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31.07.2013

13:50 Uhr

Bundestagspräsident und die Plagiate

Bei Lammert alles nur geklaut?

VonMaike Freund

Nach Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg nun also Norbert Lammert: Auch seine Dissertation soll Plagiate enthalten. Doch was steht wirklich in der Arbeit? Machen Sie sich selbst ein Bild.

Anonyme Plagiate-Jäger sind Denunzianten

Video: Anonyme Plagiate-Jäger sind Denunzianten

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Düsseldorf„Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung. Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet.“ Das ist der Titel, der dem heutigen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert den Doktortitel einbrachte. 40 Jahre liegt es zurück, dass Lammert diese Dissertation schrieb. Doch nun kam heraus: Der Politiker soll von anderen Autoren Inhalte übernommen haben, ohne die zu kennzeichnen. Das behauptet jedenfalls ein anonyme Plagiatsjäger unter dem Pseudonym „Robert Schmidt“.

Auf 42 Seiten will der Plagiatsjäger Textpassagen aus 21 Quellen gefunden haben, die „Unregelmäßigkeiten“ aufweisen, schreibt er auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com. Und weiter: „Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen“, und meint damit den Bundestagspräsidenten.

Eine Anschuldigung jedenfalls scheint nicht zustimmen: Es geht um ein genutztes Buch, dass es laut Plagiatsjäger Schmidt gar nicht geben soll. Doch der Verfasser entkräftet den Vorwurf: Das Werk gebe es tatsächlich, es hätte ein Fehler im Titel vorgelegen, sagt der Politologe Wolfgang Jäger der „Süddeutschen Zeitung“. Jäger: Der anonyme Autor habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt. „Der hat nicht seriös gearbeitet.“

Doch das weist der Plagiatsjäger auf der Internetseite zurück: Er habe nie behauptet, den Titel erfunden zu haben, sondern „dass es diesen Titel in dieser Form nicht gibt“ und Lammert die Literaturangabe ohne Prüfung abgeschrieben habe. Konkret geht es um den Titel von Mathias Schmitz: „Die Funktion der Parteien im parlamentarischen Regierungssystem“.

„Wenn Herr Jäger nun sagt, er habe damit in Wirklichkeit den Titel Politische Parteien im parlamentarischen Regierungssystem von Mathias Schmitz, Manfred Hättich und Walter Gagel, Stuttgart 1967, gemeint, mag das ja stimmen. Am Sachverhalt ändert das jedoch nichts“, schreibt der Plagiatsjäger. Denn es sei nicht zulässig, Literaturverweise anderer ungeprüft und ohne Kennzeichnung zu übernehmen.

Für den österreichischen Plagiatexperten Stefan Weber ist bei der Doktorarbeit eindeutig wissenschaftliches Fehlverhalten feststellbar. „Das ist ein Plagiat. Daran gibt es nichts zu rütteln“, sagt Weber. Die Fakten seien erdrückend, sagte der Experte nach Durchsicht der Doktorarbeit. „Wenn die Wahrheit gewinnt, wird das mit dem Entzug des Doktortitels und dem Rücktritt enden“, sagt Weber.

Kommentare (33)

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mantra

31.07.2013, 14:03 Uhr

"...ALLES NUR GEKLAUT?" - A-L-L-E-S...;.))) Die Sommerloch-Lachnummer tritt auf die Kleinkunstbühne, sie wird das politische Kontrukt Bundestag möglicherweise vor dem 22.9.13 zum Fall bringen. Und damit die europäischen Finanzmärkte anheizen: Heißer Herbst ohne Flammen.

E.deVere

31.07.2013, 14:06 Uhr

Der selbsternannte Plagiatsjäger hätte in anderen politischen Systemem sicherlich einen brillianten Job als Blockwart oder Abschnittsbevollmächtigter gemacht. Nun ja, Denunziantentum ist eine Meisterschaft aus Deutschland - war so, bleibt so. Und dann hat diese Person noch nicht mal so viel Rückgrat, seinen Namen zu nennen und sich ggf. einer Diskussion zu stellen. Was sollen wir nicht erfahren? Dass diese Person soziale Leistungen der Gesellschaft bezieht oder....? Mir fällt letztendlich nur ein Wort für diese Person ein: ASOZIAL.

Account gelöscht!

31.07.2013, 14:08 Uhr

Als ob das unser Hauptproblem wäre! Unsere Ersparnisse und unsere privaten Renten verbrennen im Feuer der negativen Realzinsen, während Milliarden in den Süden gepumpt werden und wir machen ein Fass auf wegen ein paar Seiten Papier die jemand vor 40 Jahren geschripselt hat.


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