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16.01.2012

12:18 Uhr

Bundesfinanzminister

Schäuble sieht Handlungsbedarf bei Ratingagenturen

Jetzt soll Schluss sein mit dem Diktat der Ratingagenturen. Nach der Herabstufung der Bonitätsnote von Frankreich und anderer Euro-Länder will Bundesfinanzminister Schäuble den Einfluss der Agenturen beschränken.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will die Ratingagenturen in ihre Schranken weisen. AFP

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will die Ratingagenturen in ihre Schranken weisen.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält eine Aufstockung des deutschen Garantierahmens für den EFSF von derzeit 211 Milliarden Euro für nicht nötig. „Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten zu leisten hat, reicht die Garantie bei weitem aus“, sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk. Die Entscheidung von Standard & Poor's, Frankreich das Toprating AAA zu entziehen, zeige jedoch dringenden Handlungsbedarf, den Einfluss der Ratingagenturen zu beschränken.

„Wir müssen in der Banken- und Versicherungsaufsicht darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Ratingagenturen darauf beschränken können, was sie tatsächlich sind“, sagte Schäuble. „Darüber hinaus arbeiten wir in Europa an Regeln, die Ratingagenturen bestimmte Transparenzverpflichtungen auferlegen und auch sicherstellen, dass Ratingagenturen nicht noch eigene Geschäftsinteressen haben.“ Die Europäische Kommission habe Vorschläge gemacht, die derzeit intensiv beraten würden. „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Das Urteil von Standard & Poor's (S&P), die am vergangen Freitag neun Euroländern schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst hatte, zweifelt Schäuble an. „Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben“, sagte der Finanzminister. „Darüber hinaus hat Standard & Poor's vielleicht auch nicht ausreichend bewertet, was alle Länder in Europa, die betroffen sind von den Schwierigkeiten, schon an Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt haben.“

Zudem glaubt er nach eigenen Worten, dass es den Ratingagenturen vor allem auch um ein „hohes Maß an Werbung“ für sie selbst gehe. „Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen.“

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

16.01.2012, 08:52 Uhr

Wer die Euro-Krise verfolgt hat weiß, dass er auf die Worte von Herrn Schäuble nicht viel zu geben hat! Er hat uns doch immer nur belogen! "Griechenland wird die Bürgschaften wohl gar nicht in Anspruch nehmen, Schäuble 2010.", usw...

7Rings

16.01.2012, 09:44 Uhr

Schäuble gehört zu den Leuten, die Deutschland in einen Bundesstaat der Vereingten Staaten von Europa umwandeln wollen. Würden wir zur DM zurückkehren, hätten wir Forderungen gegen das EZB-System und die anderen Euro-Staaten von über 1000 Mrd. € (Quelle: Prof. Sinn). Diese Forderungen könnten nicht beglichen werden. Das heisst auf Deutsch: entweder spielen wir bis zum Ende mit oder unserer Einsatz ist weg. Dabei sollte der Euro keine Klassenlotterie sein, bei der es nur Nieten für Deutschland gibt, sondern uns ist versprochen worden, dass es das stabile Geld der europäischen Zukunft ist. Das Ende sieht aber anders aus. Es werden Eurobonds kommen, die Refinanzierung des eigenen Landes wird teuerer, die Forderungen gegen das System monatlich höher. Wenn dann der Crash kommt, sind die Politiker, die uns diese Suppe eingebrockt haben, über alle Berge. Warnungen, Klagen, Hinweise gab es aus aller Welt genug, nur man wollte sie nicht hören. Das Deutsche Volk, das die Kriegsschuld schon bezahlt hat, bezahlt nun noch einmal. Die Kosten der Wiedervereinigung waren dagegen ein Zuckerschlecken.

Beo

16.01.2012, 10:14 Uhr

Ja es gibt wohl kein Volk, dass sich so leicht absahnen lässt, wie die unterdrückte Deutsche Seele

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