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13.02.2017

08:24 Uhr

Bundestagswahl

Schulz-Hoch durch Nicht-Wähler

Vor der anstehenden Bundestagswahl haben sich die Präferenzen von Nicht-Wählern deutlich verschoben – das zeigen aktuelle Umfrageergebnisse. Während die AfD an Zulauf verliert, wandern umso mehr Wähler zur SPD.

Die Stimmen von Nicht-Wählern spielen der SPD in die Karten. dpa

Martin Schulz

Die Stimmen von Nicht-Wählern spielen der SPD in die Karten.

BerlinVorherige Nicht-Wähler könnten einer Umfrage zufolge zur entscheidenden Größe bei den kommenden Bundestagswahlen werden. Jeder fünfte aktuelle SPD-Unterstützer war 2013 noch Nicht-Wähler, aber nur jeder zehnte aktuelle Unionswähler ging vor vier Jahren nicht zur Wahl, wie aus jüngsten Erhebungen des Instituts Insa für „Bild“ (Vorabbericht aus der Montagausgabe) hervorgeht. Erhielt die AfD bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr den größten Zulauf aus dem Lager der Nicht-Wähler, so ging deren Anteil demnach bei den aktuellen AfD-Unterstützern in den vergangenen 14 Tagen um rund 40 Prozent zurück.

Der Anteil der Nichtwähler von 2013, die aktuell für die CDU/CSU stimmen wollen, ist der Umfrage zufolge in den vergangenen zwei Wochen um 30 Prozent gesunken. Dagegen sei der Anteil der Nichtwähler von 2013, die aktuell für die SPD stimmen wollen, in diesem Zeitraum um rund 70 Prozent gestiegen.

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Bei der Online-Erhebung wird immer auch das Wahlverhalten bei den zurückliegenden Wahlen abgefragt, um die Wählerwanderungen rekonstruieren zu können. Die Stichprobe der Umfragen liegt jeweils bei gut 2000 Befragten.

Seit der Festlegung auf den früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Kanzlerkandidat hat die SPD in Umfragen ihren Rückstand auf die Union deutlich verringert, in einer Erhebung liegt sie sogar vorn. Im direkten Vergleich mit Kanzlerin Angela Merkel hat Schulz zurzeit in den meisten Umfragen die Nase vorn.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

13.02.2017, 10:08 Uhr

Lasst diese Nichtwähler nur alle in Richtung Schulz rennen. Für die AfD ist es so oder so gut. Warum?
Weil die AfD bei der jetzigen Bundestagswahl keine Regierung stellt und so oder so als Opposition im Bundestag einzieht. Die AfD wird nicht als Gewinner aber als Sieger aus dieser Bundestagswahl hervorgehen. Die Regierung werden die Einheitsparteien unter Rot-Rot-Grün mit Unionsanteil unter sich ausmachen. Und das wird die nächsten 4 Jahre das reinste Desaster in der Deutschen Politik/Gesellschaft geben. Um so besser für die AfD. Die muss nur ihren Oppositionskurs strikt durchhalten, sich intern weiter festigen und zusammenhalten. Der Deutsche Wähler/Bürger wird somit die AfD in den nächsten Jahren Immer stärker unterstützen und damit auch machen.
Die FPÖ hat es vorgemacht. Die haben auch etliche Jahre gebraucht um so stark zu werden, wie diese Partei heute ist.

Herr Peer Kabus

13.02.2017, 10:20 Uhr

Zum nicht mehr kommentierbaren Artikel : "AfD-Vorstand will Höcke aus Partei ausschließen"

Für Typen wie Höcke, Hofmann & Co gibt es doch noch die NPD. Die hält solche aufrechten nationalistischen Demokraten ganz sicher noch eine Weile aus.

G. Nampf

13.02.2017, 11:01 Uhr

Marc Hofmann 13.02.2017, 10:08 Uhr

"Die FPÖ hat es vorgemacht. "

Richtig. Die FPÖ und der FN (@HBO: es heißt wirklich DER Front National) haben sich von Rechtsextremen wie Höcke getrennt und sind erst dann stark geworden.

Die frustrierte bürgerliche Mitte wählt nur deswegen nicht AfD, weil dort solche neo-völkischen Ewiggestrigen wie Höcke, Poggenburg etc. dort ihren rechtsextremen Stuß verbreiten.

Solange Höcke in der AfD ist, wähle ich diese Partei NICHT.

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