Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

14:28 Uhr

Bundesbank

Warum Merkel ihren Wirtschaftsberater ziehen lassen sollte

VonMarietta Kurm-Engels, Sven Afhüppe

Bundesbankvize Franz-Christoph Zeitler hört auf. Ein idealer Nachfolger steht bereit: Jens Weidmann, Chef-Wirtschaftsberater von Angela Merkel (CDU). An die Spitze der Notenbank kann er nur wechseln, wenn die Kanzlerin ihn ziehen lässt.

Merkels Wirtschaftsberater Weidmann soll zur Bundesbank wechseln. dpa

Merkels Wirtschaftsberater Weidmann soll zur Bundesbank wechseln.

FRANKFURT/BERLIN. „Weidmann wäre der perfekte Kandidat“, sagte ein Notenbanker über Merkels Chef-Wirtschaftsberater. Weidmann selbst habe bereits Interesse bekundet, zu seinem früheren Arbeitgeber zurückzukehren, hieß es weiter. Die Sache hat nur einen Haken: Merkel will ihren Wirtschaftsberater nicht ziehen lassen. Jedenfalls noch nicht.

Das Kanzleramt wollte sich auf Anfrage nicht zu dem möglichen Wechsel äußern. „Personalien kommentieren wir nicht“, sagte ein Regierungsvertreter dem Handelsblatt. Noch sei keine Entscheidung getroffen, wer Zeitlers Nachfolge antreten werde. Der Bundesbank-Vize scheidet Ende Mai turnusmäßig aus. Er ist dort unter anderem für Recht und die Bankenaufsicht zuständig. Das Vorschlagsrecht hat die Bundesregierung.

Die Bundesbank favorisiert Merkels Abteilungsleiter nicht allein wegen seiner ausgezeichneten Kontakte, sondern vor allem wegen seiner ökonomischen Expertise. Bundesbankpräsident Axel Weber suche dringend einen Volkswirt, hieß es in der Führungsebene der Notenbank. Durch seine Termine bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sei er selbst immer weniger in der Lage, sich um volkswirtschaftliche Themen zu kümmern, klagte Weber kürzlich.

Merkel kann auf ihren Chef-Wirtschaftsberater allerdings nur schwer verzichten. Der 42-Jährige bereitet die G8-Gipfel und die G20-Weltfinanzgipfel vor. Der Super-Sherpa kümmert sich um die weitere Regulierung der internationalen Finanzmärkte sowie um die stockende Welthandelsrunde, die Suche nach einem neuen Weltwährungssystem und die globalen Ungleichgewichte. Weidmann gilt als kluger Kopf. Er ist loyal, extrem fleißig und bringt internationale Erfahrungen mit. Kurzfristig will die Kanzlerin ihren Wirtschaftsberater nicht ziehen lassen. Weidmann müsse den G20-Prozess weiter eng begleiten, hieß es in Regierungskreisen.

Der Berliner Job ist stressig. Überstunden und Reisen um den Globus sind Normalität. Vertrauten hat Weidmann schon seit längerem berichtet, dass ihn die wöchentliche Pendelei zwischen seinem Wohnort in Frankfurt und dem Berliner Kanzleramt belaste. Sobald sich ein attraktiver Job finde, wolle er zurück in die hessische Heimat.

Sosehr Merkel ihren Wirtschaftsberater braucht, grundsätzlich will sie den Wechsel in die Bundesbank offenbar nicht verhindern. Im Gespräch ist, dass Weidmann bis nach dem G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November in Cannes in Berlin bleibt. Zeitlers Bundesbank-Stelle bliebe bis dahin vakant. Der Vorgang ist nicht ungewöhnlich: Das heutige EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark trat erst im September 1998 als Bundesbank-Vize an, sein Vorgänger Johann Wilhelm Gaddum war bereits im Mai ausgeschieden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×