Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2012

18:48 Uhr

Bundesregierung

Offshore-Strategie droht zu scheitern

VonKlaus Stratmann

Der Plan der Bundesregierung ist ambitioniert: Bis 2020 sollen 10.000 Megawatt mit Offshore-Windkraftwerken produziert werden. Doch aktuelle Daten von Trendresearch nähren Zweifel an den Ausbauzielen.

Offshore-Windkraftparks sollen in Zukunft mehr zum Energiemix beitragen. AFP

Offshore-Windkraftparks sollen in Zukunft mehr zum Energiemix beitragen.

DüsseldorfDie Bundesregierung muss sich auf ein Scheitern ihrer Pläne zum Ausbau der Offshore-Windkraft einrichten. „Die Ziele sind unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht erreichbar“, sagte Dirk Briese, Geschäftsführer von Trendresearch, dem Handelsblatt. Das unabhängige Beratungsunternehmen, zu dessen Schwerpunkten energiewirtschaftliche Themen zählen, erfasst laufend den Status sämtlicher Offshore-Windkraftprojekte in Nord- und Ostsee und erstellt daraus projektgenaue Prognosen für den Fortgang des Ausbaus. Laut Briese erweisen sich demnach „alle bisherigen Prognosen der Branche als zu optimistisch“. Im ungünstigsten Fall würden bis 2020 statt der geplanten 10.000 Megawatt (MW) nur 4.000 MW installiert. 

Ohne eine stark wachsende Stromproduktion in Nord- und Ostsee sind die Ziele der Energiewende nicht erreichbar. Die von der Bundesregierung bis 2020 angestrebten Offshore-Windkraftanlagen mit 10 000 MW stellen nur den ersten Schritt dar. Bis 2030 sollen vor den deutschen Küsten bereits Windräder mit einer Leistung von 25 000 Megawatt (MW) installiert sein. Das entspricht der installierten Leistung von 25 großen Kohlekraftwerken. Tatsächlich fertiggestellt sind erst 150 MW. 

Die Politik hat den Investoren hohe Hürden gesetzt: Aus Gründen des Umweltschutzes müssen die Windparks in Deutschland bis zu 100 Kilometer von den Küsten entfernt gebaut werden, dort ist das Meer bis zu 40 Meter tief. Die Gründungsarbeiten sind daher besonders aufwendig, die Kabelverbindungen zum Festland sehr teuer. Das treibt die Kosten in die Höhe. In Ländern wie Dänemark oder Großbritannien drehen sich die Anlagen dagegen oft in Sichtweite der Küsten. Die Installation ist technisch weniger anspruchsvoll – und billiger. Der Ausbau der Offshore-Windkraft ist in diesen Ländern schon wesentlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. 

Die Situation in Deutschland stellt die Akteure vor große Probleme. Insbesondere die Kabelverbindung zum Festland erweist sich als Herausforderung - in technischer und finanzieller Hinsicht. Der für den Netzanschluss der Windparks in der Nordsee zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet räumt ein, finanziell überfordert zu sein. Hier sieht Briese die Hauptursache für die Probleme. Bis 2016 würde noch Anlagen errichtet, danach aber nur noch wenige Projekte realisiert, da Tennets Zusagen für einen Netzanschluss nur bis 2016 reichten. Bei den Windparks selbst rechnet Trendresearch ebenfalls mit Problemen bei der Finanzierung, aber auch mit technischen Schwierigkeiten.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

gerhard

27.04.2012, 21:38 Uhr

Die Situation in Deutschland stellt die Akteure vor große Probleme. Insbesondere die Kabelverbindung zum Festland erweist sich als Herausforderung - in technischer und finanzieller Hinsicht (Zitat)
Die vorschnelle Abschaltung der Atomkraftwerke erweist sich ziemlich schnell als ein schwerwiegender Fehler. Das Resultat ist bereits zu ermessen, dass man nun auf Teufel komm raus „Kohlekraftwerke“ wird installieren müssen. Die Solarenergie ist in unseren Breiten ja auch nur ein Flopp ist, was die Grundversorgung der Energieversorgung einer ganzen Industrie betrifft. Erst rechnen dann schalten, kann man da nur sagen. Auch mit Politik allein wird es nicht klappen, eine ausgewogene Energieversorgung in naher oder auch ferner Zukunft aus dem Zauberhut mal eben zu zaubern.

spacewalker

28.04.2012, 11:22 Uhr

Wenn wir erlauben, daß politische Entscheidungen mehr und mehr durch Sentimentalität und Emotionen, anstatt durch Verstand und Wissenschaft bestimmt werden; dann werden wir eines Tages aufwachen und feststellen, daß die Karre bis zu den Achsen im Dreck steckt. Es ist erschreckend zu sehen, wie die Irrationalität in der Politik an Einfluß gewinnt. Am deutschen Wesen wird die Welt nicht genesen, aber wir werden mächtig auf die Nase fallen!

MatthiasHoll

01.05.2012, 00:33 Uhr

Frau Merkel sollte mangels eigenen Sachverstands der Regierung erneut eine Ethik-Kommission berufen, die darüber beraten könnte, wie ethisch es denn ist, die Bürger unseres Staats in eine so einerseits lächerliche, andererseits gefährliche Situation bei der Energieversorgung gebracht zu haben. Wenn nur 2 Fachleute dabei wären und die Erbegnis-Vorgabe der Kanzlerin diesmal wegbliebe, wäre sicher noch etwas zu retten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×