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04.05.2012

11:46 Uhr

Bundesnetzagentur

Deutschland verschläft Energiewende

Der Ausbau des Stromnetzes läuft kaum nach. Die Bundesnetzagentur warnt vor Ausfällen, die Netzbetreiber müssten immer häufiger eingreifen. Zudem sind von wichtigen Leitungen 2011 viel zu wenige in Betrieb gegangen.

Der Ausbau der Stromnetze kommt kaum voran. dapd

Der Ausbau der Stromnetze kommt kaum voran.

BonnRund ein Jahr nach der Atomwende hat die Bundesnetzagentur erneut vor Engpässen in der Stromversorgung gewarnt. Der neue Präsident der Behörde, Jochen Homann, kündigte in Bonn für die kommende Woche einen Bericht zur Netzsituation und zur Lage auf den Strom- und Gasmärkten im vergangenen Winter an. „Die zentrale Botschaft wird lauten: Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung“, sage Homann. Zwischen Dezember 2011 und März 2012 sei allein dreimal auf die sogenannte Kaltreserve zurückgegriffen worden. Dabei handelt es sich um ältere Kraftwerke, die seit der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke bei Engpässen aktiviert werden. „Auch die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in Netze und Erzeugung hat deutlich zugenommen“, fügte Homann dazu.

Er forderte, den Netzausbau schneller voranzutreiben. So habe es bei wichtigen Projekten erneute Verzögerungen um ein oder zwei Jahre gegeben. „Für die Energiewende ist dies eine Besorgnis erregende Nachricht.“ Alle Beteiligten - Netzbetreiber und Planungsbehörden der Länder - sollten ihre Anstrengungen erhöhen und weitere Verzögerungen vermeiden.

Aus dem Jahresbericht 2011 der Netzagentur geht hervor, dass der Ausbau der Netze nur schleppend verläuft. Das gilt selbst bei Leitungen, die per Gesetz Priorität genießen. Diese haben eine Gesamtlänge von 1.834 Kilometern, bislang seien erst 214 Kilometer realisiert worden, heißt es im Bericht. Weniger als 100 Kilometer davon seien auch tatsächlich in Betrieb genommen worden.

Bei den restlichen Vorhaben hätten „die Fahrpläne teilweise erneut um ein oder gar zwei Jahre nach hinten korrigiert werden“ müssen, klagte der neue Behördenchef Jochen Homann. Der Ausbau der deutschen Hoch- und Höchstspannungsnetze gilt als Schlüsselelement der Energiewende.

Kommentare (1)

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vandale

04.05.2012, 11:52 Uhr

Es wäre in der Tat besser die Energiewende nach den visionären Vorstellungen von BUND und Co., sofortige Abschaltung der Kerkraftwerke und Kohlekraftwerke, zu vollziehen. Dann könnte der Wähler sehr schnell entscheiden ob er eine ökoreligiöse Glückseligkeit, verbunden mit einer materiellen Bescheidenheit analog Nordkoreas, oder lieber Strom und industrielle Arbeitsplätze bevorzugt.

Technisch gesehen sind Stromnetze sehr komplex und so erfordert der Aufbau eines Stromnetzes bereits in Ländern ohne administrative Hemmnisse Jahrzehnte. In Ländern mit langwierigen Bewilligungsverfahren dauert dies noch länger.

Das Deutsche Stromnetz war/ist technisch in einem sehr gutem Zustand allerdings auf moderne Energieerzeugungsverfahren, wie Kohle und Kernenergie ausgelegt.

Die auf ökoreligiösen Visisonen basierenden "Erneuerbaren Energien" stellen gänzlich andere Anforderungen. Es gibt keine grossen Einspeiser und kleinen Verbraucher, sondern es werden an den verschiedensten Orten zu willkürlichen Zeiten kleine Strommengen eingespeist. Die Leitungen müssen auf ein zig-faches des durchschnittlichen Verbrauchs hin ausgelegt werden als z.B. Solarzellen zwischen 0 und 100%, im Schnitt 8% der Nennleistung einspeisen. Fossile Schattenkraftwerke leisten einen grossen Teil der Erzeugung.

Dann gibt es noch die Herausforderung, dass Solarzellen etc. nicht zur kurzfristigen Netzstabilität beitragen. Auch hier muss das Netz aufgerüstet werden.

Insgesamt ist die Umsetzung religiöser Visionen in der Stromerzeugung und Verteilung sehr herausfordernd.

Vandale

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