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13.01.2012

11:02 Uhr

Bundespräsident unter Feuer

Politiker von CDU und FDP trommeln für Wulff-Rückzug

In CDU und FDP gärt es. Das Krisenmanagement des Bundespräsidenten stößt vielen bitter auf. Die Zweifel, ob sich Wulff im Amt halten kann, wachsen. Und es mehren sich die Forderungen nach seinem Rücktritt.

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Berlin/DüsseldorfChristian Wulff ist nur noch ein Bundespräsident auf Abruf. Darauf deuten zumindest diverse Kommentare von CDU- und FDP-Politikern hin. Bei vielen stößt das Krisenmanagement Wulffs zunehmend auf Unverständnis. Nun hat ihn ein weiterer CDU-Bundestagsabgeordneter zum Rücktritt aufgefordert. „Aufgrund der unwürdigen Diskussion der vergangenen Wochen müssen Konsequenzen gezogen werden“, sagte der Brandenburger Parlamentarier Hans-Georg von der Marwitz dem „Tagesspiegel“.

Ähnlich hatte sich zuvor der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann geäußert. „Mein persönlicher Rat an ihn (Wulff) wäre, dass er sich das nicht länger zumutet, sich, seiner Familie und dem Amt“, sagte Wellmann im ZDF. Ein Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende.

Vier goldene Regeln im Umgang mit Affären

Rasch reagieren

„Man muss schnell reagieren, um handlungsfähig zu bleiben. Eine Salamitaktik, das scheibchenweise Einräumen von Fehlern, hat noch nie funktioniert", sagt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er forscht zu Medienskandalen und Medienethik.

Medienwandel begreifen

Der Professor sagt auch: „Die Salamitaktik funktioniert ganz besonders schlecht unter den gegenwärtigen Bedingungen digitaler Kommunikation, denn bei einem möglichen, eventuell dann wieder fehlerhaften Teilgeständnis ist der Gegenbeweis blitzschnell sichtbar.“

Maximale Transparenz

Ein weiterer Tipp des Experten: „Man muss die Vorfälle schonungslos aufklären und dann mit einer möglichst ernsten, überzeugenden Geste um Verzeihung bitten.“

Image und Inhalt

Ebenfalls sei die Übereinstimmung von Institution und Inhalt laut dem Medienexperten Pörksen sehr wichtig: „Die Art und Weise des Skandalmanagements darf dem eigenen Image und vor allem dem Repräsentationskorsett des Amts, das man ausübt, nicht widersprechen."

Auch in der FDP wächst der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff. Das FDP-Europaabgeordneter Michael Theurer plädierte indirekt für den Rückzug Wulffs. „Viele Menschen in Deutschland wünschen sich einen Bundespräsidenten, der ein Bürgerpräsident ist, vielleicht jemanden, der nicht aus dem politischen Establishment kommt“, sagte er Handelsblatt Online mit Blick auf die in Medienberichten genannten möglichen Wulff-Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Thomas de Maizière (CDU). „Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Deutschland auch deshalb soviel Glück mit Theodor Heuß, weil er in der Tat weniger Präsident als mehr erster Bürger der jungen Republik war“, so Theurer.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder wies jedoch umgehend die Spekulationen über mögliche Nachfolger Wulff zurück. „Das ist Quatsch, der sich nicht toppen lässt“, sagte Kauder den „Kieler Nachrichten“. Kauder stellte sich ausdrücklich hinter Wulff: „Der Bundespräsident genießt mein Vertrauen. Es kann keine Rede davon sein, dass die Stimmung in der Fraktion kippt“, sagte er zu Äußerungen des CDU-Abgeordneten Wellmann. „Der Bundespräsident hat das Notwendige gesagt. Das sollte jetzt akzeptiert werden.“

Allerdings verliert Wulff wohl nach Aussage des FDP-Politikers Theurer inzwischen auch immer deutlicher bei den Liberalen an Rückhalt. „Es mehren sich die Stimmen in der FDP, die zutiefst bereuen, nicht für Joachim Gauck gestimmt zu haben, der wie kein anderer für die friedliche Bürgerrevolution in der ehemaligen DDR steht und damit für die Wiedervereinigung Deutschlands“, sagte Theurer.

Kommentare (26)

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hartmut.w.gloeckner

12.01.2012, 15:35 Uhr

...mit all diesen Anfeindungen kann ein Politiker vielleicht leben, aber ein neutraler, von der Gemeinschaft getragener Repräsentant ist nur noch durch eine Abdankung "würdevoll"-

Account gelöscht!

12.01.2012, 15:55 Uhr

Ja, Wulff muß weg, er hat sich durch viele Äußerungen mittlerweile sebst derart diskreditiert, dass er nur noch blamabel ist.
Sein s tändige "ich bleibe im Amt" ist wie die Reaktion eines trotzigen Kindes
Ich vermisse mittlerweile jedes Gespür bei ihm, dass der Anstand es gebietet, endlich den Schlußstrich zu ziehen

lowabras

12.01.2012, 16:10 Uhr

Na ja, wenn sich Kauder und Murksel hinter Wulff stellen, dann bedeuetet das doch, dass sie sich eine günstige Position ausgesucht haben, ihn in den A...h zu treten bei nächster Gelegenheit!

So Skeptisch man auch sein muss über die Hinterggründe dieser Kampagne, doch das Verhalten von Wulff ist diesem Amt absolut nicht angemessen und das ist der Grund, weshalb, wenn er auch nur ein wenig Ehrenhaftigkeit besäße, er schon lange hätte die Konsequenzen ziehen müssen!

Und natürlich sollte ein BP nicht aus dem Parteiendschungel kommen. Weil jemandem, der sich durch die Partei nach oben dienen musste, jegliches Rückgrat abhanden gekommen ist!

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