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06.08.2013

10:53 Uhr

Bundestagswahl

Vom Kampf gegen die Teflon-Kanzlerin

Nein, die SPD gibt nicht auf. Der Schlussspurt vor der erfolgreichen Niedersachsen-Wahl ist ihr großes Vorbild. In der Kampa wird der Gegner unter Beschuss genommen. Ein Besuch im Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in der Wahlkampfzentrale „Kampa 2013“ im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Der „War Room“ der Kampa ist der Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes. dpa

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in der Wahlkampfzentrale „Kampa 2013“ im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Der „War Room“ der Kampa ist der Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes.

BerlinAndrea Nahles dreht sich vor Raum 3.16 noch einmal kurz um, schaut einen spannungsfroh an und sagt: „Hier geht's los.“ „Kampa“ hat ja bei der SPD seit 1998 einen fast magischen Klang. Auch wenn einige Spitzengenossen meinen, man hätte damals gegen Helmut Kohl auch gewonnen, wenn die Wahlkampfzentrale (kurz: Kampa) keine Telefonanschlüsse gehabt hätte. Nahles öffnet die Tür. Drinnen erblickt man als erstes einen großen gelben Föhn.

„Merkels heiße Luft“, steht da drauf - er wurde jüngst vor das Kanzleramt geschleppt, um die Maßnahmen der Kanzlerin gegen die enorm hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland aufzuspießen. „Aufspießen“, ist gerade ein Lieblingswort von Andrea Nahles. Die Generalsekretärin und oberste Wahlkampfmanagerin hat vor ein paar Tagen selbst am eigens aufgebauten Herd vor dem Kanzleramt gestanden - aus Protest gegen den Start des Betreuungsgeldes für Eltern, die ihr Kind nicht in die Kita schicken. Im SPD-Jargon firmiert die Leistung nur als „Herdprämie“. Dass Angela Merkel gar nicht da war, sondern im Urlaub in Südtirol, scheint egal zu sein. „Wir wollen Merkels Agieren aufspießen“, lässt Nahles wissen.

1998 war die Kampa aus dem Willy-Brandt-Haus ausgelagert worden, doch Nahles will sie anno 2013 lieber im Haus haben. „Das vermeidet Reibungsverluste“, sagt sie. Die Kampa ist die Kreativwerkstatt, dumm nur, dass Merkel bisher wie Teflon-beschichtet alles an sich abperlen lässt. Sie setzt auf das Prinzip „Luft“ - den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ignoriert sie einfach. Sie zu packen, sie zum Duell auf die Straße zu zerren, das ist auch Aufgabe der 80 Kampa-Leute. Daran dürfte auch Nahles nach dem 22. September gemessen werden.

Der SPD-Wähler ist ein schwieriges Wesen. Ohne Polarisierung und die Überzeugung, dass die Partei eine klare, bessere Alternative zu bieten hat, ist er schwer zu mobilisieren. Steinbrück hat daher schon hundertfach betont, Merkel klebe nur Etiketten auf leere Flaschen. Stichwort Lohnuntergrenze statt flächendeckender Mindestlohn oder Lebensleistungsrente statt 850 Euro Solidarrente. Er muss verhindern, dass Merkels Schwammigkeit das eigene Lager demobilisiert - denn bei geringer Wahlbeteiligung schneidet die SPD in aller Regel schwach ab.

Für Nahles ist es die bisher wohl schwierigste Mission ihrer politischen Karriere. Die 44-Jährige ist schon oft um 7 Uhr im Willy-Brandt-Haus, manchmal knipst sie erst um 24 Uhr das Licht aus. Doch sie ist gut drauf. Von Resignation in einem bisher suboptimalen Wahlkampf keine Spur. Das einzige was ihr gerade fehlt, ist mehr Zeit für die Familie daheim in der Eifel, ihre Tochter Ella bekommt die Mutter gerade nicht so oft zu Gesicht.

In Raum 3.16, der sogenannten Galerie I, sind rechts neben dem Föhn ein paar graue Schreibtische zu einem Viereck zusammengestellt worden, hier findet immer um 8.45 Uhr die Morgenlage mit 20 Leuten statt. An der Wand hängt eine mehrere Meter lange weiße Tafel, sie ist eine Art Zeitleiste. Dort ist unter anderem aufgeführt, wo an welchem Tag die rote Dialog-Box ist - drei Meter lang, vier Meter hoch -, in der Bürger mit SPD-Kandidaten vor Ort diskutieren können.

Kommentare (17)

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Eddie

06.08.2013, 11:23 Uhr

Mit Vortrags-Peer an der Spitze und Steuererhoehungen als Wahlprogrogramm kann die SPD sich noch so bemuehen - keine Chance gegen Mutti, die D besonnen durch die Krise gesteuert hat. Peer hingegen hat die Milliarden-schweren zweifelhaften Banken-Rettungen zu verantorten (u.a. IBK, HRE, WestLB, deren AAufsichtsrat er war), Griff in die Staatskasse (Bochumer Stadtwerke), Pflicht-Vernachlaessigunhg (statt an BT-Sitzungen teilzunehmen, hielt er lieber gut bezahlte Vortraege bei Firmen, denen er frueher Auftraege/Vorteile zugeschanzt hatte). Dazu kommen dann auch noch die Gruenen als kuenftiger Koalitionspartner (u.a. Fleischverbot...). Diese SPD hat sich selbst abgeschossen...

Account gelöscht!

06.08.2013, 11:55 Uhr

Wenn ich diese Nahles schon sehe, ist mir der ganze Tag verdorben
Das Mädel soll erst mal ordentlich arbeiten gehen

citadelle

06.08.2013, 12:19 Uhr

Rot-Grün schwächelt, Schwarz-Gelb schwächelt (Affären!!!), jedoch die erste Alternative AfD hat großen Zuwachs. Es wird eng für Merkel, denn die Spionageaffäre, Drohnenaffäre und die Entwertungen der privaten Sparrücklagen sind nicht mehr zu leugnen und auszusitzen. Für die Bürger ist es real spürbar. Darum müssen sich die Blockparteien nicht wundern, dass die Bürger Alternativen suchen. Der September wird spannender als gedacht! Nur die Frage?: Sollte ein Westrentner noch eine der Blockparteien wählen? Niemals, niemals, den eigenen Metzger wähle ich nicht!

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