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12.09.2013

18:54 Uhr

Bundestagswahl

Grünen-Landesverbände üben Kritik an Parteispitze

Die Grünen haben in Umfragen rapide an Stimmen verloren. Zuletzt landete die Partei bei neun Prozent – so tief wie seit 2009 nicht mehr. Nun hagelt's Kritik von den Landesverbänden. Fehler haben sie bereits ausgemacht.

Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, schneidet Brot. Für den Popularitätsverlust machen Demoskopen auch den Vorschlag eines „Veggie-Days“ verantwortlich. dpa

Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, schneidet Brot. Für den Popularitätsverlust machen Demoskopen auch den Vorschlag eines „Veggie-Days“ verantwortlich.

BerlinIn mehreren Landesverbänden der Grünen wird angesichts schwacher Umfragewerte offen Kritik am Kurs der Parteispitze im Bundestagswahlkampf geübt. „Uns muss gelingen deutlich zu machen, für was wir stehen“, sagte der bayerische Landesvorsitzende Dieter Janecek am Donnerstag zu Reuters. Mit Blick auf massive Kritik an den Steuerplänen im grünen Wahlprogramm sagte er: „Das hätte man von Anfang an vielleicht deutlicher sehen können, dass da auch viel Gegenwind kommen wird.“ Er forderte, in der Schlussphase des Wahlkampfes einen Schwerpunkt auf die Themen Energiewende, Bildung und eine „modernere Gesellschaftspolitik“ zu setzen. Ähnlich äußerten sich auch die Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein und Hessen.

Auslöser der Debatte ist der rapide Einbruch der Grünen in Umfragen. Zuletzt landete die Partei beim Forsa-Institut bei neun Prozent, so tief wie seit Mai 2009 nicht mehr. Wahlforscher führen dies unter anderem auf die Steuerpläne zurück. Demnach nehmen viele Wähler an, von Steuererhöhungen betroffen zu werden, falls die Grünen regieren. Die Partei versichert jedoch, sie wolle höchsten fünf bis zehn Prozent der Menschen mit hohem Einkommen stärker belasten. Die übrigen 90 Prozent würden entlastet. Für den Popularitätsverlust machen Demoskopen auch den Vorschlag verantwortlich einmal in der Woche einen fleischlosen Tag in Kantinen einzuführen. Demnach wird der "Veggie-Day" als Bevormundung empfunden, obwohl es sich um eine Empfehlung handelt.

Fakten zum Fleischkonsum in Deutschland

Fleischproduktion

Die weltweite Fleischproduktion ist nach Angaben des WWF um 400 Prozent angestiegen: Von 1961 bis 2009 ist die Produktion von 70 Millionen Tonnen auf 300 Millionen Tonnen gewachsen.

Quelle: WWF

Jahresverbrauch

Durchschnittlich lag der Fleischbrauch pro Kopf in Deutschland im Jahr 2010 bei 88,2 Kilogramm.

Tagesverbrauch

Durchschnittlich verzehren die Deutschen pro Tag rund 166 Gramm Fleisch.

Empfohlene Tagesmenge an Fleisch

Aus ernährungspsychologischer Sich liegt die empfohlene Tagesmenge an Fleisch bei rund 86 Gramm.

Risiken beim Fleischkonsum

Bereits wenn die empfohlene Tagesdosis an Fleisch um 50 Gramm überschritten wird, erhöht sich das Risiko an Diabetes Typ II zu erkranken um 25 - 40 Prozent.

Welche Tiere essen die Deutschen?

Durchschnittlich verzehrt ein Deutscher in seinem Leben vier Kühe und Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner.

Geflügel

Im Jahr 2010 wurden 683.114.084 Hühner, Truthähne und anders Geflügel geschlachtet.

Schweine

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 58.413.677 Schweine geschlachtet.

Artgerechte Tierhaltung

Der Anteil des Schweinefleisches auf dem deutschen Markt, dass aus artgerechter oder ökologischer Tierhaltung stammt, beträgt laut WWF 0,5 Prozent.

Genutzte Fläche

Wenn der Fleischkonsum in den OECD-Ländern um 30 Prozent reduziert werden würde, stünden 30 Millionen Hektar Fläche mehr zur Verfügung.

Quelle: WWF

Auch die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ruth Kastner ist unzufrieden mit der Wahlkampagne: „In der Steuerpolitik ist es uns nicht gelungen, deutlich zu machen, dass 90 Prozent der Bürger und Unternehmen entlastet werden und dass die Belastungen für die anderen moderat ausfallen“, sagte sie der „Welt“. Jeder Wähler glaube erst einmal, er sei betroffen. „Das läuft gegen uns.“

In Bayern, wo am Sonntag ein neuer Landtag gewählt wird, werde ein eigenständiger Wahlkampf geführt, sagte Janecek. „Aber natürlich spielt der Bundestrend eine Rolle im Wahlkampf. Bundestagswahlkampf und Landtagswahlkampf laufen parallel und die Menschen unterscheiden da nicht groß.“ Kritik an den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, übte er ebenso wenig wie Kastner.

Unmut kommt auch aus Hessen, wo parallel zur Bundestagswahl am 22. September ein neuer Landtag gewählt wird. Grünen-Landeschef Tarek al Wazir hatte erklärt, viele Menschen würden befürchten, von den Steuererhöhungen betroffen zu sein. „Das ist sicher ein kommunikatives Problem. Wenn ein Drittel der Leute glaubt, dass sie zu den oberen sieben Prozent gehören, dann stimmt etwas nicht“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Gastredner

12.09.2013, 22:43 Uhr

Wer jetzt immer noch Rot/Grün wählt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Steuererhöhungsorgie und damit Wirtschafts-Zerstörungs-Orgie vom feinsten. Die einzige Koalition, die Deutschland weiterhin vor Rot-Rot-Grün (und genau das würde bei der Münchhausen Partei kommen) und somit dem sicheren Ruin retten kann ist: CDU/CSU & FDP. Ich weiß, ich weiß...es ist sicherlich nicht alles Gold, was glänzt. Nur alle anderen Alternativen sind noch schlimmer. Viel schlimmer. Das ahnt der Bürger noch nicht mal mehr, was die versteckten Plänge (man muss auch endlich mal in die SPD/Grüne Parteiprogramme gucken) Steuererhöhungspläne wirklich bedeuten würden. Deshalb CDU/CSU & Zweitstimme FDP am Wahltag.

Finger

12.09.2013, 23:23 Uhr

Die grünen Bevormunder sollten alle Führungsköpfe abrasieren und einen Neuanfang wagen. Sie brauchen ein neues Programm mit viel Bürgernähe. Die alten Köpfe haben die Grundlagen der grünen Politik verraten und sich von den Bürgern verabschiedet. Die Alternative wäre, die Grünen lösen sich auf.

Augias

13.09.2013, 07:52 Uhr

Es ist ja nicht nur der lausige Veggieday, der den Grüninnen zu schaffen macht, es ist vor allem ihre bodenlose Arroganz, mit der sie ihre moralinsaure Deutungshoheit öffentlich vertreten. Sie beanspruchen ex cathedra das Gutmenschentum gepachtet zu haben, und alle, die davon abweichen werden ohne jede weitere Diskussion mit der Naziekeule erschlagen. Dass das rot-grüne Verblödungsmilieu auch für den Niedergang deutscher Bildung verantwortlich ist, dürfte in der Gesamtschau lediglich als Petitesse wahrgenommen werden. Ja, und ihre unselige pädophile Tradition haben sie noch immer nicht aufgearbeitet, obwohl sie die Ersten waren, die die katholische Kirche dafür in Grund und Boden verdammten.

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