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15.09.2012

08:32 Uhr

Bundesländerranking

Was Deutschland von Schweinfurt lernen kann

VonBert Losse , Konrad Fischer
Quelle:WirtschaftsWoche

Der große Vergleich der Leistungskraft der deutschen Bundesländer sieht Bayern weit enteilt – der einzige ernstzunehmende Konkurrent, Baden-Württemberg, schwächelt. Auf der Suche nach dem ewig bayerischen Erfolg.

Die bayerische Flagge weht vor der Staatskanzlei in München (Oberbayern). dpa

Die bayerische Flagge weht vor der Staatskanzlei in München (Oberbayern).

Es wäre der perfekte Moment gewesen, sich dem Jubel der Massen hinzugeben, einmal den Volkstribun zu spielen. Im Herbst 1993 kommt der damalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nach Schweinfurt, die Stadt liegt am Boden. Die Arbeitslosigkeit kratzt an der Marke von 20 Prozent, westdeutscher Höchstwert. Innerhalb eines Jahres sind 10.000 Stellen verloren gegangen, in einer Stadt von 50.000 Einwohnern. Die drei großen Arbeitgeber der Stadt, die Wälzlagerhersteller SKF, FAG und Sachs, befinden sich allesamt in existenziellen Krisen, bei FAG scheint der Konkurs kaum noch abwendbar.

Den ganzen Sommer über hat die IG Metall Tausende Arbeiter auf die Straßen getrieben, mal bilden sie eine Fackelkette von den Fabriken zum Arbeitsamt, mal pusten Zehntausende in die Trillerpfeifen, die Kirchenglocken schlagen dazu den mahnenden Takt.

Doch Stoiber widersteht der Versuchung. Statt Millionenbürgschaften für die maroden Unternehmen bringt er ein vages Versprechen: Bayern werde Schweinfurt unterstützen, es zum Beispiel für den Strukturwandel stark machen. Als Sofortmaßnahme soll eine Abteilung des Landessozialgerichts an den Main verlagert werden, mit 50 Arbeitsplätzen. Die Trillerpfeifen werden lauter.

19 Jahre später kann sich Stoibers Erbe Horst Seehofer im wirtschaftspolitischen Erfolg sonnen, der seinen Ursprung auch in dieser Art von Zurückhaltung hat. Sollte er die Landtagswahl im kommenden Jahr gewinnen, wird das daran liegen, dass es den Menschen im Freistaat einfach zu gut geht, um nach Veränderung zu rufen. Schweinfurt ist heute nicht mehr nur Inbegriff einer der letzten schweren Wirtschaftskrisen in Bayern, sondern auch Symbol des viel beneideten Erfolgs: Heute zählt die Region sogar mehr Arbeitsplätze als vor der großen Krise. Bayern zeigt hier, dass es nicht nur die Erfolgswelle zu reiten versteht, sondern auch den Strukturwandel managen kann.

Bayern hat Baden-Württemberg zum wiederholten Male in den Schatten gestellt.

Das zeigt sich eindrucksvoll im aktuellen Bundesländer-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), erstellt im Auftrag der WirtschaftsWoche und der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Im zehnten Jahr landet Bayern dabei zum neunten Mal auf dem ersten Platz.

Im Gegensatz zum ebenfalls erfolgsverwöhnten Nachbarn Baden-Württemberg baut Bayern zudem seinen Vorsprung an der Spitze aus: Lagen die beiden Länder beim letzten Niveau-Vergleich vor der Finanzkrise 2009 – auf Basis der Daten von 2008 – nur 0,6 Punkte auseinander, sind es im aktuellen Ranking deutliche 3,6 Punkte. Während Bayern (65,8 Punkte) damit immer unangefochtener an der Spitze liegt, bekommt Baden-Württemberg (62,2) zunehmend Konkurrenz. Hamburg liegt nur noch 0,4 Punkte zurück. Auf den hintersten Rängen im Niveau-Vergleich finden sich nach wie vor viele ostdeutsche Bundesländer, doch die Sphären nähern sich an: Mit Sachsen und Thüringen konnten zwei Ostländer an Bremen vorbeiziehen.

Die Ursachen zeigen sich im Dynamik-Ranking. Während beim Niveau die jüngsten verfügbaren Werte der Bundesländer in den einzelnen Kategorien verglichen werden, bildet der Dynamik-Vergleich die Entwicklung innerhalb von drei Jahren ab. Diesmal wird hier also verglichen, wie sich die Bundesländer zwischen Vorkrisenniveau (2008) und dem jüngsten Wirtschaftsboom (2011) verändert haben. Dabei landen Brandenburg, Sachsen und Berlin auf den ersten drei Plätzen, während Sachsen-Anhalt (Platz 7) sogar vom westlichen Nachbarn Niedersachsen überholt wird.

Kommentare (33)

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Bruddler

15.09.2012, 09:40 Uhr

Der Niedergang Baden-Württembergs wird sich fortsetzen solange Grün-Rot an der Regierung sind ;(

Account gelöscht!

15.09.2012, 09:43 Uhr

Der Niedergang Baden-Württembergs wird sich fortsetzen solange Grün-Rot am Ruder ist....

Account gelöscht!

15.09.2012, 09:51 Uhr

60 Jahre CSU-Regierung zeigen halt auf, was für schlechte Arbeit rot-grüne Regierungen zustande bringen.
Überall wo der Sozi-Mob regiert, geht alles vor die Hunde, ist schon fast ein Naturgesetz.

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