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11.11.2016

19:36 Uhr

Bundestagswahl 2017

Geplante Werbekampagne deutet auf Merkels Kandidatur hin

Kanzlerin Angela Merkel hat laut einem Bericht eine Hamburger Agentur mit einer Werbekampagne für die Bundestagswahl beauftragt. Die Entscheidung könnte ein weiteres Indiz für die erneute Kandidatur der CDU-Chefin sein.

Laut einem Medienbericht hat die Kanzlerin bereits eine Agentur für die Werbekampagne ihrer Partei im Wahlkampf ausgesucht. dpa

Angela Merkel

Laut einem Medienbericht hat die Kanzlerin bereits eine Agentur für die Werbekampagne ihrer Partei im Wahlkampf ausgesucht.

HamburgCDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach einem Bericht des „Spiegel“ bereits eine Agentur für die Werbekampagne ihrer Partei im Wahlkampf 2017 ausgesucht. Den Auftrag soll aller Voraussicht nach die Hamburger Agentur Jung von Matt bekommen, meldete das Magazin unter Berufung auf die CDU-Spitze.

Demnach hat Merkel die Werber persönlich ausgewählt. Dem Bericht zufolge ist die Entscheidung ein weiteres Indiz für eine erneute Kandidatur Merkels für das Kanzleramt.

Merkel hat sich bislang noch nicht öffentlich in der Frage festgelegt. Die Bundestagswahl findet im Herbst 2017 statt. Anfang Dezember wird auf dem CDU-Parteitag die Parteiführung neu gewählt. Merkel selbst hatte diese Entscheidung mit der Kanzlerkandidatur verknüpft.

Die Krisen in Merkels dritter Amtszeit

Hintergrund

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich weiterhin nicht festlegen, ob sie bei der kommenden Bundestagswahl noch einmal als Spitzenkandidatin der Union antritt. Tut sie es und gewinnt, stünde ihre vierte Amtszeit als Regierungschefin an. Hinter der 62-Jährigen liegt eine Legislaturperiode voller Krisen und internationaler Konflikte, die Deutschland und Europa auch in den kommenden Jahren beschäftigen werden.

Flüchtlingskrise

Die durch den Bürgerkrieg in Syrien maßgeblich ausgelöste Flüchtlingskrise ist wohl das wichtigste Thema in Merkels dritter Amtszeit. Für die Aufnahme hunderttausender Menschen in Deutschland 2015 und für ihre Aussage „Wir schaffen das“ erntete sie einerseits viel Lob aus dem Ausland. Die CDU-Vorsitzende zog aber zugleich massive Kritik auf sich – auch aus den eigenen Reihen.

Die zuvor von guten Umfragewerten verwöhnte Kanzlerin sah sich großer Skepsis in Teilen der Bevölkerung gegenüber und musste den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD hinnehmen. Ereignisse wie die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht durch Zuwanderer und die von Flüchtlingen begangenen Anschläge von Würzburg und Ansbach ließen viele Menschen an Merkels Linie zweifeln.

Euro-Krise

Die Flüchtlingskrise verdrängte in der öffentlichen Aufmerksamkeit die Sorgen um die Schuldenberge in Europa, die desaströse Lage Griechenlands und die im europäischen Bankensystem schlummernden Gefahren. Diese Themen beschäftigten Merkel und ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode intensiv – und trotz zahlreicher von Europa getroffenen Vorsichtsmaßnahmen sind weitere Erschütterungen nicht ausgeschlossen. Griechenland erhält inzwischen Hilfsgelder aus dem dritten internationalen Milliardenprogramm. Ob das Land dann wieder auf eigenen Füßen stehen kann, ist ungewiss.

Krise um Europa

In vielen Ländern sind Populisten und EU-Gegner im Aufwind, viele Bürger Europas wenden sich von dem Gemeinschaftsprojekt ab. Kritiker werfen Merkel je nach politischer Couleur wahlweise vor, Europa mit der von Deutschland vertretenen Sparpolitik oder mit den Hilfszahlungen an angeschlagene Euro-Länder an den Rand des Abgrunds getrieben zu haben. Ihre Aussage, diese Politik sei „alternativlos“, empfanden Gegner der Kanzlerin als undemokratisch. Einen schweren Schock erlitt Europa durch das Votum der Briten für einen EU-Austritt.

Krise um die Türkei

Kritiker werfen der Kanzlerin vor, Europa dadurch erpressbar gemacht zu haben. Merkel muss seitdem gegenüber dem schwierigen Partner Türkei einen Balanceakt vollbringen. Deutlich wurde dies unter anderem angesichts des drastischen Vorgehens der türkischen Regierung gegen angebliche Gegner nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016.

Krise um Russland

Europa erlebt in seiner Nachbarschaft eine anhaltende Phase der Instabilität, wie sie viele nach Ende des Kalten Krieges nicht mehr für möglich gehalten hatten. Der Konflikt mit Russland um die Ostukraine und die russische Annexion der Krim zogen europäische Sanktionen gegen Moskau, einen Ausschluss des Landes aus dem Kreis der großen Industrienationen (jetzt G7) und eine umstrittene stärkere militärische Nato-Präsenz im Baltikum nach sich.

Merkel bemühte sich in zahllosen Telefonaten und bei persönlichen Besuchen um Vermittlung zwischen Moskau und Kiew, das Abkommen von Minsk brachte jedoch keinen dauerhaften Frieden.
Der Konflikt mit Moskau behindert nach Ansicht vieler auch die Suche nach einer Friedenslösung für den Bürgerkrieg in Syrien, da Moskau Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Der im März 2011 begonnene Konflikt führte letztlich auch zu dem von Merkel massiv unterstützten EU-Abkommen mit der Türkei über die Rücknahme von Flüchtlingen.

Die CDU-Zentrale teilte auf AFP-Anfrage mit: „Wir werden die Agentur-Entscheidung zum gegebenen Zeitpunkt öffentlich bekannt geben.“

Jung von Matt arbeitete bisher vor allem für Unternehmen, unter anderem für den Autovermieter Sixt. In der Kampagne für Sixt hatten die Werber Merkel schon mehrfach auf die Schippe genommen. So entwarfen sie im Jahr 2001 ein Plakat, das zwei Bilder Merkels zeigt. Eines mit ihrer normalen Frisur und eines, auf dem ihr die Haare zu Berge stehen. „Lust auf eine neue Frisur? Mieten Sie sich ein Cabrio“, stand unter den Bildern.

Von

afp

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