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04.06.2016

16:02 Uhr

Bundespräsident gesundheitlich angeschlagen

Gauck erwägt Verzicht auf eine zweite Amtszeit

Bundespräsident Gauck soll sich entschlossen haben, nicht mehr anzutreten – trotz Chancen auf die Wiederwahl. Überraschend käme das nicht. Die Nachfolge-Suche wird schwierig – die Parteien wollen Allianzen vermeiden.

besteigt in China einen Regierungsflieger zum Rückflug nach Deutschland. Nach Medieninformationen hat er sich jetzt entschlossen, auf eine zweite Amtszeit zu verzichten. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck

besteigt in China einen Regierungsflieger zum Rückflug nach Deutschland. Nach Medieninformationen hat er sich jetzt entschlossen, auf eine zweite Amtszeit zu verzichten.

BerlinDie Berichte über einen Verzicht von Bundespräsident Joachim Gauck auf eine zweite Amtszeit haben eine Nachfolge-Debatte ins Rollen gebracht. Angesichts der Bundestagswahl 2017 zeichnet sich eine komplizierte Kandidatensuche für die Kür des Staatsoberhaupts im kommenden Februar ab.

Die Union will nach „Spiegel“-Informationen einen eigenen Kandidaten nominieren, falls Gauck (76) tatsächlich nicht mehr antritt. Aus der SPD und den Linken kamen am Samstag erste Forderungen, angesichts aussichtsreicher Verhältnisse in der Bundesversammlung einen rot-rot-grünen Bewerber dagegen zu stellen.

Nach einem „Bild“-Bericht hat sich Gauck entschieden, nicht mehr anzutreten. Wie das Blatt unter Berufung auf „politische Kreise“ in Berlin berichtete, will er am Montagabend mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Abendessen unter vier Augen im Amtssitz Schloss Bellevue seine Beweggründe ausführlich erläutern. Am Dienstag wolle er die Entscheidung der Öffentlichkeit bekannt geben.

Zu Gaucks Gründen für einen Verzicht zählen laut „Bild“ sein Alter und gesundheitliche Beschwerden. Seine Sprecherin sagte am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur, das Präsidialamt bleibe bei seiner Linie, zu Berichten dieser Art nicht Stellung zu nehmen.

„Der Spiegel“ schreibt, kurz vor der Bundestagswahl im Herbst 2017 könnten CDU/CSU aus taktischen Gründen weder einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten mit der SPD noch mit den Grünen präsentieren. Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel sei sich dieser Erwartung ihrer Partei an sie bewusst, berichtete das Magazin unter Verweis auf Stimmen aus ihrem Umfeld.

Als aussichtsreicher Bewerber aus der Union gelte Bundestagspräsident Norbert Lammert, der CDU-Politiker würde von der Fraktionsspitze mitgetragen und könnte auch mit CSU-Unterstützung rechnen. Lammert selbst betonte am Samstag am Rande einer Benefizveranstaltung in Bochum, Gauck habe sich „noch gar nicht erklärt“. Er gehöre „zu denjenigen, die auch öffentlich erklärt haben, dass ich mir sehr wünschen würde, dass er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht“. Spekulationen seien „erstens unnötig und zweitens auch respektlos. Ich werde mich daran sicher nicht beteiligen.“

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