichst gleich verteilt sein.

Regelgerechtigkeit

Die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens müssen für jeden gleichermaßen gelten und zudem transparent und nachvollziehbar gestaltet sein.

Generationengerechtigkeit

Künftige Generationen sollen gegenüber der heutigen Generation nicht durch politische Entscheidungen benachteiligt werden.

Die Verkäuferin hatte mit 52 Jahren bei einem Einzelhandelsunternehmen angefangen. Um eine Rente zu erhalten, musste der Mitarbeiterin laut Leistungsplan aber mindestens zehn Jahre dort beschäftigt sein. Dienstjahre ab dem 60. Lebensjahr wurden diesem Plan zufolge nicht berücksichtigt. Eine sogenannte Versorgungsanwartschaft konnte nicht mehr erworben werden.

Der vorliegende Fall sei zwar besonders, da hier die Dienstjahre ab 60 Jahren nicht anerkannt würden, sagte Gallner. Dies ändere aber nichts daran, dass dem Urteil zufolge ein Anspruch auf Betriebsrente ab 50 Jahren nicht entstehe. Allerdings könnten Unternehmen jederzeit bessere Bedingungen vereinbaren, fügte sie hinzu.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×