Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2014

05:00 Uhr

Bundesjustizminister Maas

Über 200 Verfahren gegen IS-Aktivisten in Deutschland

Die Ermittlungsverfahren gegen IS-Aktivisten in Deutschland nehmen laut Heiko Maas zu. In Düsseldorf sind für Samstag erneut Demonstrationen gegen die IS angekündigt. Die Lage in Kobane spitzt sich weiter zu.

Verschärfte Kontrollen: Polizisten in Hamburg. Am Samstag wollen Tausende Kurden in Düsseldorf demonstrieren. dpa

Verschärfte Kontrollen: Polizisten in Hamburg. Am Samstag wollen Tausende Kurden in Düsseldorf demonstrieren.

DüsseldorfDie Zahl der Ermittlungsverfahren in Deutschland gegen Kämpfer oder Unterstützer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) steigt. Es gebe in diesem Zusammenhang mittlerweile Verfahren gegen mehr als 200 Beschuldigte, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) "Spiegel Online". Im September lag die Zahl der Verfahren demnach noch bei 140.

Jüngsten Forderungen nach einer schnellen Verschärfung des Strafrechts erteilte der Minister aber eine Absage. "Purer Aktionismus stoppt keine Terroristen", warnte Maas. Die Bundesregierung prüfe zwar, ob im Strafrecht sinnvolle Veränderungen vorgenommen werden müssten. Das Problem sei allerdings nicht das deutsche Strafrecht. Die mehr als 200 Fälle zeigten, dass das Strafrecht bereits greife. Unionspolitiker hatten schärfere Gesetze gefordert, unter anderem um die Rückkehr von Islamisten aus den Reihen des IS nach Deutschland zu erschweren.

Unterdessen wollen Tausende Kurden am Samstagvormittag in Düsseldorf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) demonstrieren. Die Polizei erwartet bis zu 12 000 Teilnehmer.

Seit den schweren IS-Angriffen auf die von Kurden kontrollierte nordsyrische Stadt Kobane gab es in ganz Europa Proteste. Im Anschluss an Demonstrationen in Hamburg und Celle war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und vermutlich salafistischen IS-Sympathisanten gekommen. Die Polizei in Düsseldorf erwartet aber einen friedlichen Verlauf.

Die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten

Unterschiede in der Praxis

Für beide Glaubensgruppen ist der Koran das Wort Gottes. Die Unterschiede liegen in der theologischen Auslegung und der religiösen Praxis. Manche Differenzen sind marginal: So halten beispielsweise Schiiten ihre Hände beim Beten seitlich des Körpers, Sunniten hingegen kreuzen sie vor der Brust oder dem Bauch.

Verwandtschaft mit Mohammed

Entscheidender sind Fragen, die sich um die Interpretation der Lehre drehen. Die Schiiten argumentieren, dass nur ein Blutsverwandter auf Mohammed folgen kann und sehen daher in dessen Cousin und Schwiegersohn Ali und seinen Nachfahren die rechtmäßigen Erben des Propheten. Letztlich kommt der Begriff Schiiten von „Schiat Ali“ - Partei Alis. Die Sunniten hingegen bestehen nicht auf einer Blutsverwandtschaft. Sie ließen ihren Anführer nach Mohammeds Tod wählen und so huldigten sie in den Wirren des 7. Jahrhunderts zunächst den drei Kalifen Abu Bakr, Umar und Uthman, bevor Ali für einige Zeit die Macht errang. Die vier gelten nach sunnitischer Lehre als die vier Rechtgeleiteten Kalifen. Nach Alis Tod 661 errangen erneut die Sunniten die Oberhand und konnten ihre Macht für die folgenden Jahrhunderte in verschiedenen Herrscherdynastien festigen.

Die Rolle des Imam

Im Schiismus entwickelte sich daraufhin die Lehre der geistlichen Führerschaft des Imams, dem ein besonderes religiöses Wissen und Unfehlbarkeit zugesprochen werden, was die Sunniten ablehnen. Angefangen mit Ali gab es nach Mohammed zwölf Imame. Die meisten von ihnen wurden von Sunniten getötet und starben als Mätyrer. Der zwölfte indes starb nicht, sondern entschwand, um eines Tages als der Rechtgeleitete, der Messias, zurückzukehren und Gerechtigkeit zu üben.

Die Sunniten werfen den Schiiten vor, ein übersteigertes Bild von Ali zu pflegen und diesen auf eine Stufe mit Mohammed zu stellen. Genau betrachtet ist der Vorwurf falsch, denn die Schiiten sehen in Mohammed den letzten Propheten, was eine zentrale Lehre des Islams ist.

Vorwürfe

Die Sunniten werfen den Schiiten vor, ein übersteigertes Bild von Ali zu pflegen und diesen auf eine Stufe mit Mohammed zu stellen. Genau betrachtet ist der Vorwurf falsch, denn die Schiiten sehen in Mohammed den letzten Propheten, was eine zentrale Lehre des Islams ist.

Verbreitung

Heute wie damals sind die Sunniten in der Mehrheit. Schätzungen zufolge machen Sunniten zwischen 85 bis 90 Prozent der Muslime aus, Schiiten bis zu 15 Prozent. In Nahost leben und herrschen Schiiten vor allem im Iran, Irak und in Bahrain. Große Gemeinden gibt es zudem unter anderem in Syrien, Saudi-Arabien, Kuwait, im Libanon und Jemen.

Politische Auswirkungen

Die erbitterte Feindschaft von einst nährt noch heute Ressentiments und Streitigkeiten zwischen den Glaubensgemeinschaften. Selbst moderate Schiiten würden ihre Kinder wohl kaum nach den ersten drei Kalifen Abu Bakr, Umar und Uthman nennen. Politische Trennlinien in der arabischen Welt lassen sich entlang der Glaubenszugehörigkeit ablesen. Doch nur die überzeugtesten Hardliner setzen die theologischen Differenzen in Gewalt und Hass um, wie im Irak und Syrien, wo sunnitische Extremisten gegen schiitische Regierungen kämpfen.

Auch die von einem teils großen Polizeiaufgebot geschützten Freitagsgebete der Muslime verliefen friedlich. Der Zentralrat der Muslime und die Kurdische Gemeinde Deutschlands hatten zuvor zur Gewaltlosigkeit aufgerufen.

Generell befürchtet der Verfassungsschutz aber weitere Zusammenstöße. Abhängig von der Entwicklung in Syrien und im Irak könne es zu weiteren Auseinandersetzungen kommen, erklärte das Bundesamt für Verfassungsschutz. Der IS-Vormarsch in beiden Ländern führe zunehmend zu gewaltsamen Konflikten auch in Deutschland.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, forderte in der „Passauer Neue Presse“ (Samstag): „Die gewalttätigen Auseinandersetzungen der letzten Tage können nicht geduldet werden. Gegen dschihadistische Umtriebe bei uns müssen wir mit aller Härte des Rechtsstaats vorgehen.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Margrit Steer

15.10.2014, 14:27 Uhr

Und was sollen diese 200 Verfahren?
Das ist nur Zeit- und Geldverschwendung.
Denn unsere grün-linken Richter machen doch nur ein bißchen Du,DU, DU und dann kriegen die ein bißcnen Bewährung und gut ist es. Dann können sie weitermachen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×