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18.08.2016

16:36 Uhr

Bundesländer alarmiert

Pensionsfonds für Beamte leiden unter Mini-Renditen

Wegen anhaltender Niedrigzinsen werfen die Pensionsfonds der Bundesländer immer weniger Ertrag ab. Einige schichten in riskantere Anlagen um. Der Beamtenbund mahnt zu einer gesunden Balance zwischen Ertrag und Risiko.

Teilweise haben sich die Erträge der Fonds halbiert. dpa

Beamtenpensionen unter Druck

Teilweise haben sich die Erträge der Fonds halbiert.

BerlinDie von den Pensionsfonds der Bundesländer erwirtschafteten Renditen sind wegen der Magerzinsen am Kapitalmarkt drastisch eingebrochen. Teilweise hätten sich 2015 die Erträge der Fonds zum Vorjahr auf unter zwei Prozent halbiert, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag. Über die Fonds legen elf Bundesländer Geld am Markt an, um für ihre Beamtenpensionen vorzusorgen. Weil vergleichsweise sichere Papiere wie Staatsanleihen kaum noch Erträge abwerfen, schichten einige der Fonds in riskantere Aktien um. Der Deutsche Beamtenbund mahnt, dabei die Sicherheit der Geldanlagen nicht aus dem Auge zu verlieren.

Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt den Staat in eine paradoxe Lage: Einerseits profitieren der Bund und die Länder als Emittenten von Staatsanleihen von den niedrigen Zinsen. Andererseits bekommen sie aber wie normale Investoren kaum noch Renditen für ihre eigenen Geldanlagen. Dieses Problem verschärft sich, weil jedes Jahre alte – hoch verzinste – Anleihen auslaufen und ersetzt werden müssen.

Nach einer Umfrage der Zeitung unter den Bundesländern waren 2014 die Renditen der Versorgungsfonds aus Zinserträgen und anderen Einkünften wie Dividenden teilweise noch sehr gut. So habe das Plus in Sachsen-Anhalt damals noch 8,26 Prozent betragen, in Baden-Württemberg 7,55 Prozent. Ein Jahr später ging es dann steil bergab: In Baden-Württemberg auf 3,65 Prozent, in Sachsen-Anhalt auf nur noch 1,98 Prozent und in Nordrhein-Westfalen sogar auf lediglich 1,48 Prozent. Für 2016 sehe es noch düsterer aus, berichtete das Blatt. Sachsen-Anhalt zum Beispiel habe im ersten Halbjahr dieses Jahres gerade einmal 0,16 Prozent Ertrag verzeichnet.

So geht's der Wirtschaft in der Euro-Zone

Wirtschaftswachstum

Das Wirtschaftswachstum in Europa hat sich zur Jahresmitte abgeschwächt. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung in den 19 Ländern der Währungsunion lediglich um 0,3 zu, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 noch um 0,6 Prozent gestiegen war. In der gesamten Europäischen Union wuchs die Wirtschaft um 0,4 Prozent.

Analysten zufolge könnte das Brexit-Votum im Laufe des Jahres das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen.

Verbraucherpreise

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Europa ist im Juni stabil geblieben. Sie blieb im Juni mit 10,1 Prozent in der Eurozone und 8,6 Prozent in der gesamten Europäischen Union auf dem Niveau des Vormonats, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete demnach Griechenland nach letzten verfügbaren Angaben im April mit 23,3 Prozent. Dagegen lag die deutsche Erwerbslosigkeit nach den europäischen Berechnungen im Juni bei 4,2 Prozent.

Inflation

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Für die Länder spielen die Fonds als zusätzliche Vorsorge neben den Steuermitteln eine wichtige Rolle. Werfen ihre Anlagen kaum Rendite ab, müssen sie mehr Steuergeld in die Pensionen stecken. Dabei laufen auf die öffentlichen Haushalte wegen der demografischen Entwicklung gewaltige Kosten zu: Wegen der Überalterung scheidet in den kommenden zehn Jahren mehr als ein Viertel der 4,48 Millionen Beschäftigten aus dem öffentlichen Dienst aus, in den nächsten 20 Jahren sind es sogar 57 Prozent.

Um die Fondsrenditen zu erhöhen, schichten einige Länder ihre Anlagen verstärkt in Aktien um. Der Umfrage zufolge strebt etwa Baden-Württemberg an, den Aktienanteil von heute 40 Prozent auf 50 Prozent zu erhöhen. Der Chef des Deutschen Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt, zeigte dafür prinzipiell Verständnis. „Die Anlagestrategie muss sich der Entwicklung am Kapitalmarkt anpassen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Er mahnte aber, einerseits müsse eine verlässliche Rendite erwirtschaftet werden: „Andererseits muss das Vermögen so konservativ angelegt sein, dass sein Zweck nicht gefährdet wird.“

Langfristig seien die Versorgungsfonds aber der richtige Weg, um auch Kapitalerträge zu nutzen, sagte Dauderstädt: „Insofern fordern wir auch Niedersachsen, Berlin, Saarland, Schleswig-Holstein und Bremen auf, entsprechende Vorsorge zu betreiben.“ Diese fünf Länder verzichten bisher auf Versorgungsfonds.

Von

rtr

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