Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2013

12:40 Uhr

Bundesbank

Deutsche Vermögen sind ungleich verteilt

Die Bundesbank hat die Vermögensverteilung kritisiert und vor einer Rezession gewarnt. Die Experten gehen von einem gebremsten Wirtschaftswachstum aus. Für die Zukunft sei die Entwicklung in den Krisenländern erheblich.

Vermögen tritt in Deutschland tendenziell gehäuft auf. dpa

Vermögen tritt in Deutschland tendenziell gehäuft auf.

Berlin/FrankfurtDas Vermögen der Deutschen ist im internationalen Vergleich eher gering und ungleich verteilt. Nach Abzug der Schulden besaßen die privaten Haushalte Ende 2010 ein mittleres Nettovermögen von 195.200 Euro, wie die Bundesbank am Montag zu ihrer Haushalts-Umfrage mitteilte. Die ungleiche Verteilung zeigt sich beim sogenannten Median, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt. Dieser Wert für das Nettovermögen lag bei nur 51.400 Euro. Regional gibt es ein großes Gefälle nicht nur zwischen West und Ost, sondern auch zwischen Nord- und Süddeutschland. In den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen liegt der Median bei 106.000 Euro und damit doppelt so hoch wie in Gesamtdeutschland. Im Norden beträgt der Wert 41.400 Euro und im Osten (inklusive Berlin) nur 21.400 Euro.

Die Umfrage birgt Detailergebnisse für Deutschland. Anfang April hatte eine erste Auswertung der Europäischen Zentralbank bereits für Aufsehen gesorgt. Demnach verfügen Menschen in Krisenländern der Euro-Zone und Steueroasen wie Luxemburg und Malta über ein weit höheres Vermögen als die Deutschen. Im kürzlich vor der Staatspleite geretteten Zypern haben die Bürger ein Median-Nettovermögen von 266.900 Euro, in Italien von 173.500 Euro und in Spanien von 182.700 Euro. Ganz oben auf der Liste stehen die Luxemburger, die auf fast 400.000 Euro kommen.

Grund für das vergleichsweise geringe Vermögen in Deutschland sind laut Studie die Folgen der beiden Weltkriege, die Teilung des Landes und der - im internationalen Vergleich - geringe Anteil von Eigenheimbesitzern. Im Vergleich mit den Euro-Ländern sei die Verteilung von Geld und Besitz zwar ungleichmäßig, aber noch „deutlich gleichmäßiger” als in den USA und der Schweiz.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Laut Studie sind Eigentümer von Immobilien deutlich reicher als Mieter-Haushalte, was wenig überrascht. Gleichzeitig sei Wohneigentum in Deutschland vergleichsweise selten, betonte die Bundesbank. „Der Erwerb von Immobilien scheint sich, angesichts eines breiten und leistungsfähigen Marktes für Mietwohnungen, als weniger dringlich darzustellen.” Zudem ist Überschuldung nach Ansicht der Bundesbank - anders als in mehreren anderen Ländern - in Deutschland kein verbreitetes Phänomen.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

graete

17.06.2013, 13:06 Uhr

Oh nein!!! Das hätten wir aber alle nicht gedacht. Gehen Sie doch zu Klatten und verteilen sie einfach mal 620 Mio. Dividende für 2013 nach "unten". 60% der Bevölkerung sollen 2030 verarmt sein und bangladeshi-sch leben, in Wellblechhütten, ohne Strom weil zu teuer...ausgehungert sein. Den Rest kann man sehr gut kontrollieren. Alternativlos wird dieser Weg an die Wand, diese durch die Wucht der Eliten nieder gefahren. Für den Einen ist die Wand Hartz-4, den anderen seine Dividenden, den Dritten sind es Renten...Europa braucht den EURO nicht sondern die USA, Brüssel, die INVESTOREN und die neue Weltregierung brauchen den EURO
um ihn 1:1 zum USD zu inflationieren. Um Europa mürbe und arm zu machen

vandale

17.06.2013, 13:26 Uhr

Abseits der Ideologie ist das Ergebnis nicht überraschend.

Viele Menschen die kennenlernte haben keinen Sinn für Ersparnisse und so sind diese bei diesen Personen abseits der Renten- und Pensionskassenvermögen nahe 0. Es ist eine persönliche Entscheidung in die Ferien zu fahren, oder zu sparen.

Mit dem WKII wurden die meisten Kapitalvermögen eliminiert, oder drastisch redziert.

Die DDR Bürger hatten aufgrund des marxistischen Systems nur wenig Gelegenheit zum sparen, oder Wohneigentum zu erwerben.

Mittlereile leben wir in der Generation der Erben. Viele aus der älteren Generation waren sparsam und hinterlassen Haus und Vermögen.

Allerdings meine ich, dass die aktuelle Gesellschaft mit ihrer destruktiven Ideologie, Sozialismus, EU Umverteilung €, Radikalfeminismus, darauf ausgerichtet ist die Vermögen wieder zu vernichten. Extremsteuern auf Kapitalerträge mindern die Vermögen. Das Scheidungssystem zerstört viele Vermögen. Ein inflationierter € mit Minizinsen reduziert Vermögen. Vielen Erben steht nicht der Sinn nach Anstrengung.

Ich vermute, dass die meisten Vermögen in 25 Jahren wieder nach unten nivelliert sind.

Vandale

Account gelöscht!

17.06.2013, 13:40 Uhr

Genau betrachtet hat unser System seit vielen Jahren eine permanente Krise. Es geht eigentlich immer nur bergab - zum Wohle der Reichen.
Bedingt dadurch, daß die Bürger für ihreArbeit immer weniger bekommen, können sie auch nicht konsumieren, was wiederum die Nachfrage herabsetzt.
Eine gleichmäßigere Vermögensverteilung ist deshalb die einzige Möglichkeit, um Nachfrage und damit Wirtschaft zu erreichen. Oder???
Der Staat hat ein Instrument, um diese Fehlverteilung zu korrigieren. Das Zauberwort heisst Steuern!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×