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08.04.2015

10:02 Uhr

Bundespolizei

Rekord bei illegalen Einreisen nach Deutschland

Die Krisen und Konflikte in der Welt lassen die Zahl der Asylsuchenden rasant steigen. Viele reisen illegal ein. In Deutschland hat die Zahl den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht.

Fast 30.000 Fälle unerlaubter Einreisen sind laut Bundespolizei im vergangenen Jahr bereits im Transit- oder Herkunftsstaat verhindert worden. dpa

Illegale Einreise

Fast 30.000 Fälle unerlaubter Einreisen sind laut Bundespolizei im vergangenen Jahr bereits im Transit- oder Herkunftsstaat verhindert worden.

PotsdamSchleusungen und unerlaubte Einreisen von Flüchtlingen haben in Deutschland weiter zugenommen und ein Rekordniveau erreicht. Allein die Bundespolizei registrierte 2014 mehr als 57 000 Fälle. „Das ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung“, sagte Präsident Dieter Romann der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Im Vergleich zu 2013 sei dies eine Steigerung von 75 Prozent. Zudem seien 2014 durch die Bundespolizei knapp 27 000 Menschen erfasst worden, die sich unerlaubt im Land aufhielten - ein Plus von 40 Prozent.

Die meisten der illegal Eingereisten kämen über die Ländergrenzen zu Österreich und Frankreich. „An den Südgrenzen hat sich die Anzahl mehr als verdreifacht, an den Westgrenzen verdoppelt“, schilderte der Behördenleiter. Die Bundespolizei nahm 2014 mehr als 2100 Schleuser fest. Auch dies waren deutlich mehr als im Jahr zuvor (2013: 1535 Schleuser). Die grenzpolizeilich relevantesten Herkunftsstaaten seien Syrien, Eritrea, Afghanistan, Kosovo, Serbien sowie Somalia.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Fast 30.000 unerlaubte Einreisen seien im vergangenen Jahr bereits im Transit- oder Herkunftsstaat durch die Bundespolizei verhindert worden, berichtete Romann. „Dies ist eine erstklassige Arbeit von 40 Dokumenten- und Visumberatern, die auf ausländischen Flughäfen und an deutschen Auslandsvertretungen tätig sind.“

Er will diesen Bereich im laufenden Jahr auf 50 Mitarbeiter aufstocken. „Damit wird das Gesamtsystem in Deutschland entlastet.“ Neueinstellungen für diesen Bereich seien nicht geplant, die Mitarbeiter kämen aus anderen Bereichen der Behörde.

Um illegale Einreisen zu verhindern, hat die Bundespolizei zudem die Zusammenarbeit mit Behörden im europäischen Ausland verstärkt: So gibt es trinationale Streifen mit italienischen, österreichischen und Bundespolizeibeamten im grenzüberschreitenden Zugverkehr mit Blick auf die mediterrane Schleusungsrouten. Die Balkan-Route wird ebenfalls durch trinationale Zugstreifen mit ungarischen, österreichischen und Bundespolizeibeamten kontrolliert.

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„Zudem unterstützen Bundespolizisten ihre serbischen Kollegen bei der Ausreisekontrolle nach Ungarn als Reaktion auf den Zustrom kosovarischer Staatsangehöriger, deren Asylantragstellung in Deutschland ohnehin aussichtslos ist“, so Romann weiter. Aus seiner Sicht ist dies - gemeinsam mit einer Verfahrensbeschleunigung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und einer konsequenten Rückführung kosovarischer Staatsangehöriger - effektiv.

„Die illegale Migration ist neben dem internationalen islamistischen Terrorismus derzeit die größte Herausforderung für die Bundespolizei“, sagte Romann. „Unsere Beamten arbeiten bis an die Belastungsgrenze.“ Täglich würden zwischen 200 und 300 Identitätsfeststellungen von illegal Eingereisten vorgenommen - „und dabei haben unsere Beamten immer das menschliche Schicksal im Blick“.

Romann erneuerte seine Kritik an der Flüchtlingspolitik: „Unter den derzeitigen europarechtlichen Vorgaben erscheint mir eine Steuerung der Zuwanderung zunehmend schwierig.“


Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Peter Spiegel

08.04.2015, 11:02 Uhr

derzeitigen europarechtlichen Vorgaben erscheint mir eine Steuerung der Zuwanderung zunehmend schwierig."

Die EU ist also schuld. Lachhaft ,diese Lügen glaubt doch nicht mal Hein Blöd.

Frau Dorothea Schmitz

08.04.2015, 12:30 Uhr

Es würde uns Bürgern/Steuerzahlern viele Befürchtungen/Ängste nehmen, wenn vonseiten der Politik klar kommuniziert würde, wie man mit den Hunderttausenden illegalen Einreisenden/Eingereisten und Schleusern, die jedes Jahr eintreffen, verfährt. Man sieht und liest immer wieder, dass diese Leute in die Asylantenheime kommen bzw. Wohnungen erhalten. Und dass niemand "zurückgeführt" wird.

DAS scheint auch das Problem vieler Bürger zu sein: niemand hat was gegen wirkliche Kriegsopfer. Aber wir alle wissen, dass auch unser überaus großzügiges Land nicht jedes Jahr eine weitere Million an Dauer-Hartz-IV-Empfängern, möglichen Kriminellen und nicht Integrierbaren aufnehmen kann. Wir Bürger sehen die Folgen dieser Zuwanderung - im Gegensatz zu den Politikern - sehr realistisch.
Es zeugt von großer Dummheit der Politiker und Medien, die besorgten Bürger einfach zu verdammen und in die rechte Ecke zu stellen.

Frau Margrit Steer

08.04.2015, 18:12 Uhr

So dürft Ihr aber nicht reden.
Diese Illegalen wissen doch, dass in Deutschland ein große Willkommenskultur herrscht und deswegen kommen sie.
Ich habe leider, leider das ungute Gefühl, dass es bei uns bald gewaltig kracht, wenn die Politik so weitermacht

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