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26.08.2012

18:17 Uhr

Bundesbank

Merkel stärkt Weidmann den Rücken

Angela Merkel hat sich hinter Bundesbankchef Weidmann gestellt. In einem Fernsehinterview sagte die Kanzlerin, dass Diskussionen um den richtigen Kurs der EZB normal seien. Schelte gab es dagegen für einige Politfreunde.

Kanzlerin Merkel: "Alles völlig normal". dpa

Kanzlerin Merkel: "Alles völlig normal".

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bundesbankchef Jens Weidmann ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie sei dafür, "dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der Europäischen Zentralbank hat", sagte Merkel in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", die am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte.

Hintergrund ist Weidmanns Kritik an Plänen von EZB-Chef Mario Draghi, Staatsanleihen angeschlagener Euroländer aufzukaufen. Dass es zwischen den Notenbankern Diskussionen gebe, "halte ich auch nicht für ungewöhnlich", sagte die Kanzlerin.

Merkel sagte, die EZB sei unabhängig, "sie hat aber einen ganz klaren und beschränkten Auftrag, zur Geldwertstabilität beizutragen". Sie habe "nach wie vor Vertrauen", dass die EZB auf Grundlage dieses Mandats ihre Beschlüsse fälle, sagte die Kanzlerin.

Derweil rief Merkel die schwarz-gelbe Koalition auf, die Euro-Debatte nicht noch extra anzuheizen. "Wir sind im Augenblick in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und deshalb glaube ich schon, wir sollten alle unsere Worte wägen", sagte Merkel. Damit reagierte sie auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt über eine Euro-Zone ohne Athen.

Dobrindt hatte zuvor der "Bild am Sonntag" gesagt, an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone führe aus seiner Sicht kein Weg vorbei. "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone." Erst am Freitag hatte Merkel nach einem Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras versichert, sie wolle, dass dessen Land in der Eurozone bleibe.

"Wir haben füreinander in Europa Verantwortung", mahnte die Kanzlerin. Sie erinnerte an die "riesigen Einschnitte", die die Griechen derzeit zu verkraften hätten. "Meine Bitte: Jeder sollte die Worte sehr wägen", sagte sie. Es zähle derzeit jeder Tag bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformanstrengungen, fügte die Kanzlerin hinzu.

Entscheidungen über den weiteren Umgang mit Griechenland könnten noch nicht fallen: "Ich schaue mir dann den Troika-Bericht an und bewerte dann die Dinge", sagte Merkel. Der Bericht der Experten von Europäischer Zentralbank EZB, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission wird für September oder Oktober erwartet.

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise

Ende September/Anfang Oktober

Die „Troika“ der internationalen Kreditgeber Griechenlands will ihren neuesten Bericht über die Fortschritte bei den Reformen veröffentlichen. Die Analyse der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Grundlage für die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen.

8. Oktober

Treffen der Euro-Finanzminister.

18. und 19. Oktober

EU-Gipfel in Brüssel. Dort könnten die Euro-Retter entscheiden, ob Athen weitere Kredite und möglicherweise mehr Zeit für sein Sparprogramm erhält oder ob der Geldhahn zugedreht wird. Im letzteren Fall droht Griechenland der Staatsbankrott mit anschließendem Euro-Austritt.

Ausdrücklich lobte Merkel in dem Interview den neuen griechischen Premier Samaras: "Ich habe den Eindruck, dass er sich ernsthaft anstrengt." Zugleich beklagte die deutsche Regierungschefin eine ungleiche Verteilung der Lasten in Griechenland. "Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich." Leider sei dies in der Finanzkrise immer wieder der Fall.


Von

dapd

Kommentare (32)

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Edelzwicker

26.08.2012, 18:33 Uhr

Sie habe "nach wie vor Vertrauen", dass die EZB auf Grundlage dieses Mandats ihre Beschlüsse fälle, sagte die Kanzlerin.
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Hören Sie zu, Herr Draghi? Das ist doch eine klare und unmissverständliche Arbeitshypothese für Sie, an der es gar nichts mediterranes zu deuteln gibt! Und Weidmann? Der ist Ihnen meilenweit überlegen - und sein Einfluss ist größer, als der Ihre. Und jetzt schmollen Sie nicht, sondern beherzigen Sie, was die Kanzlerin Ihnen aufgetragen hat, ... dann wird vielleicht alles wieder gut!

doofer_michel

26.08.2012, 18:35 Uhr

Liebe Frau Merkel, diese ungerechtigkeiten kann man bei nur bisschen Guten Willen in den "Griff bekommen"! In dem dann mutmaßlich evtl. auch einiger Ihrer "Freunde/Banker" für mutmasslich begangene Delikte/Verbrechen auch mal im Knast landen!

Account gelöscht!

26.08.2012, 18:39 Uhr

"Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich."

Das ist nicht nur extrem ärgerlich sondern hochgradig gefährlich. Wenn nämlich die Hochfinanz glaubt, wiel sie erster Klasse reist, auch einen bevorzugten Platz im Rettungsboot auf der Finanzsystem-Titanic zu bekommen, ist das ein wesentlicher Brandbeschleuniger, wie man in Griechenland z.B. in Form der Kapitalflucht bewundern durfte. Deshalb haben Sie Frau Merkel alles in Ihrer Macht stehende zu tun, dass es in anderen "Programmländern" oder auch Deutschland nicht dazu kommt und die Lasten fair verteilt werden! Und wenn dazu zeiitlich beschränkte Kapitalverkehrkontrollen (im Rahmen von Reformen die die eigentlichen Ursachen der Krisen angehen) gehören, sollte man nicht davor zurückschrecken.

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