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15.01.2010

11:36 Uhr

Bundesgeschäftsführer Bartsch

Mehr als zehn Jahre Führungsfunktion

Mit dem Rückzug von Dietmar Bartsch ist das Problem der Linken keinesfalls gelöst – Der Abgang des loyalen Parteisoldaten ist vielmehr erst der Anfang. Eine Biografie.

dpa

HB BERLIN. Es sagt viel über Dietmar Bartsch aus, dass er nach einem solchen öffentlichen Rüffel seinem Terminkalender treu bleibt und abends noch eine Veranstaltung bei der Parteibasis in Berlin- Hohenschönhausen besucht. „Der Dietmar“ ist hier Integrationsfigur und Garant für den hohen Zuspruch zur Linken. Fraktionschef Gregor Gysi hatte Bartsch am Montag Stunden zuvor öffentlich Illoyalität gegenüber Parteichef Oskar Lafontaine vorgeworfen, er habe Informationen an den „Spiegel“ weitergegeben.

Bartsch, der mit Unterbrechungen seit rund zehn Jahren als Parteimanager fungiert, sagt: „Ich lasse mir von niemandem Illoyalität vorwerfen. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man dem Bundesgeschäftsführer einer Partei vorhalten kann.“ In diesem Fall steht Aussage gegen Aussage.

Seinen am Freitag verkündeten Rückzug begründet Bartsch damit, dass es um die Politikfähigkeit der Partei gehe. Ganz Parteisoldat fordert er, Politik statt Personaldebatten müsste im Fokus stehen. Auf dem Parteitag Mitte Mai in Rostock will er nicht wieder kandidieren.

Bartsch' Verhältnis zum an Krebs erkrankten Parteichef Lafontaine galt schon lange als zerrüttet und spiegelt die Zerrissenheit der Partei zwischen Ost und West, zwischen Realpolitikern wie Bartsch und Extrempositionen vieler Westlinker wider. Der 51-Jährige steht wie kaum ein zweiter für die erfolgreiche Organisation der Fusion zur Partei Die Linke.

Bartsch setzt sich für einen Kurs ein, der der Linken auf lange Sicht mehr Regierungsbeteiligungen bringt. Sein Konflikt mit Lafontaine rührt auch daher, dass der Saarländer oft den radikalen Oppositionskurs bevorzugt. Der wortgewandte Bartsch zeigte sich besonders getroffen von der Kritik Gysis, einem Freund und langjährigen Weggefährten.

Seine Fähigkeit zum Managen stellte der gebürtige Stralsunder schon früh unter Beweis. Während des Studiums der politischen Ökonomie in Berlin organisiert er den Studentenfasching. „Ich hatte keine Parteikarriere im Sinn, aber die Wende von 1989 hat auch meine Pläne geändert“, sagt Bartsch über seinen weiteren Werdegang.

Ein Finanzskandal, der damals die SED-Nachfolgepartei PDS fast in den Abgrund gezogen hätte, brachte Bartsch in den Parteivorstand.

„Gregor Gysi gab mir kurze Bedenkzeit, und dann erklärte ich mich bereit, als Schatzmeister gemeinsam mit anderen die Vermögensfragen der Partei zu klären und die Erneuerung der Partei in Angriff zu nehmen.“ 1997 wird Bartsch, der in seiner Freizeit gerne Volleyball und Skat spielt, Bundesgeschäftsführer der PDS. 2002 muss er eine seiner schwersten Niederlagen einstecken. Bei der Bundestagswahl scheitert die PDS mit 4,0 Prozent. Er kandidiert nicht mehr für den Parteivorstand.

2005 dann wird er Bundesgeschäftsführer der Linkspartei.PDS, 2007 übernimmt er diese Funktion in der neuen Partei Die Linke. Besonders bei den ostdeutschen Landesverbänden und dem Co-Vorsitzenden Lothar Bisky genießt er großen Rückhalt. Bartsch selbst war überrascht, dass nach der Enttäuschung 2002 sich plötzlich doch noch die Chance für den demokratischen Sozialismus ergeben habe. So oder so: „Richtig war meine Entscheidung allemal“, sagt Bartsch mit Blick auf seine Polit- Karriere.

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