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10.05.2017

12:32 Uhr

Bundesfinanzministerium

Immer mehr Deutsche zahlen den Spitzensteuersatz

VonMartin Greive

Die Einkommen sind in Deutschland deutlich gestiegen – doch die Steuertarife wurden kaum angepasst. Neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums zeigen jetzt: Bereits 3,9 Millionen Deutsche zahlen den Spitzensteuersatz.

Der deutsche Finanzminister kann sich über hohe Steuereinnahmen freuen – auch weil fast vier Millionen Deutsche den Spitzensteuersatz zahlen. Reuters

Schäubles Büro im Finanzministerium

Der deutsche Finanzminister kann sich über hohe Steuereinnahmen freuen – auch weil fast vier Millionen Deutsche den Spitzensteuersatz zahlen.

BerlinEs ist Wahlkampf. Und damit spielt die Steuerpolitik endlich wieder eine große Rolle. Union und SPD wollen die Bürger entlasten, versprechen sie. Dabei haben sie nicht nur die unteren und mittleren Einkommen im Auge. Auch der Spitzensteuersatz ist in der Diskussion. Denn den zahlen aus Sicht der Politik inzwischen zu viele Steuerzahler, die gut, aber nicht extrem viel verdienen.

Diesen Schluss legen auch neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums nahe. Unter Berücksichtigung der Zusammenveranlagung von Eheleuten zahlen fast 3,9 Millionen einkommensteuerpflichtige Personen den Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Selbst die Linke hält das für zu viel. „Derzeit fallen zu viele Steuerpflichtige unter den Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent“, sagt der finanzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Axel Troost. So ist die Zahl der Steuerpflichtigen, also ohne Berücksichtigung der gemeinsamen Veranlagung, seit 2004 von 1,2 auf 2,7 Millionen gestiegen.

Der deutsche Finanzminister kann sich über hohe Steuereinnahmen freuen – auch weil fast vier Millionen Deutsche den Spitzensteuersatz zahlen. dpa

Wolfgang Schäuble

Der deutsche Finanzminister kann sich über hohe Steuereinnahmen freuen – auch weil fast vier Millionen Deutsche den Spitzensteuersatz zahlen.

Der Grund: Weil die Einkommen deutlich gestiegen sind, die Steuertarife aber kaum angepasst wurden, müssen auch zunehmend Steuerpflichtige den Satz zahlen, die ordentlich, aber nicht spitze verdienen. Derzeit greift der Spitzensteuersatz für einen Single ab einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 54.058 Euro. Berücksichtigt man noch die steuerlichen Grundfreibeträge, muss ein Single ab einem Einkommen von rund 63.000 Euro brutto den Spitzensteuersatz zahlen. Insgesamt zahlen laut den Zahlen des Bundesfinanzministeriums damit rund 6,5 Prozent aller Steuerzahler den Spitzensteuersatz.

Viele Ökonomen und Unionspolitiker finden, das seien zu viele. So hatte bereits vor einigen Wochen eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), über die das Handelsblatt berichtet hatte, für Aufsehen gesorgt. Das IW Köln kam darin auf 4,2 Millionen Steuerpflichtige, die den Spitzensteuersatz zahlen.

Dass das Bundesfinanzministeriums auf 300.000 weniger kommt, ergibt sich aus unterschiedlichen Datengrundlagen, die jeweils herangezogen wurden. So hat das IW Köln Daten des Soziooekonomischen Panels (SOEP) verwendet, das Bundesfinanzministerium Daten, die das Fraunhofer Institut für das Ministerium erhebt. Zudem mussten beide Schätzungen für die aktuelle Zahl der Spitzensteuersatz-Zahler anstellen, da die offiziellen Statistiken immer einige Jahre hinterherhinken. „Das erklärt die unterschiedliche Ergebnisse“, teilt das Bundesfinanzministerium mit.

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Das Steuer- und Abgabenaufkommen kann und muss nicht sinken, aber umstrukturiert werden: Den Umweltverbrauch höher, die Arbeit niedriger belasten – der frühere Bundesfinanzminister fordert eine ökologische Finanzreform.

Häufig geht in der Steuerdebatte auch durcheinander, dass der Spitzensteuersatz von 42 Prozent nicht auf das gesamte Einkommen fällig wird, sondern nur auf den Verdienst, der über 54.058 Euro zu versteuerndem Einkommen liegt. Die Durchschnittssteuerbelastung in Deutschland liegt eher zwischen 20 und 25 Prozent, auch für Gutverdiener.

Aus Sicht der Linkspartei ist bei der Anwendung des Reichensteuersatzes von 45 Prozent „aber noch Luft nach oben für Mehreinnahmen, wenn über eine Tarifreform nachgedacht wird“, sagt Troost. Der Satz von 45 Prozent greift für Singles ab einem Einkommen von rund 256.000 Euro. „Alle politischen Parteien müssen für die kommende Legislatur Konzepte vorlegen, wie gerade für mittlere Einkommen eine spürbare Entlastung bei Steuer- und Sozialabgaben bewirkt werden kann“, fordert der Finanzwissenschaftler Frank Hechtner von der FU Berlin.

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Kommentare (9)

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Herr Clemens Keil

10.05.2017, 13:48 Uhr

Schäuble, die unmoralischste Instanz als Deutscher Finanzminister! Die Kanzlerin wußte schon, warum sie ihn uns nicht als Bundespräsident zugemutet hatte. Und das wiederholt!
Schäuble ist ein typischer Ankündigungsminister, ein Meister im Aussitzen und ein Beschützer derer, die schon viel haben. Man könnte ihn auch als falschen Fuffziger bezeichnen.
Insofern wird es Zeit, diesen alten, verbitterten , erbarmungswürdigen Mann, der auf seine alten Tage sich nicht zu schade ist, sich noch als Merkel-Putschist zu gerieren, endlich aufs Altenteil zu schicken. Ich hätte da ein paar Vorschläge für ihn:
https://youtu.be/TgAi7qkD8qg
Viel Spaß und neue Erkenntnisse!

Rainer von Horn

10.05.2017, 14:03 Uhr

Ich verstehe das nicht. Es wird doch immer gesagt, daß Deutschland ein reiches Land ist, daß dann am Ende quasi jeder Bürder den Spitzensteuersatz zahlen darf, um die Welt zu retten, sollte auf der Hand liegen.

Herr Alessandro Grande

10.05.2017, 14:18 Uhr

Lieber Herr Greive vom Handelsblatt!

Man muss das anders formulieren:

Im Vergleich wenige Idioten im Angestelltenverhältnis, wo ich selbst dazu gehöre zahlen den Spitzensteuersatz und zusammen mit den mittleren Einkommen im Arbeitnehmerbereich den Großteil der Steuern, die durch solche Nonperformer wie unsrere Kanzlerin vorsätzlich und fahrlässigst aus dem Fenster geschmissen werden.

Allein der Import von Millionen an Analphabeten und Kriminellen seit 2015 kostet unser Land all in locker 50 Mrd. EUR p.a., auf Dauer, dies ohne Mehrausgaben für Polizei und Bundeswehr. Das sind unglaubliche 1/6 des Bundeshaushaltes!!!

Wäre unsere Bananenrepublik ein effizientes Gebilde mit weniger Staatsquote und Bürokratismus, würden alle arbeiten oder für das Nichtstun weniger Geld bekommen und wir nicht sinnlosest die ganze Welt retten Dank einer Merkel, die offensichtlich von allen Sinnen ist und last but not least alle Einkommensarten adäquat besteuert und mit Rentenversicherungsbeiträgen versehen (inkl. Beamte), könnte es sich die BRD locker leisten, den Einkommensteuersatz für alle auf max. 20 Prozent zu begrenzen.

Aber dazu fehlt unseren korrupten wie dummen Klippschülern von Politikern das Hirn und der Mut, aus Angst vor einer kommenden Wahlpleite. Wissend, dass man als Nonperformer niergendwo in der freien Wirtschaft eine Anstellung fände.

Das ist doch die traurige Wahrheit!

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