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01.10.2012

07:01 Uhr

Bundestagswahl 2013

FDP will keine Ampel-Koalition mit Steinbrück

Trotz konservativ anmutendem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück: FDP-Generalsekretär Patrick Döring erteilt einem Bündnis mit SPD und Grünen eine Absage. Dabei zeigen die Parteien bisher keinerlei Interesse an einer Ampel.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring gibt einer Ampel-Koalition mit der SPD keine Chance. dpa

FDP-Generalsekretär Patrick Döring gibt einer Ampel-Koalition mit der SPD keine Chance.

DüsseldorfDie FDP tritt Spekulationen über ein mögliches Bündnis aus SPD, Grünen und FDP nach der Bundestagswahl 2013 entgegen. "Nur weil die SPD jetzt einen konservativ anmutenden Kanzlerkandidaten hat, erhöht sich nicht die inhaltliche Nähe", sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring der "Rheinischen Post".

Die SPD wolle die Staatsschulden Europas den Deutschen aufladen, mehr Umverteilung durch neue Steuern und bekenne sich nicht zum Ziel, auf Verschuldung zu verzichten, kritisierte Döring. "Wie sollen da Liberale mitmachen?"

Der Zeitung zufolge hat auch Parteichef Philipp Rösler intern deutlich gemacht, dass er die Koalition mit der Union fortsetzen wolle und dies im Wahlkampf deutlich kommuniziert werden sollte. Gerade in der Europapolitik könne die FDP nicht mit der SPD zusammengehen.

Die Hoffnungswerte der FDP

Alles oder nichts

Die FDP kämpft ums Überleben. Nach dem Desaster an der Saar fuhr sie in Schleswig-Holstein ein akzeptables Ergebnis von gut acht Prozent ein - und auch in Nordrhein-Westfalen könnte es knapp reichen. Auf dem Weg in die ungewisse Zukunft hält sich die Partei an jedem Grashalm fest. Neue Hoffnung geben Umfragen, die die FDP im Bund wieder bei vier Prozent sehen. Worauf setzt die FDP im Überlebenskampf? Ein Überblick.

Existenzfrage

Die FDP hofft, dass sich bei den Bürgern die Erkenntnis durchsetzt, dass Deutschland nicht komplett ohne eine liberale Partei auskommen sollte. Auch die Parteiführung betont daher, dass es sich insbesondere im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen um eine Schicksalswahl handelt. Generalsekretär Patrick Döring mahnte, in den Landtagen müsse es auch künftig eine Stimme der Freiheit geben. Parteienforscher bezweifeln allerdings, dass es gelingt, die NRW-Wähler mit der Existenzfrage zu ködern. Zum einen schrecken sie erfahrungsgemäß nicht davor zurück, streng mit der FDP umzugehen. Bei Landtagswahlen stehen zudem landespolitische Themen stark im Vordergrund.

Gauck-Effekt

Die FDP hofft darauf, dass möglichst viel vom Glanz des neuen Staatsoberhaupts auf sie abfärbt. Denn die Partei schreibt sich auf die Fahnen, den in der Bevölkerung beliebten Joachim Gauck im Machtpoker gegen den Widerstand der Union durchgesetzt zu haben. Ohne die FDP hätte es den „Bürgerpräsidenten Gauck“ nicht gegeben, betont etwa Parteivize Holger Zastrow. Auf Begeisterung stößt bei der FDP, wie stark der einstige DDR-Bürgerrechtler mit liberalen Denkrichtungen übereinstimmt - vor allem bezogen auf das Motto „Freiheit zur Verantwortung“. Zwar wird betont, die Partei wolle Gauck keineswegs für sich vereinnahmen. Gleichwohl erwartet die FDP durch ihn Anknüpfungspunkte und Rückenstärkung für die eigenen Themen, bei denen der Freiheitsbezug ganz oben steht.

Konsequenz

Wie bei der Gauck-Nominierung hat die FDP bei der Abstimmung zum NRW-Haushalt Standfestigkeit gezeigt. Der Vorlage der rot-grünen Minderheitsregierung stimmte sie trotz der drohenden Wahlniederlage nicht zu. Die FDP hofft nun, dass die konsequente Haltung von den Wählern honoriert wird. Die FDP habe den „Schuldenhaushalt“ des „Polit-Experiments“ Rot-Grün verhindert, brüstete sich Generalsekretär Döring.

Kandidaten-Bekenntnis

In Nordrhein-Westfalen wollen die Liberalen nicht nur damit punkten, dass sie mit Christian Lindner einen eloquenten und in der Partei hoch angesehenen Spitzenkandidaten ins Rennen schicken, sondern auch damit, dass dieser sich klar für eine Zukunft im Landtag entschieden hat. Dies bedeutet, dass er sein Bundestagsmandat aufgeben muss. Entsprechend reitet die Partei auf dem CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen herum. Der Bundesumweltminister lässt beharrlich offen, ob er dauerhaft in die Landespolitik wechseln wird. Die Liberalen unterstellen ihm deshalb mangelnde Ernsthaftigkeit. Lindner setzt zudem darauf, dass allein sein Mut zur Übernahme von Verantwortung in schwieriger Lage beim Wahlvolk ankommt. Für Röslers Zukunft ist sein Comeback allerdings nicht ohne Gefahr.

Teamplay

Die FDP will sich stärker als Team präsentieren. Linder und der schleswig-holsteinische Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki präsentieren sich im Wahlkampf neuerdings als gut harmonierende Parteifreunde, die gemeinsam bundesweit das Ruder für die FDP herumreißen wollen. Die Parteizentrale will die Wahlkämpfer „vollumfänglich“ unterstützen. Die gesamte Bundesspitze und die Minister werden vor Ort auftreten. Zudem hat die FDP ihre Talkshow-Präsenz erhöht.

Themen

Im Mittelpunkt sollen bei der FDP „Brot- und Butterthemen“ stehen. Rösler setzt vor allem auf eine Positionierung als Partei von Wachstum und Fortschritt, wozu unter anderem eine strenge Haushaltsdisziplin gehört. Die Schwerpunktsetzung spiegelt sich auch im neuen Grundsatzprogramm wider, das die FDP zwei Wochen vor der Schleswig-Holstein-Wahl beim Parteitag im April verabschiedete. Es soll für eine moderne, thematisch breit aufgestellte und pro-europäische FDP stehen. Die langjährige Forderung nach Steuersenkungen spielt darin keine Rolle mehr. Sie wird für den Absturz der FDP mitverantwortlich gemacht.

Parteichef der SPD, Sigmar Gabriel, hatte einer Ampel-Koalition mit Grünen und FDP nach der Bundeswahl eine Absage erteilt. "Wir wollen das nicht, weil das sicher eine schwierige Koalition wäre", sagte Gabriel im ZDF. Spekulationen über eine Ampel seien "Denksportaufgaben, für Menschen, die nicht genau wissen, was sie machen wollen." Heute wird Peer Steinbrück formell zum Kanzlerkandidaten der SPD gekürt.

Von

dapd

Kommentare (15)

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pepe

01.10.2012, 07:47 Uhr

Warum sollte Steinbrück denn auch mit einer Splitter-Partei eine Koalition eingehen, die ab 2013 nicht mehr im Bundestag verreten sien wird? Da sind wohl ander Dinge wichtiger.

Arroganz-der-Politik

01.10.2012, 08:07 Uhr

Die FDP und Steinbrück haben zumindest eines gemeinsam, ihre Arroganz!

Die FDP wird sich zukünftig den Bundestag von außen anschauen, denn mit Steinbrück ist die SPD auch für Neoliberale wählbar. Steinbrück rettete die HRE auf Kosten der Steuerzahler, um das Privatvermögen der Anleger zu schonen. Steinbrück hält die Taschen ebenso gerne auf, wie die FDP! Als Mitglied des Bundestages war in diesem kaum zu sehen. Statt dessen hielt er Vorträge bei bei den Banken und kassierte kräftig ab. Ähnliches kennen wir von der FDP - Stichwort Koch-Mehrin.

Steinbrück kann auch Rösler die Hand geben, denn ebenso wie Rösler sorgte Steinbrück für extrem schlechte Wahlergebnisse seiner Partei.

Und warum man 1 Million Spendengelder für ein privates Schachturnier sammeln muss, entspricht auch mehr Logig der FDP.

Account gelöscht!

01.10.2012, 08:13 Uhr

Einem anderen den Autospiegel abfahren und dann abhauen, das ist liberal.

Schönen Tag noch.

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