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02.02.2012

03:17 Uhr

Bundespräsident

Staatsanwalt prüft Wulffs Vorserienmodell

Durfte das Ehepaar Wulff ein Auto-Vorserienmodell möglicherweise kostenlos fahren, bevor der Wagen zu kaufen war? Laut Medienberichten prüft die Staatsanwaltschaft Berlin den Fall.

Bundespräsident Wulff könnte sich der Vorteilsnahme schuldig gemacht haben dpa

Bundespräsident Wulff könnte sich der Vorteilsnahme schuldig gemacht haben

Berlin Der Privatwagen von Bundespräsident Christian Wulff und seiner Frau Bettina ist zum Fall für die Staatsanwaltschaft geworden. Die Ermittlungsbehörde in Berlin prüft nach Zeitungsberichten, ob sich Wulff der Vorteilsnahme schuldig gemacht haben könnte. „Es findet bei uns im Hause eine Vorprüfung statt, ob strafbares Verhalten vorliegt“, sagte Oberstaatsanwältin Simone Herbeth der „Berliner Zeitung“ und der „Frankfurter Rundschau“. Es gehe dabei um einen Audi Q3, der von den Wulffs genutzt wurde.

Der Wagen hatte schon Mitte Januar für Wirbel gesorgt, weil Bettina Wulff ihn zu sehr günstigen Leasing-Konditionen bekommen haben soll, was der Anwalt des Bundespräsidenten seinerzeit bestritt. Den neuen Zeitungsberichten zufolge durfte das Ehepaar Wulff den Wagen schon ab Sommer 2011 offenbar kostenlos fahren - Monate bevor das Modell überhaupt zu kaufen war.

Die Lieferung sei von der Spitze der Audi AG veranlasst und der sonst noch nirgends erhältliche Wagen dem Ehepaar Wulff als „Vorserienmodell“ zu Promotion-Zwecken zur Verfügung gestellt worden. Wulff-Anwalt Gernot Lehr hatte Mitte Januar lediglich erklärt, der von Bettina Wulff bestellte Q 3 werde erst Mitte dieses Jahres ausgeliefert. Deshalb habe Audi ihr am 22. Dezember „einen Wagen gleichen Fahrzeugtyps gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale aus dem eigenen Fahrzeugpark zur Verfügung gestellt“.

Der Bundespräsident habe den Autohändler „ausdrücklich“ aufgefordert, „den ganz normalen Tarif“ zu nehmen, und keine „Sonderbehandlung“ gewünscht, sagte Lehr seinerzeit. Für die Anmietung zahle Frau Wulff monatlich 850 Euro. Es habe keinen „Prominentenrabatt“ gegeben. Dass dem Präsidentenpaar schon Monate vorher ein Fahrzeug gleichen Typs zur Verfügung gestellt worden sein soll, wie die Zeitungen jetzt schreiben, sagte der Anwalt seinerzeit nicht.

Audi gehört zum Volkswagen-Konzern. In dessen Aufsichtsrat vertrat Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident das Land Niedersachsen, das Großaktionär des Wolfsburger Autokonzerns ist.

Auch die Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit fallen in der politischen Debatte über die Affäre auf Wulff zurück. Es geht um Glaesekers Kontakte zu dem umstrittenen Partymanager Manfred Schmidt und zu Urlauben bei ihm. Das Präsidialamt wartet nach eigenen Angaben bis heute auf eine Stellungnahme Glaesekers zu den Vorwürfen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte dem „Mannheimer Morgen“, es sei ganz offensichtlich, dass die niedersächsische CDU und Wulff eine „Brandmauer“ zu Glaeseker ziehen wollten. „Das ist wenig glaubwürdig. Herr Wulff hat immer deutlich gemacht, mit seinem Sprecher auf das Engste politisch und persönlich verbunden zu sein. Da wirkt seine plötzliche Überraschung über Glaesekers Aktivitäten gekünstelt.“

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

02.02.2012, 05:09 Uhr

...ach ja, jetzt mal wieder rechts herum... ;-)

Koboldo

02.02.2012, 05:55 Uhr

Man könnte den Eindruck gewinnen, Wulff hat keine Gelegenheit ausgelassen, Vorteile jedweder Art billigend in Kauf genommen zu haben... Der Beifall unserer von Egomanen durchsetzten Gesellschaft ist im gewiss!

merkel

02.02.2012, 06:02 Uhr

Es ist schon unglaublich, WAS in Deutschland alles möglich ist: Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Für 10 von 1000000 Menschen! Und es wird weiter gemerkelt.

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