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20.07.2014

16:56 Uhr

Bundesbank

Rückenwind für Lohnforderungen der Gewerkschaften

Die Wirtschaft brummt. Die Beschäftigung ist auf Rekordniveau. Schon jetzt steht fest: Die Tarifgehälter in Deutschland steigen aktuell so stark wie lange nicht mehr.

Die Lohnentwicklung könne auch für einige Zeit über den Verteilungsspielraum hinausgehen, findet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. dapd

Die Lohnentwicklung könne auch für einige Zeit über den Verteilungsspielraum hinausgehen, findet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

BerlinGewerkschaften und Arbeitnehmer bekommen für die kommenden Tarifrunden Rückenwind von der Bundesbank. Hatte die Zentralbank jahrelang vor überzogenen Lohnabschlüssen gewarnt, wären ihr angesichts der extrem niedrigen Inflation aktuell höhere Tarifabschlüsse durchaus recht. Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, über Jahre hätten die Tarifparteien „sehr verantwortungsbewusst Lohnzurückhaltung“ geübt. Die Lohnentwicklung in Deutschland sei „vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Lage, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der günstigen Perspektiven durchaus moderat“.

Noch deutlicher sprach sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, für spürbare Tarifanhebungen aus. „Wenn man eine längerfristige Perspektive einnimmt, kann die Lohnentwicklung auch für ein, zwei Jahre über den Verteilungsspielraum hinausgehen“, sagte Fratzscher. In den vergangenen 15 Jahren seien die Reallöhne von mehr als der Hälfte der deutschen Arbeitnehmer gefallen.

Die Tarifgehälter in Deutschland steigen 2014 ohnehin so stark wie noch nie in diesem Jahrtausend. Nach den Abschlüssen im ersten Halbjahr hatte das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung vor kurzem eine durchschnittliche Tarifsteigerung von 3,1 Prozent errechnet. Dieser Wert liegt über den Vorjahren und auch deutlich oberhalb der erwarteten Inflationsrate, weshalb hohe Reallohnsteigerungen anstehen.

Statistisches Bundesamt: Tarife in Deutschland höher als in Frankreich

Statistisches Bundesamt

Tarife in Deutschland höher als in Frankreich

Die deutsche Privatwirtschaft hat höhere Tarifgehälter zu bieten als Frankreich. Beschäftigte erhielten in Tarifverdiensten 2,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Grundgehälter könnten weiter steigen.

Besonders ins Gewicht fallen 2014 demnach die hohen Abschlüsse in der Chemieindustrie (3,7 Prozent auf 14 Monate) und im öffentlichen Dienst des Bundes und der Gemeinden. Der Verdi-Abschluss bringe den Beschäftigten im Jahr 2014 durchschnittlich 3,4 Prozent mehr Geld. Die unteren Lohngruppen profitierten sogar noch stärker.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

21.07.2014, 20:58 Uhr

"Rückenwind für Lohnforderungen der Gewerkschaften"

Endlich reagiert die Bundesbank! Diese Forderung hätte ich zur Bekämpfung der Verschuldung der "Südstaaten" seitens der EZB erwartet.

Wie dem auch sei. Die Bundesbank ist jetzt aktiv. Als nächsten Schritt muss auch eine Entschädigungsregelung für die Sparer her, die von der EZB enteignet wurden.

Was hat die Null-Zins-Politik gebracht? Die Sparer sind enteignet worden, die Altersversorgung ist kaputt, Banken geben kaum noch Kredite. Wir laufen in eine Depression. Die Zeit für Gegenmaßnahmen drängt.

Es geht aber nicht vordergründig um die Zeit sondern um die Qualität der Leute, die das Schiff wieder in ruhiges Fahrwasser bringen sollen.

Herr Draghi sollte wieder zu Goldman oder nach Italien gehen. Dort werden Leute seiner Kompetenz gebraucht.

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